Ein Geräusch im Morgengrauen
Es war still im Haus. Nur das gelegentliche Knarzen der Holzdecke, das sanfte Atmen von Mozart auf dem Sessel und das zufriedene Schnarchen von Kroko in der Küchenecke.
Doch dann …
Brumm. Brumm. Biep. Biep. RrrrRRRrrrrrrr.
Der Hai schreckte in seiner Wohnung auf. „Was war das?!“
Er warf einen Blick aus dem Fenster – und riss die Augen auf.
„Das Mähschaf … bewegt sich?!“
Alarm in der Küche
Keine zwei Minuten später stürmte der Hai die Treppe hinauf. In der Küche versammelten sich bereits verschlafene Gestalten.
Das Känguru versuchte sich einen Socken über den Kopf zu ziehen, der Waschbär hielt seinen Kissenbezug wie einen Poncho, und Uschi kam mit nur einem Flip-Flop an den Pfoten.
„Es ist … zu früh“, murmelte Mozart, der mit einem Auge aus dem Wohnzimmer kam.
„Zu früh für alles. Sogar für Philosophie.“
„Das Mähschaf ist los!“, rief der Hai. „Es mäht! Jetzt gerade!“
„Wie bitte?! Es ist doch nicht mal 7 Uhr!“, empörte sich das Känguru.
„Vielleicht hat es Frühlingsgefühle“, überlegte Stinkerle, der inzwischen mit einem Schraubenzieher bewaffnet erschien.
Das Rennen gegen die Technik
Die Tiere stürmten in den Garten. Und tatsächlich:
Dort drehte das kleine, fleißige Mähschaf unbeeindruckt seine Runden. Es tuckerte über den noch nassen Rasen, ließ eine feine Spur kurzgeschorener Halme zurück – und piepte dabei fröhlich vor sich hin.
„Halt! Stopp! Das ist kein Mähtag!“, rief der Hai.
„Vielleicht denkt es, es ist Mittwoch?“, schlug der Waschbär vor.
„Es ist Mittwoch“, warf Mozart ein.
„Genau! Mittwoch ist kein Mähschaf-Tag. Das war für Freitag eingetragen! Ich habe das geplant!“
Das Känguru sprang dem Roboter in den Weg – doch das Mähschaf wich elegant aus.
„Das ist ... verdächtig intelligent“, murmelte Stinkerle. „Ich glaube, es hat sich selbst aktiviert.“
Das Mähschaf denkt für sich selbst?
„Vielleicht hat es ein Update gemacht!“, rief der Hai. „Ich hab gestern Abend WLAN im Garten aktiviert …“
„Du hast WLAN im Garten aktiviert?!“, wiederholte Kroko mit offenem Maul.
„Es sollte nur die Wetterdaten synchronisieren!“
„Und was hat es stattdessen synchronisiert? Den Frühjahrsputzkalender?!“
In dem Moment piepte das Mähschaf laut, drehte sich – und fuhr zielsicher auf die Tomatenpflanzstelle zu.
„NICHT DIE TOMATEN!“, rief Uschi entsetzt.
Doch zum Glück griff Mozart ein.
Er hob langsam, mit feierlicher Ruhe, eine flache Hand.
„Mähschaf. Hör auf. Du bist zu früh. Wir sind noch nicht bereit.“
Das Mähschaf stoppte. Piepte zweimal. Und fuhr dann langsam, in aller Würde, zurück zu seiner Ladestation.
Stille.
Aufklärung bei Kakao
Zurück in der Küche saßen alle wieder um den Tisch.
„Also gut“, sagte der Hai und klappte sein Notizbuch auf. „Was lernen wir daraus?“
„Dass Roboter auch schlechte Entscheidungen treffen können“, sagte das Känguru.
„Dass Technik niemals den gesunden Menschenverstand ersetzt“, ergänzte Mozart.
„Dass der Rasen heute trotzdem gut aussieht“, grinste der Waschbär.
„Und dass ich ab sofort einen Schalter mit Vorhängeschloss einbaue“, murmelte Stinkerle.
Uschi stellte dampfende Tassen Kakao auf den Tisch. „Manchmal braucht der Frühling einfach eine Grenze. Und ein paar Minuten mehr Schlaf.“
Ein leiser, später Morgen
Das Mähschaf schlummerte wieder in seiner Ecke. Der Rasen war halb gemäht, halb vom Morgentau glänzend. Und im Haus kehrte langsam Ruhe ein.
„Morgen ist auch noch ein Tag“, sagte Mozart.
„Aber heute war eindeutig zu früh“, gähnte der Hai.
Und während der April sich von seiner sonnigen Seite zeigte, tranken die Tiere gemeinsam ihren Kakao – und beschlossen, dass Mittwoch kein Mähtag ist. Zumindest nicht vor acht Uhr.