1) Das Paket: schwer, verheißungsvoll, eindeutig Tee
Der Dienstag begann ruhig, bis es an der Tür klingelte. Der Hai war gerade nicht da – sonst hätte er die Post entgegengenommen wie eine Amtshandlung – also öffnete Uschi. Kroko stand direkt hinter ihr, weil er grundsätzlich bei Lieferungen in Küchenreichweite ist.
Der Paketbote übergab eine Kiste, die nicht nur groß war, sondern auch dieses besondere Gewicht hatte: Vorrat.
„Das ist für euch“, sagte der Bote.
Uschi hob es an, lachte kurz. „Oh, das ist… ordentlich.“
Kroko brummte: „Das ist gut.“
Sie trugen es in die Küche, stellten es auf den Tisch, und schon beim Öffnen kam ihnen ein Duft entgegen – trocken, fruchtig, kräutrig. Wie ein kleiner Laden in der Schachtel.
„Tee!“, sagte Uschi, als wäre das ein Ausruf der Freude.
Kroko brummte: „Sehr gut.“
2) Auspacken: Früchtetee in allen Farben
Sie packten aus, und es war fast komisch, wie viele Sorten da drin waren. Päckchen um Päckchen. Kleine Tüten. Große Beutel. Manche schlicht, manche extravagant.
Uschi zog eins nach dem anderen heraus und las laut vor, weil das bei Tee dazugehört:
„Waldbeere…“
„Pfirsich-Maracuja…“
„Apfel-Zimt, aber das ist eher für später…“
„Hibiskus-Kirsche…“
„Erdbeer-Rhabarber… oh!“
Sie hielt einen Früchtetee hoch, der so rot duftete, dass man es schon beim Lesen spürte. Lara kam dazu, roch an der geöffneten Tüte und lächelte sofort. „Das ist Sommer.“
Kroko fand die „soliden“ Sorten: einen kräftigen Schwarztee, einen grünen Tee, etwas Kräuteriges für den Magen. Er brummte zufrieden, als würde er einen Vorratskeller begutachten. „Wir sind versorgt.“
Dann kam der Hai rein, sah den Tisch voller Tee und blieb stehen. Seine Augen glänzten kurz.
„Neue Teesorten“, sagte er.
„Ja“, sagte Uschi stolz.
Der Hai zog sein Tablet. „Bitte Liste.“
Uschi seufzte liebevoll. „Hai…“
„Nur grob“, sagte der Hai. „Für Überblick.“
„Grob ist bei dir nie grob“, murmelte Waschbär aus dem Flur und steckte den Kopf rein.
3) Sortieren: Uschi weich, Kroko praktisch, Hai… Hai
Sie beschlossen, die Tees gleich ordentlich einzuräumen. Nicht, weil Chaos gedroht hätte, sondern weil Tee im Flanellweg einen eigenen Status hat: Tee ist Kultur.
Uschi sortierte nach Gefühl: „Frühlingsfrüchtig“, „Abends weich“, „Badetees“.
Kroko sortierte nach Funktion: „stark“, „mild“, „hilft immer“.
Der Hai sortierte nach System: „Frucht“, „Kräuter“, „Schwarz“, „Grün“, „Spezialmischung“. Er beschriftete sogar zwei Boxen.
„Du beschriftest Tee“, sagte Lara amüsiert.
„Ich beschrifte Zukunft“, sagte der Hai.
Waschbär hielt ein Päckchen hoch. „Kann man Tee auch als Farbe benutzen?“
„Nein“, sagte Uschi sofort.
Waschbär grinste. „Noch nicht.“
Odin kam kurz vorbei, sah den Tisch und sagte trocken: „Das ist eine gute Lieferung.“
„Frischer Vorrat für Frühling und Sommer“, sagte Uschi.
Odin nickte. „Dann wird der Mai ruhig.“
Mozart, im Hintergrund, lächelte. „Tee ist eine Form von Zeit“, sagte er leise. „Man gießt sie auf.“
4) Teeprobe am Nachmittag: Ein kleines Fest ohne Anlass
Am Nachmittag entschieden sie spontan: Wenn so viel Tee da ist, muss man probieren. Alles andere wäre unhöflich gegenüber dem Duft.
Uschi stellte mehrere Kannen bereit. Kroko übernahm das Wasser – natürlich mit seinem Kaffeevollautomat/Heißwasser-Setup, sauber dosiert. Der Hai wollte Ziehzeiten bestimmen.
„Früchtetee: acht bis zehn Minuten“, sagte er.
„Das ist sehr lang“, sagte Lara.
„Früchtetee braucht Zeit“, sagte der Hai streng.
„Dann bin ich heute Früchtetee“, sagte Waschbär und setzte sich demonstrativ hin.
Sie machten drei Sorten: etwas Beeriges, etwas Zitrusiges, etwas Kräuteriges. Der Duft füllte die Küche, und plötzlich roch das Haus nach Sommer, obwohl draußen noch April war.
Die Küchenkatzen kamen kurz vorbei, schnupperten, entschieden, dass Tee uninteressant ist, und gingen zurück zum Fenster. Minimaler Positionswechsel: Sonne besser ausrichten.
Als die Tassen verteilt wurden, wurde es im Wohnzimmer stiller auf eine gute Art. Nicht „müde“, sondern „angekommen“.
„Oh“, sagte Uschi nach dem ersten Schluck, „das ist genau richtig.“
Kroko brummte zustimmend. „Das ist… sauber.“
Lara lächelte. „Das schmeckt nach Terrasse.“
Der Hai nickte. „Zufriedenstellende Aromakurve.“
Waschbär hielt seine Tasse hoch. „Auf den Frühling.“
Alle tranken.
5) Abend: Tee ist jetzt Saison
Später standen die neuen Tees im Schrank wie eine kleine, duftende Sicherheitsreserve. Nicht für Notfälle – für Momente. Uschi war sichtbar glücklich, weil Tee für sie immer auch Fürsorge bedeutet. Kroko war zufrieden, weil Vorrat gleich Stabilität ist. Der Hai war beruhigt, weil jetzt Ordnung herrscht.
Und der Flanellweg hatte wieder ein neues Element in seiner Lore: Früchtetee-Saison.
Mozart sah in die Tassen, in die ruhigen Gesichter, und man merkte: Für ihn war das kein Kleinkram. Es war das, was ein Zuhause trägt.
6) Mozarts Satz des Tages
Mozart lächelte in seine Tasse und sagte:
„Wenn der Frühling kommt,
braucht ein Haus nicht viel.
Manchmal reicht ein Duft,
der nach Beeren und Licht schmeckt,
und eine Runde am Nachmittag,
in der alle kurz still werden.
Tee ist keine Lösung –
aber oft ein sehr guter Anfang.“