27. Dezember 2025 Schnee Weihnachten 6 min

Die Tage zwischen den Jahren

Die Tage zwischen den Jahren

1) Ein Samstag, der nicht drängt

Der Samstag begann spät, so spät, dass selbst der Hai es nicht „unproduktiv“ nennen konnte, sondern nur „regenerativ“. Der Weihnachtsbaum leuchtete noch, aber nicht mehr wie ein Ereignis – eher wie ein vertrautes Möbelstück mit guter Laune. Der Kamin brannte in einem ruhigen, gleichmäßigen Tempo, als hätte er über die Feiertage gelernt, dass man Wärme nicht beweisen muss.

In der Küche standen Reste, die sich wichtig fühlten: ein Stück Stollen, ein paar Plätzchendosen, Käse vom Raclette, Brot von Björn. Kroko betrachtete das alles mit Respekt.
„Reste sind Erinnerung“, brummte er. „Man muss sie würdig behandeln.“
„Reste sind Statistik“, sagte der Hai, der bereits überlegte, ob man eine „Resteverbrauchsquote“ ermitteln könne.
Uschi stellte ihm Tee hin. „Heute keine Quoten.“
Der Hai atmete aus. „Heute… vielleicht nur eine kleine.“

Waschbär hatte eine Wärmflasche im Arm wie ein Haustier und sah aus, als wäre er endlich angekommen – nicht im Jahr, sondern in diesem Zwischenraum danach.


2) „Zwischen den Jahren“: als hätte die Zeit Hausschuhe an

Es war Mozart, der das Thema anstieß, ganz beiläufig. Er saß im Sessel, schaute in die Flammen und sagte:
„Jetzt sind wir in der Zeit zwischen den Jahren.“

Tigerlein hob das Mikrofon, aber nur minimal. „Das sagt man immer. Aber… was ist das eigentlich?“
Das Känguru richtete sich in der Hängematte auf. „Das ist ein kulturelles Konstrukt, um Übergänge zu legitimieren.“
Kroko brummte: „Das ist die Zeit, in der man zu viel isst und trotzdem noch Plätzchen findet.“
Uschi lächelte. „Das ist die Zeit, in der man endlich wieder atmet.“

Der Hai überlegte kurz und sagte dann, überraschend weich:
„Es fühlt sich an, als hätte die Zeit Hausschuhe an.“

Alle sahen ihn an. Waschbär grinste. „Du bist poetischer, als du zugibst.“
Der Hai räusperte sich. „Das ist eine Beobachtung, keine Poesie.“

Odin, der still dabei war, nickte. „Zwischen den Jahren“, sagte er, „ist der Teil, in dem man nichts beweisen muss. Man darf nur… sehen, was war.“
„Und was kommt“, ergänzte Mozart. „Aber ohne Druck.“


3) Rückblick: ein Jahr, das im Haus geblieben ist

Sie begannen, sich zu erinnern – nicht chronologisch, sondern so, wie Erinnerung eben arbeitet: in Bildern, Düften, Geräuschen.

„Der Pool“, sagte Waschbär plötzlich. „Wie wir den gebaut haben! Und wie wir im Sommer…“
„Und wie wir ihn winterfest gemacht haben“, ergänzte Stinkerle sofort, weil er nie ein Projekt unvollendet in einer Erinnerung lassen konnte.

Der Hai nickte. „Pool: abgeschlossen. Abdeckung: stabil. Status: ruhend.“
„Du redest über unseren Pool wie über einen Kollegen“, sagte Uschi.
„Er ist ein Kollege“, sagte der Hai ernst.

„Der Kamin“, sagte Kroko und sah dabei unwillkürlich in die Flammen. „Das war… viel Arbeit.“
„Und jetzt ist er das Herz“, sagte Uschi leise.
Mozart nickte. „Ein Feuer, das man selbst gebaut hat, wärmt anders.“

Tigerlein spielte eine kurze Aufnahme ab, die er noch hatte: Holzspalten, das rhythmische Klack, dann Lachen. Lara legte aus der Küche unauffällig passende Musik darunter, als würde sie den Rückblick moderieren.

„Die Gulaschkanone“, brummte Kroko. „Ich werd nie vergessen, wie ich darin gekocht hab. Das war… ernsthaft.“
Stinkerle strahlte. „Und ich hab sie gerettet.“
„Minzfrei?“ fragte Waschbär reflexartig.
„Minzfrei“, sagte Stinkerle würdevoll.

Das Känguru erinnerte sich natürlich an politische Diskussionen. „Wir haben dieses Jahr gelernt, dass Gemeinschaft ein System ist“, sagte es. „Mit Regeln, aber auch mit… Wärme.“
„Das ist fast ein Weihnachtszitat“, murmelte Waschbär.
„Ich kann auch festlich“, sagte das Känguru und tat so, als wäre es ihm egal.


4) Die kleinen Abenteuer: Plätzchen, Dach und Dorf

Dann kamen die Dezembergeschichten, die noch so nah waren, dass sie praktisch im Teppich lagen.

„Spritzgebäck“, sagte Uschi und lachte. „So viel, dass wir zwei Tage lang Krümel hatten.“
Alle schauten kurz zu Elise, die gerade vorbeifuhr. Sie machte ein zufriedenes bip – als würde sie sagen: Ich erinnere mich sehr gut.

„Die Plätzcheninventur“, sagte der Hai, und man hörte, dass es ihm immer noch wichtig war. „Das war notwendig.“
„Und trotzdem ist eine Dose verschwunden“, erinnerte Waschbär genüsslich.
Der Hai seufzte. „Und trotzdem.“

„Die Dachmission“, sagte Tigerlein. „Westerns und Schnee und Stinkerle auf dem Dach…“
„Ich war professionell“, sagte Waschbär sofort.
„Du warst begeistert“, korrigierte Stinkerle. „Ich war professionell.“
„Ihr wart beide gesichert“, sagte der Hai streng, was in seiner Sprache ein Kompliment war.

Odin erwähnte den Weihnachtsmarkt, und wie der Schnee dort im Licht getanzt hatte. Uschi sprach von Heiligabend und dem Raclette zwischen Kamin und Baum. Kroko brummte etwas über Björns Torte und „gute Leute im Dorf“.

„Wir haben dieses Jahr nicht nur Dinge gemacht“, sagte Mozart irgendwann. „Wir haben… eine Welt gebaut.“
Der Hai blickte auf, als hätte ihn das Wort getroffen. „Ja“, sagte er leise. „Wir haben Strukturen gebaut.“
Waschbär fügte hinzu: „Und Lichter.“
Stinkerle: „Und Geräte.“
Uschi: „Und Rituale.“
Odin: „Und Ruhe.“

Es war, als würden sie gemeinsam ein Jahr auf den Tisch legen und merken: Es passt. Trotz allem.


5) Ein stiller Ausblick: Silvester als Tür, nicht als Druck

Als es später wurde, saßen sie wieder näher am Kamin. Draußen war der Schnee blau im Mondlicht. Der Baum leuchtete, als hätte er beschlossen, bis Silvester einfach weiter freundlich zu sein.

„Und jetzt?“, fragte Tigerlein. „Was machen wir bis Silvester?“
Der Hai wollte gerade „Plan“ sagen, hielt dann aber inne.
„Wir lassen es langsam“, sagte er stattdessen. „Aber… mit guter Vorbereitung.“
„Das ist fair“, sagte Uschi.

Stinkerle murmelte schon etwas von „kleine Silvester-Lichter, aber sicher“, und Kroko dachte laut über „etwas Deftiges“ nach. Das Känguru kündigte an, dass es „eine Rede“ geben könnte, und alle taten so, als wären sie überrascht.

Odin sah in die Flammen. „Silvester ist nur eine Tür“, sagte er. „Man muss nicht rennen, um durchzugehen.“
Mozart nickte. „Man muss nur wissen, dass sie da ist.“


6) Mozarts Satz des Tages

Mozart legte die Zeitung weg, faltete seine Pfoten um die Tasse, und sprach, als würde er den Zwischenraum zwischen den Jahren einmal sanft benennen:

„Zwischen den Jahren

steht die Zeit still genug,

dass man hören kann,

was man sonst übergeht:

das Knistern im Kamin,

das Lachen in alten Projekten,

die Wärme in neuen Gewohnheiten.

Und wenn man zurückblickt

und nicht schwer wird dabei,

dann war es ein gutes Jahr –

weil wir es gemeinsam

getragen haben.“