20. Juli 2025 Sonnig Sommer 3 min

Ein Sonntag voller Nichts

Ein Sonntag voller Nichts

Der langsame Anfang eines langsamen Tages

Der Sonntag begann, wie es sich für einen echten, respektablen Sonntag im Juli gehört: sehr langsam.

In der Küche klapperte Kroko mit Tassen. Nicht, weil er aktiv war, sondern weil er sich nicht entscheiden konnte, ob er Tee oder Kaffee wollte.

Der Hai las – natürlich – seine Liste vom Vortag. Darauf stand:
„Sonntag: Ruhe. Nichts tun. Eventuell Pool. Keine Pläne.“

„Endlich mal eine Liste, die ich unterschreiben kann“, murmelte das Känguru und ließ sich mit einem leisen flopp auf den Küchenstuhl sinken.

„Du bist ja immer gegen Pläne“, sagte der Hai trocken.

„Heute bin ich für gar nichts.“


Vom Wert des Müßiggangs

Im Wohnzimmer saß Uschi mit einem Fächer und einem Teller Aprikosen. Mozart neben ihr, die Zeitung weit ausgebreitet, ein Glas kühlen Apfelwein zur Linken.

„Ein Sonntag ohne Ziel“, sagte Uschi sanft, „ist wie eine Wolke, die sich treiben lässt.“

„Und wie jede Wolke wird er vorbeiziehen, ohne dass man ihn festhalten kann“, ergänzte Mozart mit einem wohlwollenden Nicken.

Tigerlein kam dazu, das Notizbuch unterm Arm. „Ich dokumentiere heute, wie wenig wir tun. Für die Nachwelt.“

„Dafür müsstest du ja was tun“, warf Kroko ein.

„Ich kann sehr effizient nichts tun“, erwiderte Tigerlein.


Schatten, Wasser und leise Gespräche

Der Nachmittag zerfloss in Wärme und Ruhe. Einige lagen unter dem Apfelbaum, andere ließen die Füße im Pool baumeln.

Der Waschbär hatte eine Hängematte zwischen zwei Stühlen gespannt und bewegte sich nur, wenn es unbedingt nötig war – etwa, um einen kühlen Eistee zu erreichen.

Elise, der Saugroboter, war ausgeschaltet. Das Mähschaf ebenfalls. Niemand arbeitete. Niemand wollte etwas von irgendwem.

Man sprach über belanglose Dinge: die Schönheit von Eistee-Gläsern, das perfekte Verhältnis von Schatten zu Sonne, die Frage, warum das Brummen von Bienen beruhigender war als jede Meditations-App.


Das große Nichts wird gefeiert

Zum frühen Abend trug Kroko eine Schale mit kalter Gurkensuppe nach draußen. Niemand fragte nach Rezepten. Man löffelte. Man nickte zufrieden.

„Das ist der beste Sonntag seit langem“, meinte das Känguru.

„Du sagst das jeden Sonntag“, stellte der Hai fest.

„Dann stimmt es wohl.“

Mozart schmunzelte. „In einer Welt, die immer mehr will, ist es eine Kunst, das Nichts zu genießen.“


Ein Ende, das keins sein will

Als die Sonne langsam hinter dem Kirschbaum versank, saß man immer noch zusammen. Im Hintergrund lief leise Musik, der Apfelwein war inzwischen durch Limonade ersetzt, die Gespräche wurden langsamer, schweigsamer, zufriedener.

„Man müsste das konservieren können“, sagte Uschi.

„Gibt’s nicht in Flaschen“, sagte Kroko. „Gibt’s nur mit den richtigen Leuten.“

Der Hai klappte sein Notizbuch zu. „Erledigt: Ein perfekter Sonntag.“

Mozart lächelte. „Nicht jeder Tag muss Geschichte schreiben. Manchmal reicht es, wenn er bleibt.“

Der Abend blieb. Der Sonntag auch. Noch ein bisschen, ehe er sich in einen ebenso stillen Montag verwandelte.