25. September 2025 Bewölkt Herbst 4 min

Sonnenblumenruhe & Kürbisfreude

Sonnenblumenruhe & Kürbisfreude

1) Donnerstag mit gelben Nachbildern

Der Morgen roch nach feuchter Erde und einem Rest Sonnenwärme, die irgendwo zwischen Stängeln festhing. In der hinteren Gartenecke stand das Sonnenblumenbeet des Waschbären wie ein Chor nach dem Konzert – hoch, leer gesungen, würdevoll.

Meisen und Spatzen hatten bis gestern die letzten Kerne herausgepickt; heute zwitscherten sie nur noch „Danke“ vom Zaun. Raseline blinkte ein zufriedenes E, das Mähschaf brummte seine Runde im Respektsabstand.
Der Waschbär trat barfuß an die Beetkante, strich über einen rauen Stängel. „Ihr wart sehr groß“, sagte er. „Jetzt seid ihr still groß.“

Uschi kam mit einer Schüssel und strahlte: „Die Kürbisse, schau! Noch mal Schub!“ Unter breiten, sattgrünen Blättern wölbten sich orange Kugeln, als wollten sie den Herbst beschleunigen.

Der Hai tippte diskret ins Tablet: Sonnenblumen – Abschluss / Kürbisse – Pflege. Dann steckte er das Gerät weg. Heute war mehr Hand als App.


2) Abschiedswerkstatt am Beet

„Ritual, Version freundlich“, verkündete der Waschbär und legte sein Werkzeug aus: Gartenschere, Schnur, Handschuhe, ein kleiner Rechen und – fürs Herz – ein Stück Packpapier. Stinkerle erschien mit einer Klappsaäge. „Ich säge nur, was will.“

„Und ich koche Tee“, sagte Uschi. „Hojicha für Wärme, Sencha für Blick.“

Der weiße Tiger prüfte die Pfosten. „Diese beiden können über Winter stehen bleiben. Der Rest: raus, auf Bündel, ab an den Rand – wird gute Struktur für Vögel und Kompost.“

Der Waschbär schnitt die Köpfe ab, legte sie auf das Papier wie Medaillen. „Fürs Wohnzimmer, als Erinnerung?“ – „Zwei, drei trocknen“, nickte der Hai. „Der Rest darf Erde werden.“

Lara stellte das Mikro beiseite, schrieb nur: Donnerstag – Sonnenblumen in Pastell. Tigerlein fotografierte im Gegenlicht die gelben Fransen, die trotz leerer Teller immer noch Sonne aussahen.


3) Vögel, Fäden & freundliche Ordnung

Als die ersten Stängel fielen, hüpften die Spatzen näher. Eine Meise setzte sich frech auf Stinkerles Sägegriff, als wolle sie die Aufsicht übernehmen. „Regieassistenz gefiedert“, grinste der Waschbär.
Uschi band mit Juteschnur kleine Bündel, die sie an den Zaun lehnte. „Futterreste für später, falls noch was drin ist. Und Verstecke.“

Der Hai steckte Etiketten in den Boden: Sonnenblumenbeet – ruht, Kürbis – pflegt sich. (Schrift: Regelpoesie, Duft: keiner.)

Kroko brachte ein Brett mit Butterstullen, dünn Apfel drauf, eine Prise Salz. „Wer räumt, muss schmecken.“
Das Känguru kam mit Mütze und hielt mit einer Hand den Sack offen. „Mitwirkung im Stehen – funktioniert.“ Es steckte sich heimlich eine trockene Sonnenblumenschuppe ins Ohr. „Politik des Samens“, murmelte es, „Multiplikation im Frühling.“

„Genehmigt als Metapher“, sagte Odin, der leise dazugetreten war. „Wort nicht säen, Tat säen.“


4) Kürbisglück & kleine Lektionen

Zwischen zwei Bündeln beugte sich Uschi in die Kürbisreihe. Sie hob ein Blatt an – darunter lag ein orangefarbener Riese, glatt wie Emaille. „Der wird Suppe und Licht zugleich“, flüsterte sie.
Stinkerle prüfte die Stiele. „Noch fest. Wir geben ihnen Zeit, das Grün zu verholzen. Ich hab’ dir Markierungsbänder mitgebracht – minzduftfrei.“

Der Waschbär malte auf ein Holzschild KÜRBIS – später und hing es an den Pfosten. „Damit wir im Eifer nicht zu früh ernten.“

„Ich hör’ schon die Kerne knistern“, lächelte Kroko. „Aber Geduld macht Geschmack.“
Der Hai legte im Findbuch eine Karte an: Herbst – Abfolge: Sonnenblumen schließen, Kürbisse öffnen. Tigerlein sammelte drei besonders schöne, leere Sonnenblumenränder für die Druckwerkstatt „im Winter, wenn Papier Sonne braucht“.

Raseline blinkte E–E, das Mähschaf nickte in seiner Bahn, als verstünde es Beetschlaf. Die Küchenkatzen beobachteten vom Fenster: zwei Leuchttürme im Innenhafen.


5) Abend, der weich beschließt

Gegen Nachmittag war die Ecke ordentlich: Stängel gebündelt, Boden gelockert, zwei Pfosten als stille Erinnerung, die Kürbisse mit Platz und Versprechen. Der Wind trug den Duft von Erde in die Küche, wo Hojicha warm stand.

Sie setzten sich auf der Terrasse, blickten auf Beet und Kürbis. Elise parkte im Türrahmen, als markiere sie die Grenze zwischen Arbeit und Feierabend.

„Resümee“, sagte der Hai milde. „Zyklus sichtbar. Nichts verschwunden – nur verwandelt.“
Uschi legte die Hand auf den größten Kürbis. „Der Herbst ist großzügig.“

Der Waschbär stellte zwei getrocknete Sonnenblumenscheiben neben die Bankerlampe – später fürs Wohnzimmer. „Damit die Sonne drinnen weiter ist.“

Mozart schlug sein Notizbuch auf und las den Satz des Tages, der klang, als sei er aus Stängel und Suppe gemischt:

Was aufhört, wird Material.

Was wächst, wird Maß.

Zwischen beiden geht die Hand

und nennt es: Garten.

Der Freitonast machte ein spätes ding, Raseline blinkte E, das Mähschaf zog die Abendkurve. Die Gartenecke atmete wie ein zugeklapptes Kapitel – und die Kürbisse blieben offen, mit Lust auf eine nächste Geschichte.