14. September 2025 Sonnig Herbst 5 min

Sonntagsbraten & Badewanne

Sonntagsbraten & Badewanne

1) Vormittag: Die Küche als Kommandobrücke

Der Sonntag roch nach Ofenwärme, nach Zwiebel und Pfeffer. Kroko stand breitbeinig vor dem Bräter, die Pfote auf dem Löffel wie ein Kapitän am Ruder. „Mise en place, dann Gefühl“, brummte er, ritzte die Schwartenseite wie ein Notenblatt und massierte Gewürz hinein.

Uschi legte auf dem Tisch eine Gemüsekarta aus: Karotten, Lauch, Sellerie, ein Kopf Rotkohl, grüne Bohnen und ein paar kleine Pastinaken – „für Tiefe“, sagte sie und steckte sich die Blume zurecht.

Der Hai erschien mit Tablet statt Klemmbrett. „Bratenordnung – freundlich: 11:20 anbraten, 11:35 in den Ofen, 12:40 wenden, 13:10 Glasur, 13:30 Ruhephase, 13:45 Tisch.“

Stinkerle schob ein Ofenthermometer hinein, prüfte Luftzug, montierte eine winzige Fettschutzlippe – „damit der Ofen nicht singt, wenn er schreien will“.

Draußen bog das Mähschaf die Morgenkurve, Raseline blinkte ein zufriedenes E. Die Küchenkatzen besetzten die Fensterbank – links der Tiger, rechts der Leopard – und schnurrten den Raum auf Betriebstemperatur. Elise zog leise Kreise um die Stuhlbeine: Krümel werden später sein, versprach ihr Ton.


2) Klöße & Gemüch: Handarbeit und Haltung

„Kartoffelklöße oder Semmelknödel?“, fragte der Waschbär, der schon Brotwürfel in Butter röstete.

„Beides“, entschied Uschi. „Der Sonntag hat breite Schultern.“ Sie rührte Milch, Eier, Petersilie zusammen; der Waschbär würzte die Brotwürfel wie Konfetti.

Das Känguru kam mit erhobener Kochkelle aus der Hängemattennähe. „Ich bin heute für die Solidaritätsportionen zuständig. Gleiche Rechte für große und kleine Knödel!“

„Gleiche Garzeit auch“, mahnte Kroko. „Form in Würde, nicht in Eile.“

Lara stellte das Radio auf eine warme Begleitung. „Haus & Herd – Sonntagsbraten live“, flüsterte sie, nahm aber den Regler zurück. „Wir hören heute mehr zu, als wir senden.“

Uschi blätterte den Rotkohl auf, ließ Apfelstückchen hinein und eine Spur Nelke – der Duft rückte die Stühle näher zusammen. Der weiße Tiger prüfte die Topfdeckel, nickte knapp: „Druck ist gut, aber kein Zwang.“

Der Hai setzte einen Marker im Tablet: Klöße: Probeexemplar – schwimmt. Tigerlein filmte die Blase, die an die Oberfläche stieg wie ein „Ja“.


3) Bräter, der spricht

Kroko goss den Sud an, der Bräter antwortete mit einem tiefen schhh. „Musik“, sagte Mozart und setzte sich mit Notizbuch an die Ecke. „Sonntag hat Bass.“

Odin kam aus dem Erdgeschoss, zog den Ofen kurz auf. „Früher“, murmelte er, „war der Gang zum Bäcker mit dem Bräter eine Prozession. Heute bleibt der Duft zu Hause – auch gut.“

„Glasur in drei Phasen“, sagte Kroko: Honig, Senf, ein Hauch Essig. „Kein Kitsch, nur Glanz.“ Er strich die Oberfläche, die Schwarte funkelte in Bräune.

„Timing-Update“, meldete der Hai, „Tisch 13:50. Begründung: Gemüseseite komplexer als geplant.“

„Komplex, aber freundlich“, antwortete Uschi und hob die Bohnen aus dem Eiswasser. „Schnappig, nicht streng.“
Stinkerle schob den Bräter für die letzte Runde ein, stellte den Freitonast auf stumm, damit niemand zu früh ding machte. Die Katzen schauten jetzt enger: Wenn Braten ruht, dürfen Blicke arbeiten.


4) Teller, die Geschichten tragen

Der Tisch auf der Terrasse war gedeckt: Teller, die wie kleine Bühnen aussahen, ein Kranz aus den schönsten Blättern, die Uschi gestern gerettet hatte. Klöße dampften in einer Schüssel, der Rotkohl funkelte violett, die Bohnen lagen wie Kommas neben dem Satz.

„Anrichtung: Subjekt Braten, Prädikat Soße, Objekte vielfältig“, dozierte der Hai halb im Scherz.

Sie aßen, und der Sonntag wurde sehr still auf die gute Art.

Geschichten lösten sich:

  • Das Känguru bekannte, wie es einmal Klöße heimlich größer rollte, „weil die Welt zu klein schien“.
  • Lara erinnerte eine Radiomoderatorin, die sagte: „Das Mikro schmeckt nach Soße, wenn man nah genug dran ist.“
  • Odin erzählte vom sonntäglichen Gang über Kopfsteinpflaster, Bräter im Arm, und wie die Türen sich schon öffneten, weil der Duft voranging.
  • Mozart schrieb: „Ein Teller kann Vorrat an Wärme sein.“

Das Mähschaf parkte, Raseline blinkte E in langen Takten. Elise stand unter dem Tisch und träumte von Krümeln, die es noch gar nicht gab. Die Küchenkatzen schlossen die Augen, als lauschten sie einer unsichtbaren Stimmgabel.


5) Nachmittagskühle & Uschis Bad

Als die Sonne tiefer rutschte, wurde die Luft kühler, der Garten bekam diesen leichten Silberrand. Uschi sammelte die Schüsseln, wischte den Tisch mit der Handfläche, als streiche sie dem Tag durchs Fell. „Ich nehme mir jetzt die Wanne“, sagte sie und lächelte müde-glücklich.

Im Bad roch es nach Emaille, Lavendel und ein wenig nach Rotkohl (nur in der Erinnerung). Das Wasser rauschte, die Oberfläche wurde zu einer warmen Decke. Uschi tauchte ein, legte die Blume neben die Seife und schloss die Augen. „Sonntag erfüllt“, flüsterte sie.

Im Wohnzimmer schaltete Mozart die Bankerlampe an, der Hai räumte still die letzten Teller, Kroko spülte die großen Teile, die nur er versteht. Tigerlein beschriftete die Audiodatei Sonntagsbraten_25-09_warm.wav, sendete sie aber nicht – Archiv ist auch Zärtlichkeit.

Als Uschi später mit rosa Wangen zurückkam, stand eine Tasse Tee auf sie wartend bereit. Keiner sagte, wer sie hingestellt hatte.

Mozart las den Satz des Tages:

Ein Braten nährt den Körper,

eine Badewanne die Woche,

und dazwischen hält eine Küche

das Herz in Arbeit.

Draußen machte der Freitonast ein spätes ding, das Mähschaf zog die Abendkurve, Raseline blinkte E. Der Sonntag legte sich zusammen, warm und ordentlich – bereit, morgen wieder aufgeklappt zu werden.