Ein Beet für neue Anfänge
„Ostern war wunderschön“, sagte Uschi und klopfte mit ihrer Pfote vorsichtig auf den frischen Gartenboden. „Aber jetzt will ich etwas pflanzen.“
Mozart, der gerade Tee auf der Gartenbank trank, nickte. „Ein Neuanfang nach dem Fest. Sehr symbolisch.“
„Ich will Karotten“, erklärte Uschi. „Frisch, knackig, gesund. Und hübsch!“
Sie holte kleine bunte Holzschildchen, verteilte Blumenerde aus einem Sack mit der Aufschrift "Gärtnerfreude – für feine Pfoten", setzte die Samen mit Gefühl und Liebe und goss sie mit einer Kanne, die sie zärtlich „Rosalie“ nannte.
„Ein Karottenbeet. Mein erstes richtig eigenes.“
Der schleichende Verlust
Doch schon drei Tage später:
„Seltsam. Ich hatte doch sieben Keimlinge … jetzt sind’s nur fünf.“
Der Hai war als Erster zur Stelle. „Ich kann eine Kamera aufstellen. Bewegungserkennung. Zeitstempel. Komplette Protokollierung.“
Uschi schüttelte den Kopf. „Ich will keine Technik. Ich will Vertrauen.“
Doch am nächsten Tag fehlte wieder ein Pflänzchen. Und eine kleine Möhrenspitze lag halb abgeknabbert auf dem Rindenmulch.
„Ich habe einen Verdacht“, flüsterte Uschi. „Und ich hoffe, ich irre mich.“
Sie sah Richtung Wohnzimmer.
Dorthin, wo der Waschbär gerade mit glitzernden Pfoten ein Eierbild aufhängte.
Die nächtliche Ermittlung der Küchenkatzen
Die beiden Küchenkatzen, der Tiger und der Leopard, hatten alles mitgehört.
„Uschi hat Recht. Das war kein Wind. Das war ein Dieb.“, sagte der Küchen-Tiger.
„Vielleicht der Waschbär?“, fragte der Leopard.
„Möglich. Aber zu plump. Der macht sich doch lieber die Pfoten bunt als dreckig.“
Sie schlichen sich in der Nacht raus. Mit Stirnlampen (gebaut aus Fahrradlichtern), Nachtsichtbrillen (von Stinkerle), und einem Block für Notizen.
Um exakt 02:13 Uhr: Rascheln.
Die beiden hielten den Atem an.
Und dann – tauchte er auf.
Ein kleiner Schatten mit Hasenohren, rosa Latzhose, und einem Schnurrbart aus Lakritz.
„Was zum …“, begann der Tiger.
„Ist das …?“
„Das Känguru?!“
Konfrontation im Morgengrauen
Am nächsten Morgen hüpft das Känguru an Uschi vorbei.
In den Pfoten: ein kleiner Korb mit fünf jungen Karottenpflänzchen.
„Du … warst’s?“, fragte Uschi.
„Ja. Aber ich hab sie nicht gegessen. Ich … ich wollte sie in mein eigenes Beet umpflanzen. Ich dachte, du hast genug.“
Stille.
„Und die Hasenohren?“
„Künstlerische Freiheit. Es war ja Ostern.“
Der Leopard rollte mit den Augen.
„Du hättest doch einfach fragen können“, sagte Uschi.
Das Känguru senkte die Ohren. „Ich dachte … ich bring dir später Karottenschnaps zum Ausgleich.“
„Nächstes Mal – mach einfach mit. Neben meinem Beet ist Platz für deins.“
Ein Abschluss voller Erde und Lachen
Am Nachmittag bauten Uschi und das Känguru gemeinsam ein neues Beet.
Der Hai brachte kleine Schildchen mit Namen wie Karotte Alpha, Karotte Beta und Karotte Deluxe und führte Buch, wem welche Karotte gehört.
Der Waschbär bemalte jeden Pflanzstab mit Glitzerpunkten.
Mozart las ein Kapitel aus einem alten Gartenbuch über „pflanzenbasierte Lebensfreude“.
Und die Küchenkatzen ruhten sich zufrieden in der Sonne aus.
„War eine gute Nacht“, schnurrte der Leopard.
„Besser als jede Oster-Eiersuche“, sagte der Tiger.
Ein sanftes Ende
Als die Sonne unterging, standen im Garten nun zwei Beete – nebeneinander, frisch bepflanzt, mit kleinen Gießkannen am Rand.
Uschi lächelte. „Mein erstes Beet … wurde fast gestohlen. Und dann verdoppelt.“
„Ostern halt“, sagte das Känguru. „Man gibt, man nimmt, und am Ende hat man mehr als vorher.“
Die Tiere lachten.
Und ein letzter, kleiner Schokoladenhase, vergessen hinter einem Stein, schmolz zufrieden vor sich hin.