28. Dezember 2025 Schnee Neujahr 7 min

Uschi und der Sonntag, der „Danke“ sagt

Uschi und der Sonntag, der „Danke“ sagt

1) Der Morgen: Man merkt plötzlich, wer immer schon da war

Der Sonntag begann still. Nicht „müde“, sondern weich – wie die Zeit zwischen den Jahren eben ist. Draußen lag der Schnee ruhig im Garten, und der Flanellweg sah aus, als würde er noch schlafen. Drinnen knisterte der Kamin leise, und der Weihnachtsbaum leuchtete, als hätte er beschlossen, auch nach Weihnachten noch freundlich zu bleiben.

Uschi war trotzdem früh in der Küche. Nicht, weil sie musste – weil sie es einfach tat. Sie stellte Tee bereit, räumte ein paar Sachen weg, die vom Vortag übrig waren, und summte so leise, dass man es eher fühlte als hörte.

Der Hai kam dazu, sah sie, sah die Teetassen – und hielt kurz inne.
„Uschi“, sagte er, ungewohnt langsam, „du bist… konstant.“
Uschi lachte. „Ich bin müde.“
„Beides kann stimmen“, murmelte Mozart vom Wohnzimmer aus.

Waschbär setzte sich an den Küchentisch, noch mit zerzausten Ohren, und starrte Uschi an, als würde er sie gerade neu sehen.
„Du hast… alles gemacht“, sagte er schließlich.
„Ach“, sagte Uschi und winkte ab. „Wir machen doch alle.“
„Nein“, sagte Waschbär ernst. „Du machst dieses ‚wir‘.“

Das Känguru in der Hängematte murmelte: „Reproduktionsarbeit wird systematisch unterschätzt.“
Der Hai nickte plötzlich. „Das ist… korrekt.“
Und irgendwo in diesem Moment war klar: Heute wird nicht geplant. Heute wird gedankt.


2) Mittagsessen: Gemüse als Liebeserklärung

Kroko übernahm die Küche, bevor Uschi wieder automatisch „ich mach schnell“ sagen konnte. Er stellte sich vor den Kühlschrank wie ein Türsteher.
„Heute nicht“, brummte er. „Heute sitzt du.“

Uschi protestierte halbherzig, weil sie nicht anders konnte. „Aber ich kann doch wenigstens—“
„Du kannst wenigstens essen“, sagte Kroko.

Der Hai legte ein Klemmbrett zur Seite, als wäre das ein offizieller Akt. Stinkerle räumte ungefragt die Arbeitsfläche frei. Die Küchenkatzen saßen auf ihrer Fensterbank, schnurrten synchron und rückten ein kleines Schälchen so zurecht, dass es „richtig“ stand – ihr stiller Beitrag zur Feierlichkeit.

Zum Mittag gab es genau das, was Uschi liebte: viel Gemüse, frisch, bunt, mit Salat, knusprigen Croutons, gerösteten Nüssen und einem Dressing, das Kroko „aus Versehen“ perfekt hinbekam. Dazu gab es warmes Brot – aber nicht zu viel – und eine große Schüssel mit Ofengemüse, das nach Kräutern roch und nach dem Gefühl, wieder im Körper anzukommen.

„Das ist wie… zurück in Balance“, seufzte Uschi, als sie die erste Gabel nahm.
„Das ist die Gegenoffensive gegen Plätzchen“, sagte Waschbär.
„Plätzchen sind nicht der Feind“, sagte Mozart mild. „Aber Maß ist ein Freund.“
Das Känguru hob seine Gabel. „Ich erkläre dieses Mittagessen zur politischen Maßnahme.“
„Du erklärst alles zur politischen Maßnahme“, brummte Kroko. „Iss.“

Und Uschi aß. Und diesmal aß sie ohne nebenbei aufzustehen.


3) Dankbarkeit in kleinen Sätzen: nichts Großes, aber echt

Nach dem Essen saßen sie noch am Tisch, und die Gespräche waren anders als sonst: weniger über Projekte, mehr über Dinge, die man selten ausspricht.

Tigerlein holte sein Mikrofon nicht, um zu dokumentieren, sondern um – wie er sagte – „den Moment nicht zu stören“. Lara ließ im Hintergrund eine ruhige Melodie laufen, die klang wie ein langsames Nicken.

„Weißt du“, sagte Stinkerle und schob Uschi eine Tasse Tee hin, „du hast mir dieses Jahr so oft den Rücken freigehalten. Wenn ich irgendwo mit Werkzeug stand und das Haus aussah wie… naja…“
„Wie Stinkerle“, ergänzte Waschbär.
Stinkerle grinste. „…dann hast du nie geschimpft. Du hast nur gefragt, ob es minzfrei ist.“
Uschi lachte. „Weil ich gelernt habe.“

Der Hai räusperte sich, als würde er eine Rede beginnen. Dann sagte er nur:
„Du machst aus Chaos einen Haushalt. Das ist… beeindruckend.“
Uschi wurde kurz still. „Danke“, sagte sie leise.

Odin stand am Fenster, sah hinaus, und sagte ohne Pathos:
„Ohne dich würde das Haus funktionieren. Aber es würde nicht fühlen.“

Das traf alle. Auch Uschi. Man sah, wie sie kurz schluckte, dann lächelte und schnell etwas mit den Händen machte, als müsste sie sich beschäftigen, um nicht zu sentimental zu werden.

Mozart sagte später ruhig: „Man erkennt die guten Seelen daran, dass sie immer glauben, sie hätten nicht viel getan.“
Uschi schüttelte den Kopf. „Ihr macht mich verlegen.“
„Gut“, sagte Kroko. „Das ist unser Ziel.“


4) Sonnenuntergang und Bad: das volle Ambiente

Am Nachmittag wurde das Licht draußen golden. Die Sonne stand tief, und auf dem Schnee im Garten lag ein rosa Schimmer, als hätte der Winter kurz Geburtstag.

„Jetzt“, sagte Uschi, als sie aus dem Fenster sah, „wäre eigentlich ein Bad schön.“
„Wäre?“ sagte Waschbär. „Das wird.“

Stinkerle verschwand wie ein Bühnentechniker. Er schaltete das Ambiente an, das inzwischen legendär war: warmes Licht, sanftes Flackern, ein Hauch Kaminfeuer-Effekt – nur im Bad. Uschi bekam Kerzen, viele, aber sicher. Der Hai kontrollierte, dass nichts zu nah an Handtüchern stand, und tat so, als sei das keine Fürsorge, sondern Brandschutz.

Uschi ging ins Bad, und das Haus wurde automatisch leiser, als hätte es Respekt vor dem Ritual. Man hörte Wasser laufen, dann das zufriedene Seufzen, wenn jemand endlich wirklich loslässt.

„Sie verdient das“, sagte Lara leise aus dem Radio.
Tigerlein nickte, obwohl niemand ihn filmte.

Im Wohnzimmer legten sie währenddessen alles bereit: frischer Bademantel, Wärmflasche, Tee, ein kleines Schälchen Obst – nicht als Pflicht, sondern als Geste.

Elise fuhr einmal durch den Flur, als würde sie Wache halten.


5) Abend: Wärmflasche, Kamin und Afrika im Fernsehen

Als Uschi aus dem Bad kam, war sie ein anderes Nilpferd: weich, warm, ruhig, in ihrem Bademantel, mit leicht rosigen Wangen und dieser entspannten Langsamkeit, die man nur hat, wenn der Kopf endlich still wird.

Sie setzten sie quasi ins Sofa, als wäre sie heute Königin. Wärmflasche an die Füße, Decke drüber, Tee in Reichweite.

„Ich brauch doch nicht so viel…“, begann Uschi.
„Doch“, sagte der Hai. „Heute ist Ausnahmezustand. Positiv.“
„Ausnahmezustand ist mein Lieblingszustand“, murmelte Waschbär.

Kroko schaltete den Fernseher an. „Tierdoku“, sagte er. „Afrika.“
Uschi lächelte. „Oh… ja.“

Auf dem Bildschirm zogen Elefanten durch eine Savanne, und es war genau das richtige Tempo: groß, ruhig, würdevoll. Der Hai war erst skeptisch, dann fasziniert.
„Interessant“, sagte er. „Die Herdenstruktur…“
„Nein“, flüsterte Waschbär. „Heute keine Analyse. Heute nur staunen.“

Das Känguru kommentierte natürlich trotzdem: „Elefanten sind kommunistische Vorbilder.“
„Du bist unmöglich“, murmelte Uschi – aber sie lachte dabei so warm, dass es keiner als Kritik verstand.

Die Küchenkatzen lagen auf ihren Kissen vor dem Kamin, schnurrten wie ein Metronom für Gemütlichkeit. Odin saß still im Sessel, das Sternen-Amulett unauffällig in der Pfote, und sah in die Flammen, als würde er die Szene abspeichern. Der weiße Tiger aus dem Büro war auch da, halb im Schatten, aber präsent – und man merkte: Auch er fand diesen Abend „richtig“.


6) Mozarts Satz des Tages

Als die Doku leiser wurde und draußen der Schnee blau im Nachtlicht lag, lehnte sich Uschi zurück und sagte nur: „Danke.“
Es war klein. Aber es füllte den Raum.

Mozart sah zu ihr, dann in die Runde, und sprach seinen Satz des Tages – sanft wie ein Schlusslicht:

„Manche tragen ein Haus

nicht mit Balken und Plänen,

sondern mit Tee, Geduld

und einem Blick, der sagt:

‚Du darfst hier weich sein.‘

Und wenn wir dafür danken,

wird es im Winter

ein bisschen heller –

auch ohne Sonne.“