Ein Wort, ein Seufzer, ein Feiertagskommentar
„Fenstertag“, sagte das Känguru bedeutungsvoll und nippte an seiner übriggebliebenen Apfelschorle.
„Brückentag“, korrigierte der Hai beiläufig und sortierte seinen neuen DIN-A4-Ablagekorb nach Farben.
„Fenstertag klingt viel poetischer. Ein Tag, der zwischen Feiertag und Wochenende durchs Fenster fällt. Mit offenen Vorhängen und ohne Verpflichtung.“
„Mit geschlossenen Gartentoren“, murmelte Lara, die am Radio saß und ihre Lieblingssendung über Naturgeräusche hörte.
„Wo ist eigentlich das Mähschaf?“, fragte Uschi aus der Küche, wo sie gerade Zitronenjoghurt mit Honig verrührte.
Stille.
Sehr still.
Zu still.
Alarmstufe Beet
„Es war um halb zehn noch da“, sagte Waschbär, der sich eigentlich auf einen Tag mit Aquarellmalerei gefreut hatte.
„Und ich hörte es auch noch um zehn“, ergänzte Mozart, der mit einem Buch am Fenster saß.
„Jetzt hör ich nix mehr“, bemerkte Stinkerle, der prompt durchs Wohnzimmerfenster linste – und dann blass wurde.
„OH NEIN!“
Alle liefen zusammen. Draußen: gähnende Leere auf dem Rasen.
Und ein aufgebogener Zaun.
„Es… hat sich durchgebissen?“ – der Hai wirkte erschüttert.
„Das ist Sabotage“, murmelte er.
„Das ist Freiheit!“, jubelte das Känguru.
Beet in Gefahr
Im Nachbargarten mähte das Mähschaf – systematisch, brummend, stolz.
Zunächst den Rasen. Dann die frisch gesetzten Ringelblumen. Schließlich zielte es auf das Hochbeet mit Mangold und Minze.
„Das ist nicht unser Grundstück!“, flüsterte Uschi panisch.
„Das ist Völkerrechtsbruch!“, rief der Hai.
„Das ist mutig“, befand das Känguru.
„Das ist gefährlich“, stellte Kroko fest, der genau wusste, wie nachbarschaftliche Verhältnisse enden können, wenn Gemüse im Spiel ist.
Operation Rückholung
„Ich geh rein und sprech es an“, bot Waschbär an – bewaffnet mit einer Banane und einem Handstaubsauger (man weiß ja nie).
„Ich lenke es mit der Rasensprenger-App ab“, sagte Stinkerle.
„Ich notiere den Vorfall“, sagte der Hai und zückte seinen Notizblock.
„Ich komm mit“, sagte Lara. „Mit meinem Flötenlied.“
Zehn Minuten später stand die gesamte Tiergruppe wie ein Suchtrupp am Zaun.
Kroko hielt ein Apfelstück in der Hand.
Uschi wedelte mit einem Halstuch.
Mozart blätterte im Lexikon unter „Rasenflucht“.
Das Mähschaf sah sie, summte laut – und fuhr einfach weiter.
Die Rückkehr
Erst nach einem improvisierten Chor aus Summgesang, Rasensprenger-Duft und einer exakt im 90°-Winkel aufgestellten Gartenschüssel mit Haferflocken wendete das Mähschaf.
Langsam. Würdevoll.
Zurück durch den Zaun.
Ein kleiner Plastiksplitter im Maul.
Ein Blick, der sagte: „Ich war frei. Es war schön.“
„Hausarrest für heute“, sagte der Hai.
„Heldentat des Alltags“, sagte das Känguru.
Fenstertaglich versöhnt
Am Abend saßen alle wieder im Wohnzimmer.
Müde, aber erleichtert.
„Fenstertag“, flüsterte das Känguru wieder.
„Ein Tag mit offenem Ausgang.“
„Ein Tag mit Zaunkontrolle“, seufzte der Hai.
„Ein Tag, der zeigt: Auch Rasenmäher brauchen Abenteuer“, sagte Mozart.
Alle nickten.
Und als das Mähschaf auf seinem Platz einschlief, die letzte Ringelblume gerettet war und der Himmel sich rosa färbte, war es – trotz allem – doch ein wunderschöner Brückentag.