24. Juli 2025 Sonnig Sommer 4 min

Das Mähschaf und der verlorene Donnerstag

Das Mähschaf und der verlorene Donnerstag

Ein ganz normaler Donnerstag – fast

Der Donnerstag begann, wie Donnerstage nun mal beginnen: Mit einem Brummen im Garten.
Das Mähschaf war unterwegs.

Brummend, surrend, tapfer zog es seine gewohnten Bahnen über das Gras, ganz nach seinem inneren Plan, der irgendwo zwischen moderner Technik und altersmüder Willkür pendelte.

Doch an diesem Donnerstag geschah etwas. Etwas, das keinem sofort auffiel, aber am Ende große Wirkung haben sollte.

Das Mähschaf verfing sich. Nicht mechanisch, nein, sondern… gedanklich.
Vielleicht war es die Sonne. Vielleicht ein Marienkäfer, der im Weg saß. Vielleicht ein interner Fehler in der Navigation.

Jedenfalls begann das Mähschaf plötzlich, in Kreisen zu fahren. Große Kreise, dann kleine Kreise. Dann Schlaufen. Dann wieder Kreise. Und schließlich zog es eine lange, verschlungene Spur mitten durch das Herz des Gartens.


Der Hai entdeckt das Rätsel

„Das“, sagte der Hai, als er vom Frühstück kam, „ist nicht normgerecht.“

Er betrachtete die Spur, die sich wie ein Wirrwarr aus Linien und Schleifen über das sonst so akkurat gemähte Gras zog.

„Sieht aus wie eine Landkarte von Atlantis“, meinte das Känguru, das gerade seinen Eistee balancierte.

„Oder wie der Plan eines sehr verwirrten Architekten“, ergänzte der Waschbär.

„Vielleicht will uns das Mähschaf etwas sagen“, sagte Uschi.

„Oder es ist einfach Donnerstag“, brummte Kroko. „Donnerstage sind eigenwillig.“


Das große Missverständnis beginnt

Als Mozart hinzukam, betrachtete er lange die Spuren. Dann sprach er mit ernster Stimme: „Das ist ein Zeichen.“

„Ein Zeichen wofür?“, fragte Lara, die gerade mit einem Glas kalter Limonade aus der Küche kam.

Mozart nickte langsam. „Der Donnerstag ist verschwunden.“

Alle starrten ihn an.

„Schau dir die Linien an“, sagte Mozart. „Sie enden nirgends. Sie führen in sich selbst zurück. Ein ewiger Kreis. Keine Richtung. Kein Ziel. Kein… Tag.“

„Wir sind also gefangen?“, fragte der Waschbär.

„Im Niemandsland zwischen Mittwoch und Freitag?“, ergänzte das Känguru. „Das klingt fast romantisch.“


Der Versuch, den Tag zu retten

Der Hai zog sein Notizbuch hervor. „Ich muss den Zeitplan anpassen. Wenn der Donnerstag nicht mehr existiert, verschiebt sich das gesamte Wochengefüge. Die Listen…“

„…werden dich nicht retten“, murmelte Kroko.

„Vielleicht müssen wir das Mähschaf zurückverfolgen“, schlug Lara vor. „Seinen Spuren folgen. Um den Tag wiederzufinden.“

Also taten sie es. Sie gingen den Linien nach. Durch den Garten, um den Pool herum, an den Beeten vorbei, einmal sogar unter der Wäscheleine durch. Immer in Kreisen, Schleifen, in absurden Bögen.

Irgendwann saßen sie alle keuchend unter dem Apfelbaum.

„Vielleicht ist der Donnerstag wirklich weg“, sagte das Känguru. „Gefressen vom Mähschaf.“

„Oder wir sollten einfach akzeptieren, dass Zeit sich nicht immer logisch verhält“, meinte Uschi.

Mozart nickte. „Wie das Leben. Oder ein gutes Glas Wein.“


Der Donnerstag taucht wieder auf

Am späten Nachmittag begann das Mähschaf plötzlich, wieder ganz normal seine Bahnen zu ziehen. Gerade. Zielstrebig. Ordentlich.

Der Hai atmete erleichtert auf. „Der Donnerstag ist wiederhergestellt.“

„Vielleicht war er nie weg“, sagte Lara. „Vielleicht nur… verwirrt.“

„Wie das Mähschaf“, grinste der Waschbär.


Ein Abend zwischen Mittwoch und Freitag

Am Abend saßen sie zusammen im Garten. Der Rasen war gemäht, der Tag fast vorbei, der Himmel golden.

Mozart hob sein Glas. „Ob der Donnerstag verschwindet oder bleibt – entscheidend ist, was wir daraus machen.“

Uschi lächelte. „Zum Beispiel: einen schönen Tag im Garten. Mit Lavendelduft, kalter Limo und Freunden.“

„Und einem leicht verwirrten Mähschaf“, ergänzte Kroko.

Der Hai schrieb in sein Notizbuch:
„Donnerstag: wieder auffindbar. Kein Handlungsbedarf.“

Alle waren sich einig: So konnte der Tag enden. Und morgen würde bestimmt wieder Freitag sein.