Ein schaukelnder Mittwochmorgen
Die Sonne brannte bereits auf den Garten, als das Känguru seinen Lieblingsplatz einnahm: die bunt gestreifte Hängematte zwischen zwei Apfelbäumen.
Mit einer Schale Trauben, einer Flasche Eistee und einem alten Notizbuch bewaffnet, sah es aus wie der selbst ernannte Philosoph eines sehr entspannten Lebens.
„Heute ist ein Tag fürs Erzählen“, murmelte das Känguru. „Keine Arbeit, keine Pläne, nur Geschichten.“
Der Waschbär, der sich aus Langeweile auf den Poolrand gelegt hatte, hob neugierig den Kopf. „Geschichten? So richtige, mit Plot und allem?“
„Natürlich. Wer will zuhören?“
Das Publikum findet sich ein
Es dauerte nicht lange, bis sich eine kleine Gruppe im Schatten um die Hängematte sammelte.
Uschi setzte sich mit einer großen Schale Melonenstückchen daneben.
Lara kam aus der Küche, noch mit dem Radio im Ohr.
Tigerlein brachte sein Mikrofon mit („Das könnte eine Spezialfolge werden!“), und selbst der Hai, sonst skeptisch, blieb stehen – wenn auch mit verschränkten Armen.
„Dann fang mal an“, forderte Kroko, der sich eine Gartenbank herangeschoben hatte.
Die erste Geschichte: Das Känguru im Outback
Das Känguru begann mit einer Geschichte aus seiner „Jugend“ im fiktiven Outback:
„Da war dieser Sommer, so heiß, dass die Luft knisterte. Wir hatten nur einen alten Wasserkanister und einen Plan – den Plan, das größte Lagerfeuer zu machen, das es je gegeben hat…“
„Aber du bist aus Hessen“, warf der Hai trocken ein.
„Details, Details“, winkte das Känguru ab. „Jede gute Geschichte braucht Freiheit. Und ein bisschen Fantasie.“
Die Tiere lachten.
Von Hummeln und Helden
Die zweite Geschichte handelte von einer besonders mutigen Hummel, die angeblich das Lavendelfeld von Uschi vor einer „bösen Windböe“ gerettet hatte.
„Die Hummel hieß Brummhilde“, erklärte das Känguru mit ernster Miene. „Und sie war ein echter Profi.“
„Brummhilde?“, fragte Tigerlein, während er alles aufnahm.
„Ja, und wenn du jemals eine Hummel siehst, die dreimal um einen Apfelbaum fliegt, dann ist das ihre Art, Hallo zu sagen.“
Uschi gluckste. „Das muss ich beobachten.“
Die dritte Geschichte: Die Revolte der Flip-Flops
Zum Schluss erzählte das Känguru von einer legendären Revolte der Flip-Flops, die angeblich nachts durch das Haus marschiert und ein eigenes Königreich gegründet hätten.
„Die pinken Flip-Flops von Uschi waren natürlich die Anführerinnen“, erklärte es.
„Meine Flip-Flops sind wohlerzogen“, protestierte Uschi lachend.
„Nicht laut meinen Quellen“, grinste das Känguru. „Ich hab sie nachts gehört.“
Ein Abend voller Fantasie
Die Zeit verging, während das Känguru eine Geschichte nach der anderen aus seiner Hängematte zauberte. Es gab keine Logik, keine Regeln – nur Fantasie, Lachen und ein paar ungläubige Blicke des Hai.
„Manchmal“, sagte Mozart am Abend, „braucht man keine Bücher. Nur ein Känguru in einer Hängematte.“
Tigerlein beendete die Aufnahme. „Das wird eine Podcast-Folge, die keiner glaubt – aber alle hören wollen.“
Uschi reichte dem Känguru ein Glas Limonade. „Weißt du, du bist verrückt. Aber es macht den Mittwoch perfekt.“
Und das Känguru grinste breit.
„Perfekt ist, wenn man nicht weiß, ob man die Geschichten erzählt oder in ihnen lebt.“