16. Juni 2025 Sonnig Sommer 3 min

Der Hai und das DIN-Schuhdebakel

Der Hai und das DIN-Schuhdebakel

Morgens im Flur

Der Flur roch nach frischem Kaffee (dank Kroko) und dezent nach Gummi.
Der Hai kam wie jeden Morgen pünktlich um 9:00 Uhr vom Erdgeschoss hoch, den Notizblock in der Flosse, die Brille leicht gerichtet.

Er blieb abrupt stehen.

„Untragbar!“, murmelte er.

Rechts ein einzelner Gummistiefel, links zwei Flip-Flops (aber nicht zusammengehörend), ein Haufen Kinderschuhe (niemand wusste, wem sie gehörten), und mittendrin: ein Paar bunte Crocs, vermutlich vom Waschbär.

„Das ist… das ist ein wildes Schuhbiotop!“, empörte sich der Hai.


DIN 68874 – Der Hai entwirft ein Regalsystem

Nach einem energischen Kaffee bei Kroko (den dieser liebevoll mit „Haifischmilch“ servierte), kehrte der Hai mit Zollstock, Etikettendrucker und einem Ausdruck der DIN 68874-3, Abschnitt „Stellflächen im Eingangsbereich“, zurück.

„Wir brauchen Zonierung. Links: Straßenschuhe. Mitte: Hausschuhe. Unten: Gäste. Oben: Flip-Flops und Exoten.“

Er zog mit Seufzen ein neues Regal aus der Abstellkammer, das er seit Wochen „für den Fall des strukturellen Kollapses“ bereitgehalten hatte.

Waschbär kam neugierig vorbei.

„Machst du ein Museum auf?“
„Nein. Ich rette die Ordnung.“


Stinkerles Hilfe und die Klebe-Krise

Natürlich blieb es nicht bei Etiketten.

Stinkerle wurde gerufen, um die Fächer exakt im 90°-Winkel zu montieren.

Der Hai las laut aus der Anleitung vor, während Stinkerle bohrte.

„Bohrloch Ø5,5 mm, Tiefe 35 mm. Nicht 34. Nicht 36.“

Uschi kam vorbei, hielt ein Tablett mit Apfelstückchen hin.
„Ist das nicht ein bisschen viel Aufwand für ein Regal, mein Lieber?“

Der Hai schüttelte entschieden den Kopf.
„Ein geordneter Eingangsbereich ist das Aushängeschild jeder zivilisierten Wohngemeinschaft!“


Die Rebellion der Pantoffeln

Doch die Realität ließ sich nicht so leicht DINisieren.
Schon am Nachmittag lagen Mozarts schwere Hausschuhe in der Gästezone, Tigerleins Sneaker lehnten kunstvoll diagonal an der Wand („wegen der Ästhetik!“), und Kroko hatte seine Outdoor-Sandalen vor das ganze Regal gestellt – „die passen da halt nicht rein“.

Der Hai notierte still.
Dann druckte er neue Etiketten:

„Temporärer Sonderstandplatz – nur mittwochs“.

„Genehmigte ästhetische Abweichung“.

„Schuhgröße >43 – gesonderte Abstellzone“.


Ein Schuh, ein Wort

Am Abend war der Flur… nicht perfekt, aber beschriftet.
Der Hai setzte sich mit einem Hauch Zufriedenheit ins Wohnzimmer.
„Ordnung ist kein Zustand“, sagte er zu Mozart.
„Es ist ein Prozess.“

Mozart hob sein Glas Wasser.
„Und doch beginnt jede Reise mit dem ersten Schritt – selbst, wenn er in einem Croc passiert.“


Und so endete der Montag mit Etiketten auf Etiketten, einem Hauch Bürokratie und der sanften Erkenntnis, dass auch Ordnung ab und zu ein Auge zudrücken darf – solange sie weiß, wo sie es abgelegt hat.