30. Juni 2025 Sonnig Sommer 3 min

Der Wunsch nach Wasser

Der Wunsch nach Wasser

Ein Tropfen Wunsch

Es war ein ungewöhnlich warmer Juni-Montag.
Der Frühstückstisch im Garten glänzte in der Morgensonne.
Die Tiere saßen in buntem Halbkreis: Uschi in ihrem gelben Sonnenkleid, der Hai mit einer Liste auf dem Schoß, das Känguru barfuß (aus Prinzip), Mozart mit seinem „Sommer-Gedichtband“ von 1972, Lara mit einem Lavendeltee und Tigerlein, der versuchsweise ein Ansteckmikrofon trug.

Uschi legte die Gabel zur Seite, seufzte leise und sagte dann in die Runde:
„Also… dieser Sonntag gestern… das war so schön. Und ich dachte, wie herrlich wäre es, wenn wir im Garten ein bisschen Wasser hätten. Nur so ein kleiner Ort zum Planschen. Nichts Wildes. Etwas zum Füße-Reinhalten. Oder einfach nur… zum Glitzern.“

Einige Tiere sahen auf.
Stille.
Dann:

„Wasser?“, rief Waschbär, der gerade einen Wassermelonensaft einschenkte.
„Ich liebe Wasser! Ich kann Wellen machen mit meinem Bauch!“

Stinkerle nickte. „Und ich könnte ein paar alte Pumpen aus dem Keller holen. Oder eine Filtersystem-Skizze von 2019.“
„Die hat nie funktioniert“, murmelte der Hai.
„Aber sie war schön gezeichnet“, verteidigte sich Stinkerle.

Der Hai klappte seinen Frühstücksordner auf.
„Gut. Ich nehme das als offiziellen Projektantrag entgegen.“
Er zog ein kariertes Notizbuch hervor, blätterte, und sagte feierlich:
„Neues Vorhaben: Bau eines erfrischenden, gemeinschaftlichen Wasserbeckens im Garten. Standortanalyse folgt. Beteiligung aller Bewohner erwünscht. Sicherheitskonzept in Ausarbeitung.“

Er stand auf, griff zu Maßband und einem rot-weißen Absperrband („eigentlich für Elise gedacht“) und marschierte in Richtung Lavendelbeet.
„Zwischen dem Apfelbaum und der Gartenbank ist das natürlichste Gefälle. Da kann man arbeiten.“


Skizzen und Spaten

Noch vor dem Mittag stand der Hai mit einem Stift zwischen den Zähnen, eine selbst gezeichnete Karte vor sich auf dem Rasen, das Absperrband flatterte leicht im Wind.
Waschbär holte Schaufeln.
Stinkerle kramte eine Wasserwaage hervor und schrie beim Finden „Ah-haaa!“ so laut, dass Elise kurz gegen die Küchentür fuhr.

„Hier ist Schatten am Nachmittag“, murmelte Uschi, die ein Lavendelbündel trug.
„Und man sieht vom Beet aus den Sonnenuntergang…“
„Genehmigt“, sagte der Hai und markierte eine neue Ecke.


Podcast der Pfützen-Poeten

Währenddessen tigerte Tigerlein durch den Garten, mit einem Klemmbrett, Mikrofon und Stirnband.
„Ich arbeite an einer Spezialfolge: Namensfindung für das künftige Poolgebiet. Es soll klangvoll sein. Bildlich. Und Podcast-kompatibel.“

Er hielt Stinkerle das Mikro hin:

„Was wäre dein Lieblingsname für den Pool?“

Stinkerle überlegte.

„Der Blauschimmernde Bademaschinenpark.“

„Sehr… technisch“, notierte Tigerlein.

Mozart wurde gefragt und antwortete:
„Der Spiegel der Stille.“

Tigerlein nickte. „Literarisch wertvoll. Könnte klappen.“

Das Känguru wollte „Genossenschaftsgewässer“ vorschlagen, entschied sich dann aber für:
„Planschi Mewmew.“

„Warum das?“

„Weil es süß klingt. Und politisch neutral ist.“

Der Hai wollte zunächst nicht mitmachen, schlug dann aber vor:
„Becken Nr. 3 – DIN-konform mit 12,4 Quadratmetern und 68 cm Tiefe.“

„Emotionaler wird’s nicht?“, fragte Tigerlein.
„Doch: Pool A.“
Tigerlein seufzte.


Ein Anfang im Zeichen des Wassers

Am Abend waren die Markierungen gesetzt.
Die Tiere saßen wieder am Tisch, diesmal mit selbstgemachter Zitronenlimonade.
In der Mitte lag die erste Bauzeichnung, eingerahmt von Lavendelblüten.
Mozart las noch einmal leise den Namen vor, den er vorgeschlagen hatte:
„Der Spiegel der Stille.“
„Oder: Glitzerpfütze!“, rief Waschbär.

Uschi lächelte.
„Wie auch immer er heißen wird…
wenn wir dort gemeinsam sitzen können – mit nackten Pfoten im Wasser,
dann wird es der schönste Ort des Gartens.“

Der Hai klappte das Notizbuch zu.
„Baubeginn: Dienstag. 9:00 Uhr. Mit Helm, bitte.“