Ein Laut in der Nacht
„Ich weiß, was ich gehört habe“, sagte Mozart am Frühstückstisch und rührte mit ernster Miene in seinem Lindenblütentee.
„Ein Frosch?“, fragte Kroko. „Im Juni? Kann sein. Die mögen’s warm und feucht.“
„War’s vielleicht das Mähschaf beim Rückwärtsfahren?“, fragte das Känguru.
„Oder Elise mit dem neuen Update? Die klingt manchmal philosophisch.“
„Nein“, sagte Mozart ruhig.
„Das war kein Roboter. Es war ein Quak. So, wie es nur Frösche können.
Kurz. Würdevoll. Ein Echo aus der Zeit, als Sommer noch nach Teer und Minze roch.“
Der Garten als Opernkulisse
Mozart zog sich seine hellgraue Weste über und nahm sein kleines Notizbuch mit dem goldenen Einband.
„Ich werde ihn suchen.“
„Ihn?“, fragte der Hai.
„Oder es? Vielleicht war es nur ein Geräusch und kein Lebewesen.“
„Manchmal“, sagte Mozart, „sind die besten Dinge gerade deshalb da, weil man sie nicht sicher weiß.“
Er begann seine Runde durch den Garten.
Am Lavendel vorbei, entlang der Staudenbeete, hinter dem Kompost.
Er sprach mit leiser Stimme.
Nicht laut. Nur so, dass es ein Frosch vielleicht hören würde – falls er wollte.
Ein Zwischenstopp beim Mähschaf
„Brummst du manchmal im Quak-Ton?“, fragte Mozart höflich.
Das Mähschaf antwortete mit einem langen brrrr, fuhr einen Kreis und blieb dann wie nachdenklich stehen.
„Verstehe. Du bist eher der Jazz-Typ.“
Stinkerle kam gerade aus dem Schuppen.
„Wenn du willst, kann ich ein Amphibien-Lockrufgerät bauen.“
„Nein danke“, sagte Mozart.
„Ein Frosch, der gerufen werden muss, ist kein Frosch, den ich suche.“
Eine Entdeckung unter der Clematis
Am Nachmittag, als die Sonne hinter den Büschen stand und die Hitze sanft nachließ, entdeckte Mozart unter der Clematis eine kleine, grüne Tonfigur.
Ein Frosch. Handgetöpfert. Alt. Moos an der Unterseite.
Stumm – aber mit einem Gesichtsausdruck, der etwas wusste.
Mozart hob ihn vorsichtig hoch.
„Ah. Du bist’s also.“
Er setzte sich auf die Bank, legte den Frosch neben sich und schrieb in sein Notizbuch:
„Manche Dinge rufen uns, obwohl sie längst still geworden sind.“
Am Abend im Wohnzimmer
„Und?“, fragte das Känguru.
„Ich hab ihn gefunden“, sagte Mozart.
„Wirklich?“, fragte Tigerlein.
„Vielleicht“, antwortete Mozart und lächelte.
Er stellte die Tonfigur auf das kleine Bücherregal im Wohnzimmer.
Daneben ein Zettel mit der Aufschrift:
„Für alle, die zuhören können.“
Und so endete ein stiller Montag mit einem Gefühl von Nähe zu etwas, das nicht benannt werden muss.
Mozart schrieb später:
„Der Garten ist voller Stimmen. Manche brauchen kein Echo, nur offene Ohren.“