Ein seltsames Geräusch
Der Donnerstag nach Aschermittwoch war ein ruhiger Tag. Fast zu ruhig.
Das Haus wirkte… anders. Die bunten Dekorationen waren verschwunden, es gab keine Musik mehr, und das Känguru hatte seit dem Morgen nicht einmal „Kamelle!“ gerufen.
„Es fühlt sich komisch an“, murmelte der Waschbär, als er sich auf das Sofa warf.
„Es fühlt sich normal an“, korrigierte der Hai. „So wie vor Fasching.“
„Eben das ist ja das Problem!“, rief das Känguru. „Es ist zu normal! Ich schwöre, irgendwas fehlt!“
Mozart sah über seine Brille hinweg. „Vielleicht solltest du dich einfach wieder an den Alltag gewöhnen.“
„Aber was, wenn Fasching noch nicht ganz vorbei ist?“, flüsterte das Känguru geheimnisvoll.
Bevor jemand darauf antworten konnte, erklang ein leises Rascheln aus dem Flur.
Die Tiere hielten inne.
„Habt ihr das gehört?“, fragte Kroko.
„Vielleicht ein Luftzug?“, schlug Uschi vor.
„Oder…“, das Känguru beugte sich verschwörerisch nach vorne, „ein Faschingsgeist?“
Spuren im Konfetti
Neugierig folgten die Tiere dem Geräusch in den Flur.
Dort, mitten auf dem Teppich, lag eine kleine Spur aus… Konfetti.
„Moment mal“, sagte der Hai. „Wir haben doch alles aufgeräumt. Wo kommt das her?“
„Ich hab’s euch gesagt!“, rief das Känguru. „Der Fastnachtsgeist ist da!“
Der Waschbär betrachtete die Spur. „Oder… jemand hat sich nicht von Fasching verabschieden können.“
Die Tiere folgten den bunten Papierschnipseln bis in die Küche.
Und dort entdeckten sie die nächste Überraschung.
„Ähm…“, machte Kroko und deutete auf den Tisch.
Eine halb aufgegessene Krapfenhälfte lag dort – mit kleinen Bissspuren.
„Also ich war das nicht!“, rief das Känguru sofort.
„Ich auch nicht!“, sagte Uschi.
„Und ich schon gar nicht“, brummte Mozart.
„Dann haben wir hier…“, murmelte der Waschbär, „…einen närrischen Dieb!“
Dem Geist auf der Spur
Entschlossen nahmen die Tiere die Verfolgung auf.
Die nächste Spur führte sie zum Sofa, wo eine einzelne, winzige Feder lag.
„Eine Feder?“, fragte Uschi verwirrt.
„Das bedeutet…“, setzte das Känguru an.
Plötzlich erklang ein leises Hicks! aus der Ecke des Raumes.
Die Tiere hielten den Atem an.
Dann bewegte sich etwas in einem der Sofakissen.
„Da ist es!“, rief das Känguru.
Mit einem beherzten Sprung zog der Waschbär das Kissen beiseite – und heraus purzelte…
…ein kleiner, leicht verwirrter Vogel.
Das große Geheimnis
„Was zum…?!“, rief der Hai.
Der kleine Vogel – ein winziger, gelber Kanarienvogel – wackelte schlaftrunken mit den Flügeln und piepste leise.
„Wer bist du denn?“, fragte Uschi sanft.
Mozart betrachtete ihn nachdenklich. „Er muss durch das Fenster hereingekommen sein. Wahrscheinlich hat er sich vor dem Sturm gestern Nacht versteckt.“
„Dann… dann war er also der Fastnachtsgeist?“, fragte das Känguru enttäuscht.
„Ein sehr süßer Geist!“, lachte Uschi.
Der Waschbär kicherte. „Und scheinbar hatte er noch Hunger auf ein bisschen Fasching.“
Tatsächlich hatte der kleine Vogel ganz offensichtlich an dem übrig gebliebenen Krapfen genascht.
„Na gut“, sagte das Känguru seufzend. „Kein magischer Fastnachtsgeist. Aber immerhin ein würdiger letzter Faschingsbesucher!“
Die Tiere beschlossen, sich um den kleinen Gast zu kümmern.
Sie gaben ihm ein paar Körner und Wasser, während Mozart mit ihm sprach.
„Weißt du“, sagte er zum Vogel, „du hast uns daran erinnert, dass Fasching zwar vorbei ist, aber die Erinnerungen daran immer bleiben.“
Der Vogel zwitscherte.
„Ich nehme das als Zustimmung.“
Ein neuer Freund
Nachdem der kleine Vogel sich gestärkt hatte, öffnete Uschi vorsichtig das Fenster.
Der Kanarienvogel hüpfte an den Rand, blickte sich noch einmal um und zwitscherte ein letztes Mal, bevor er in den Himmel flog.
„Gute Reise, kleiner Fastnachtsgeist!“, rief das Känguru ihm hinterher.
Die Tiere sahen ihm nach, bis er verschwunden war.
„Und was lernen wir daraus?“, fragte der Hai.
Das Känguru überlegte. „Dass Fasching immer irgendwie weiterlebt!“
„Oder dass man seine Krapfen besser wegräumen sollte“, meinte der Waschbär trocken.
Die Tiere lachten – und waren sich einig: Auch wenn die närrische Zeit vorbei war, würde das bunte Chaos in ihren Herzen immer bleiben.