20. September 2026 Bewölkt Herbst 6 min

Krokos Sonntagsbraten und ein sehr nötiger Duschgang

Krokos Sonntagsbraten und ein sehr nötiger Duschgang

1) Ein Sonntag für Schmorgerichte

Der Sonntagmorgen war kühl.

Nicht unangenehm.

Aber eindeutig kühl genug, dass niemand lange überlegte, ob die Terrassentür offenbleiben sollte.

Kroko stand in der Küche.

Vor ihm lag ein schönes Stück Fleisch von Metzger Wolf.

Daneben Zwiebeln, Karotten, Sellerie, Kräuter und ein Rest Rotwein vom Vorabend.

Er sah alles an.

„Braten.“

Uschi kam herein.

„Sonntagsbraten?“

Kroko nickte.

„Groß.“

Das war die richtige Antwort.

Der Hai erschien ebenfalls.

„Wie lange Schmorzeit?“

Kroko sah ihn an.

„Lange.“

„Ungefähr?“

„Bis gut.“

Der Hai seufzte.


2) Erst ordentlich anrösten

Kroko trocknete das Fleisch sorgfältig ab.

Dann kam es in den schweren Bräter.

Sofort zischte es.

Er ließ sich Zeit.

Keine hektischen Bewegungen.

Eine Seite.

Dann die nächste.

Dunkle Röstaromen.

Nicht verbrannt.

Genau richtig.

Stinkerle sah kurz herein.

„Sieht gut aus.“

Kroko nickte.

Dann kamen die Gemüsewürfel hinein.

Zwiebeln.

Karotten.

Sellerie.

Tomatenmark.

Alles wurde mitgeröstet.

Dann Rotwein.

Ein kräftiges Zischen.

Der Bratensatz löste sich.

Der Duft zog sofort durchs Haus.

Waschbär kam angerannt.

„Was passiert?“

„Sonntag“, sagte Kroko.


3) Die Sauce bekommt Tiefe

Kroko goss Brühe dazu.

Dann ein wenig von der Demi-glace vom Vortag.

Der Hai, der zufällig noch immer da war, nickte anerkennend.

„Das ist jetzt effizient.“

Kroko sah ihn an.

„Das ist jetzt gut.“

Thymian.

Lorbeer.

Ein wenig Rosmarin.

Knoblauch.

Dann Deckel drauf.

Der Bräter kam in den Ofen.

„Und jetzt?“, fragte Waschbär.

„Warten.“

„Wie lange?“

„Lange.“

Der Hai wollte erneut nachfragen.

Stinkerle legte ihm eine Pfote auf die Schulter.

„Lass es.“


4) Das Haus riecht nach Sonntag

Schon gegen Mittag roch das ganze Erdgeschoss nach Braten.

Warm.

Kräftig.

Würzig.

Dunkle Sauce.

Geröstetes Gemüse.

Kräuter.

Das Känguru kam herein.

„Dieser Geruch ist ausgesprochen bürgerlich.“

Kroko sah es an.

„Willst du was?“

„Selbstverständlich.“

„Dann ruhig.“

Das Känguru nickte.

„Die materielle Basis überzeugt.“

Der weiße Tiger kam aus dem Büro.

„Das riecht außergewöhnlich überzeugend.“

Kroko wirkte zufrieden.

Sehr.


5) Kartoffelpüree und Gemüse warten noch

Am frühen Nachmittag bereitete Kroko bereits den Rest vor.

Kartoffeln wurden geschält.

Karotten geputzt.

Ein paar grüne Bohnen bereitgestellt.

Lara fragte:

„Machst du das alles jetzt schon?“

„Vorbereiten.“

„Und später nur noch fertig?“

„Ja.“

Das Fleisch schmorte langsam weiter.

Die Sauce reduzierte.

Kroko musste nur gelegentlich kontrollieren.

Eigentlich war jetzt die ruhige Phase.

Eigentlich.


6) Uschi riecht etwas

Uschi kam mit ihrem Bademantel unter dem Arm die Treppe herunter.

Sie wollte Tee holen.

Dann blieb sie neben Kroko stehen.

Und sah ihn an.

Kroko sah zurück.

„Was?“

Uschi trat einen kleinen Schritt näher.

„Kroko.“

„Was?“

„Wann hast du zuletzt geduscht?“

Kroko schwieg.

Uschi hob eine Augenbraue.

Er roch deutlich nach Küche.

Nach Rauch.

Nach Braten.

Nach Kräutern.

Nach Zwiebeln.

Nach Butter.

Und ein wenig nach den letzten drei Kochaktionen davor.

Waschbär kam vorbei.

Schnupperte.

„Er riecht lecker.“

Uschi sah ihn an.

„Das ist nicht der Punkt.“


7) Der Coccodrillo muss unter die Dusche

Kroko verschränkte die Arme.

„Ich koche.“

„Du hast Pause.“

„Braten.“

„Schmort.“

„Sauce.“

„Schmort auch.“

Kroko sah zum Ofen.

Uschi zeigte Richtung Bad.

„Dusche.“

Kroko brummte.

„Später.“

„Jetzt.“

Der Hai beobachtete das mit großer Aufmerksamkeit.

„Aus hygienischer Perspektive—“

Kroko drehte sich zu ihm.

„Nicht.“

Der Hai schwieg.

Lara grinste.

„Uschi gewinnt.“

Kroko sah in die Runde.

Niemand half ihm.

Also ging er.

Langsam.

Sehr widerwillig.

„Coccodrillo wird gewaschen“, sagte Waschbär.

Kroko brummte lauter.


8) Danach riecht Kroko wieder nach Kroko

Eine Weile später kam Kroko zurück.

Sauber.

Frisch.

Mit noch leicht feuchtem Fell.

Waschbär schnupperte erneut.

„Jetzt riechst du weniger nach Sauce.“

Kroko sah ihn an.

„Gut.“

Uschi nickte zufrieden.

„Sehr viel besser.“

Dann verschwand sie selbst im Bad.

Jetzt war sie dran.

Wasser einlaufen lassen.

Kerzen.

Badesalz.

Ein paar Tropfen ätherisches Öl.

Tür zu.

Der Rest des Hauses durfte sich um den Braten kümmern.

Oder besser gesagt:

Kroko durfte.


9) Uschis langer Badnachmittag

Im Bad war es warm.

Draußen war der Himmel grau und kühl.

Uschi lag in der Wanne.

Kerzenlicht spiegelte sich auf dem Wasser.

Leise Musik.

Tee am Rand.

Kein Waschbär.

Kein Schaumunfall.

Keine Küchenreibe.

Perfekt.

Lara klopfte irgendwann kurz an.

„Alles gut?“

„Sehr.“

„Braten riecht inzwischen durchs ganze Haus.“

Uschi lächelte.

„Dann komme ich später.“

Sie blieb noch.

Natürlich.


10) Kroko vollendet den Braten

Am späten Nachmittag holte Kroko den Bräter aus dem Ofen.

Das Fleisch war weich.

Nicht zerfallen.

Aber fast.

Die Sauce wurde durch ein Sieb gegeben.

Gemüse ausgedrückt.

Dann reduziert.

Noch etwas Demi-glace.

Ein kleines Stück kalte Butter zum Schluss.

Glänzend.

Dunkel.

Tief.

Kroko probierte.

„Ja.“

Das war alles.

Aber Stinkerle wusste:

Wenn Kroko „Ja“ sagte, war es sehr gut.


11) Kartoffelpüree wie es sein soll

Die Kartoffeln wurden weich gekocht.

Ausdampfen.

Dann durch die Presse.

Warme Milch.

Butter.

Muskat.

Salz.

Nicht zu viel rühren.

Kroko wollte kein klebriges Püree.

Waschbär kam wieder.

„Darf ich?“

Kroko gab ihm einen kleinen Löffel.

Waschbär probierte.

„Oh.“

Der Hai fragte:

„Gut?“

Waschbär nickte.

„Sehr Kartoffel.“

Kroko schüttelte den Kopf.


12) Gemüse und letzter Schliff

Die Karotten wurden leicht glasiert.

Die Bohnen blieben schön grün.

Ein wenig Butter.

Ein wenig Salz.

Sonst nicht viel.

Das Fleisch wurde aufgeschnitten.

Die Sauce darüber.

Kartoffelpüree daneben.

Gemüse.

Ein klassischer Teller.

Kein Experiment.

Keine Dekonstruktion.

Kein modernes Kunstwerk.

Einfach Sonntagsbraten.

Und genau deshalb perfekt.


13) Alle am großen Tisch

Am Abend saßen alle zusammen.

Uschi kam frisch und vollkommen entspannt aus dem Bad.

Im Bademantel noch kurz, dann zog sie sich um und kam zum Tisch.

Der weiße Tiger schenkte Rotwein ein.

Lara stellte den kleinen Herbststrauß vom Vortag wieder in die Mitte.

Odin nahm den ersten Bissen.

„Sehr gut.“

Der weiße Tiger:

„Außergewöhnlich überzeugend.“

Mozart nickte.

Das Känguru sagte:

„Das ist fast schon eine Institution.“

Kroko brummte zufrieden.

Waschbär zeigte auf ihn.

„Und frisch geduscht.“

Kroko sah ihn an.

„Essen.“


14) Ein richtiger Sonntag

Später waren die Teller fast leer.

Die Sauce vollständig verschwunden.

Vom Püree nur noch ein kleiner Rest.

Kroko lehnte sich zurück.

Sauber.

Zufrieden.

Satt.

Uschi ebenfalls.

Der Tag war kühl gewesen.

Ruhig.

Ein bisschen grau.

Aber im Haus hatte es nach Braten, Butter, Rotwein und Kerzen gerochen.

Genau richtig.

Mozart schrieb:

„Manche Sonntage brauchen nichts Neues.
Sie brauchen nur Zeit.

Zeit für Fleisch im Ofen,
für eine Sauce, die langsam dunkel wird,
für Kartoffeln, Butter und Gemüse
und manchmal auch für einen Koch,
der zwischendurch dringend unter die Dusche muss.

Während der Braten schmort,
darf Uschi im Kerzenlicht verschwinden,
Kroko wieder nach Kroko riechen
und das Haus langsam Abend werden.

Vielleicht ist ein guter Sonntag genau das:
Alles braucht länger als nötig –
und niemand möchte,
dass es schneller geht.“