16. Dezember 2025 Schnee Winter 5 min

Lara und Tigerlein im Weihnachtsmusik-Modus

Lara und Tigerlein im Weihnachtsmusik-Modus

1) Morgens: Das Radio klingt schon nach „gleich passiert was“

Der Dienstag begann mit einem ungewöhnlich klaren Geräusch: Lara räusperte sich ins Mikrofon. Nicht laut – eher so, wie Radiomenschen sich sammeln, bevor sie „Guten Morgen“ sagen, auch wenn niemand offiziell zuhört.

Tigerlein stand daneben mit Notizbuch und Kopfhörern, so konzentriert, als ginge es um eine Live-Sendung für ein ganzes Land. Dabei war es nur das Haus im Flanellweg.

„Heute“, sagte Lara leise, „machen wir Weihnachtsmusik.“

„Nur ein bisschen?“ fragte Uschi hoffnungsvoll.

Tigerlein schüttelte den Kopf. „Nicht ein bisschen. Voll.“

Der Hai kam mit dem Tablet rein. „Ist das geplant? Gibt es einen Sendeplan?“

Lara nickte feierlich. „Es gibt einen roten Faden.“

„Dann bin ich beruhigt“, sagte der Hai – und setzte sich trotzdem so, dass er jederzeit fliehen konnte.


2) Die große Frage: Klassiker oder jährliche Pflichtlieder?

Im Laufe des Vormittags wurde die Küche zur Schaltzentrale. Lara drehte am Radio, Tigerlein sortierte Listen: Klassiker, „Jedes-Jahr-Muss“, Instrumental, „bitte nur einmal“, „absolut nie“.

„Wir brauchen Balance“, sagte Lara. „Nicht nur Glocken. Auch Ruhe.“

„Und Tradition“, sagte Tigerlein. „Lieder, die man schon kennt, bevor sie anfangen.“

Das Känguru tauchte auf, hörte zehn Sekunden zu und hob dann skeptisch eine Augenbraue.

„Weihnachtsmusik ist kulturelle Hegemonie in Moll.“
„Das ist ein sehr langer Satz für jemanden, der gerade im Takt mitwippt“, sagte Waschbär grinsend.

Kroko brummte aus der Küche: „Wenn ihr ‚Last Christmas‘ spielt, grill ich im Schnee.“

„Das ist Erpressung“, sagte Lara.

„Das ist Selbstschutz“, sagte Kroko.

Uschi stellte Tee hin, als würde sie den Tag abpolstern. „Bitte nichts, was mich beim Plätzchenessen nervös macht.“
„Wir sind Profis“, sagte Tigerlein. „Wir kuratieren.“


3) Der erste Block: Musik wie eine Decke

Sie starteten mit sicheren Dingen. Lieder, die nach Kerzen riechen. Instrumentals, die nicht drängeln. Ein paar Klassiker, die das Haus sofort in „Advent“ verwandelten, auch wenn niemand ausdrücklich zustimmte.

Im Wohnzimmer saß Mozart im Sessel vor dem Kamin und hörte zu, als würde er jede Note in seine Adventsgedanken einsortieren. Der weiße Tiger aus dem Büro war kurz im Türrahmen zu sehen, blieb stehen, hörte, nickte minimal und verschwand wieder. Das war bei ihm ungefähr ein stehender Applaus.

Der Hai musste irgendwann zugeben: „Die Auswahl ist… angenehm.“
Lara lächelte. „Siehst du? Weihnachtsmusik kann auch Ordnung haben.“
Der Hai wurde rot (sofern ein Hai rot werden kann). „Ich sagte angenehm. Nicht romantisch.“

Tigerlein schob einen kleinen Jingle dazwischen – nur ein kurzer Ton, wie ein Stern, der blinkt und dann wieder still ist.
„Das ist unsere Sendung“, sagte er leise. „Flanellweg FM.“
Waschbär flüsterte: „Ich liebe es, wenn das Haus ein Konzept bekommt.“


4) Mittag: Der Streit um die Kitschgrenze

Natürlich hielt die Harmonie nicht den ganzen Tag. Irgendwann kam der Punkt, an dem Lara und Tigerlein die Pflichtlieder diskutierten.

„Es gehört dazu“, sagte Tigerlein und tippte auf seine Liste. „Mindestens eins davon. Sonst fehlt was.“
Lara schüttelte den Kopf. „Wenn man etwas nur spielt, weil man es muss, klingt es sofort wie Zwang.“

Das Känguru mischte sich ein, wie es das Känguru immer tut, wenn es um „muss“ geht.
„Zwang ist der Kern der Tradition“, erklärte es, und bekam von Uschi einen Blick, der sagte: Nicht heute.

Kroko hielt eine Tasse hoch. „Ich gebe euch eine Lösung: Spielt es einmal, aber nur, wenn gleichzeitig Waffeln gemacht werden.“

„Das ist Handelspolitik“, murmelte der Hai.

„Das ist Frieden“, sagte Kroko.

Sie einigten sich auf ein System: Ein „Pflichtlied“ pro Tag, aber als Ritual, nicht als Überfall. Lara moderierte es an wie eine freundliche Warnung:
„Achtung, gleich kommt das Lied, das die Welt spaltet. Bitte haltet eure Plätzchen fest.“

Alle lachten, sogar der Hai. Und als das Lied lief, war es… erträglich. Weil es gemeinsam war. Weil man darüber lachen durfte. Weil der Kamin alles weich machte.


5) Abend: Musik, die bleibt, wenn man sie ausmacht

Als es draußen dunkel wurde, wurde die Musik ruhiger. Mehr Klavier, weniger Glocken. Lara senkte die Lautstärke so, dass man die Lieder eher spürte als hörte. Tigerlein nahm ein paar Sekunden „Haus-Atmos“ auf: Radio, Kamin, das leise Klirren einer Tasse, eine Plätzchendose, die in diesem Haus offenbar nie wirklich schläft.

Uschi saß auf dem Sofa und sagte: „Es ist komisch. Die Musik macht nicht nur Stimmung. Sie macht… Zeit.“
„Genau“, sagte Mozart aus seinem Sessel. „Musik ist ein Kalender ohne Zahlen.“

Das Känguru lag in der Hängematte und murmelte: „Ich gebe zu, das ist… effektiv.“
„Das ist das höchste Lob, das du vergeben kannst“, sagte Waschbär und grinste.

Bevor Lara das Radio für die Nacht ganz leise stellte, sagte sie:
„Okay. Morgen wieder normaler Betrieb. Aber heute… war ein guter Musiktag.“

Tigerlein nickte, zufrieden wie jemand, der eine ganze Welt in eine Playlist gepackt hat.

Mozart sah in die Flammen und sprach seinen Satz des Tages:

„Manchmal schmückt man kein Zimmer,

sondern die Stunden.

Ein Lied legt Licht auf den Alltag,

und selbst der Winter draußen

klingt dann ein wenig leiser.

So wird aus einem Dienstag

ein Tag, der nach Weihnachten klingt.“