1) Ein Gartenmorgen ohne Eile
Der Sonntag begann mild und freundlich. Die Sonne war bereits da, aber noch nicht stark, und über dem Garten lag die ruhige Luft eines Morgens, an dem niemand sofort etwas Großes vorhatte.
Uschi zog ihre Gartenschuhe an und nahm die Gießkanne.
Lara kam mit einem kleinen Korb, Handschuhen und einer Gartenschere dazu.
„Einmal alles ansehen?“, fragte sie.
„Einmal alles“, sagte Uschi zufrieden.
Die beiden begannen bei den Kübeln an der Terrasse. Die Sommerblumen standen gut, einige Blüten waren jedoch verblüht und mussten entfernt werden. Uschi zupfte sie vorsichtig ab, während Lara die Erde prüfte.
„Hier ist es schon wieder trocken.“
„Dann etwas mehr Wasser. Aber langsam.“
Der Hai erschien an der Terrassentür. „Nicht in der Mittagshitze gießen.“
Uschi sah ihn an. „Deshalb machen wir es jetzt.“
„Sehr gut.“
Der Hai nickte und ging wieder hinein. Offensichtlich hatte er nur kontrollieren wollen, ob alle dieselbe vernünftige Idee gehabt hatten wie er.
2) Tomaten, Gemüse und ein wenig Dünger
Bei den Tomaten gab es inzwischen deutlich mehr zu sehen.
Zwischen den gelben Blüten saßen mehrere kleine grüne Früchte. Noch fest, noch unscheinbar, aber eindeutig Tomaten.
Uschi hob vorsichtig ein Blatt an. „Die hier ist schon größer geworden.“
Lara beugte sich näher. „Und dort kommt noch eine.“
Sie banden einen neuen Trieb locker an und entfernten ein paar Blätter, die zu dicht standen. Danach bekam jede Pflanze etwas Wasser und eine kleine Menge Dünger.
„Nicht zu viel“, sagte Uschi.
„Genau genug“, sagte Lara.
Das Känguru rief aus der Hängematte: „Gezielte Nährstoffzufuhr an produktive Gartenstrukturen!“
„Wir düngen Tomaten“, sagte Lara.
„Das sagte ich.“
Auch die anderen Gemüsepflanzen wurden versorgt. Zucchini, Salat und einige kleinere Töpfe bekamen frische Erde, wo der Regen sie verdichtet hatte. Das Zitronenbäumchen im Terrakottatopf wurde gedreht, damit es gleichmäßiger Licht bekam.
Waschbär kam vorbei und betrachtete die kleinen grünen Tomaten.
„Sie sehen aus wie Murmeln, die später Salat werden.“
„Das ist erstaunlich richtig“, sagte Uschi.
3) Kräuter für Küche und Strauß
Im Kräuterbeet war erneut deutlich geworden, dass Minze und Liebstöckel keine zurückhaltenden Pflanzen waren.
„Die Minze möchte wieder alles übernehmen“, sagte Lara.
„Dann nehmen wir etwas mit“, sagte Uschi.
Sie schnitten Minze, Basilikum, Petersilie, Schnittlauch und ein wenig Rosmarin. Ein Teil kam in den Korb für die Küche, ein Teil sollte später in Wasser gestellt werden.
Kroko erschien an der Tür und sah auf die Kräuter.
„Was gibt es?“
„Etwas Leichtes“, sagte Uschi.
Kroko nickte. „Gut.“
Nach der Woche war selbst er nicht in Stimmung für Fritteuse, Grill oder große Pfannen.
Dann wandten sich Uschi und Lara dem Sommerstrauß der Füchsin zu. Einige Blüten sahen noch schön aus, andere waren inzwischen müde geworden.
Uschi nahm die alten vorsichtig heraus. Lara schnitt im Garten ein paar frische Zweige, etwas Lavendel und kleine helle Blüten.
Gemeinsam stellten sie den Strauß neu zusammen.
„Jetzt sieht er wieder frisch aus“, sagte Lara.
„Und ein bisschen mehr nach unserem Garten“, sagte Uschi.
Die Füchsin hätte es vermutlich gemocht.
4) Der Pooltag beginnt langsam
Als die Gartenarbeit erledigt war, stellten Uschi und Lara die Werkzeuge zurück, wuschen die Hände und gingen zum Pool.
Das Wasser war klar. Die Gartendusche stand bereit, der Hai hatte die Werte am Morgen bereits geprüft, und unter dem Sonnensegel lagen Handtücher und Getränke.
„Wasserwerte stabil“, sagte der Hai.
„Heute auch keine Bademeisterpfeife?“, fragte das Känguru.
Der Hai sah kurz zu der Pfeife, die noch vom Freibad-Montag auf einem Regal lag.
„Heute nicht erforderlich.“
„Ein friedlicher Tag für die Freiheit.“
Waschbär und Stinkerle gingen zuerst unter die Gartendusche und dann ins Wasser. Diesmal ohne Einhorn, Flamingo oder Wasserrutsche. Lara setzte sich an den Rand und ließ die Beine hinein. Uschi blieb zunächst im Schatten, trank Zitronen-Minz-Wasser und sah in den Garten.
Odin saß mit Sonnenbrille unter dem Segel. Der weiße Tiger hatte sich ausnahmsweise ebenfalls nach draußen gesetzt.
Alles war ruhig.
Sogar das Känguru sagte eine Weile nichts.
5) Leichtes Essen nach einer schweren Woche
Zum Mittag stellte Uschi ein einfaches Buffet bereit.
Blattsalat mit Gurke, Tomaten und Radieschen.
Ein Kräuterdressing mit Basilikum und Petersilie.
Etwas Brot.
Ein wenig Käse.
Wassermelone, Pfirsiche und Beeren.
Dazu kaltes Wasser mit Zitrone und Minze.
Kroko hatte einen leichten Joghurt-Kräuter-Dip gemacht und sonst nichts gekocht.
„Keine Pommes?“, fragte Waschbär vorsichtig.
„Nein.“
„Kein Burgerrest?“
„Nein.“
„Kein Fisch im Backteig?“
„Nein.“
Waschbär nahm sich Salat. „Nur zur Klärung.“
Der Hai sah zufrieden auf die Teller. „Ernährungsseitig sehr angemessene Gegenbewegung.“
Das Känguru nahm Brot, Salat und etwas Käse.
„Die Gemüsefraktion hat tatsächlich die Macht übernommen.“
„Nur für heute“, sagte Kroko.
„Historisch beginnt vieles mit einem Tag.“
Odin aß ruhig ein Stück Wassermelone. „Ist gut so.“
Selbst die Fleischliebhaber widersprachen nicht.
6) Nicht einmal Eis
Am Nachmittag wurde es wärmer, aber angenehm genug, dass einige Tiere im Pool blieben und andere im Schatten ruhten.
Waschbär lag auf einem Handtuch und sah irgendwann zum Haus.
„Gibt es später Eis?“
Alle dachten kurz darüber nach.
Kroko schüttelte den Kopf. „Heute nicht.“
„Nicht einmal das vom Pinguin?“
„Nein.“
„Nicht einmal selbst gemachtes Sorbet?“
Lara lächelte. „Auch nicht.“
Waschbär wirkte einen Moment lang nachdenklich. Dann nahm er sich ein Stück gekühlte Wassermelone.
„Das ist fast Eis, nur ehrlicher.“
Der Hai nickte. „Hoher Wassergehalt, kühl, deutlich leichter.“
Das Känguru hob ebenfalls ein Stück Melone. „Die natürliche Tiefkühlindustrie.“
„Sie ist nicht tiefgekühlt“, sagte der Hai.
„Dann die natürliche Kühlindustrie.“
Die Küchenkatzen lagen im Schatten und beobachteten das Obst mit wenig Begeisterung. Minimaler Positionswechsel: näher zum Brot, weiter weg von Melone.
Niemand vermisste das Eis wirklich.
7) Ein Sonntag, der nichts beweisen musste
Gegen Abend wurde das Licht weicher. Das Mähschaf zog seine letzte Bahn, Raseline arbeitete ruhig auf der Nachbarwiese, und im Pool lagen nur noch kleine Wellen.
Uschi saß mit Lara am Rand. Ihre Füße waren im Wasser, die Gartenarbeit getan, der Strauß erneuert und die Pflanzen versorgt.
„Das war ein guter Tag“, sagte Lara.
„Sehr“, sagte Uschi.
„Und erstaunlich leicht.“
Uschi sah zum Tisch mit den leeren Obstschalen und Salatresten. „Manchmal braucht man nach viel Essen einfach wieder Dinge, die nach sich selbst schmecken.“
Kroko hörte das von der Terrasse.
„Nächste Woche trotzdem nicht nur Salat.“
Uschi lachte. „Natürlich nicht.“
Das Känguru lag in der Hängematte und sagte: „Die wahre Balance liegt zwischen Fritteuse und Gurke.“
Der Hai hob den Kopf. „Das ist überraschend brauchbar.“
„Ich bin sonntags besonders klar.“
Mozart klappte sein Notizbuch zu und sagte:
„Nach einer schweren Woche
darf ein Sonntag leicht sein.
Ein wenig Wasser für die Pflanzen,
Dünger für die Tomaten,
Kräuter für die Küche,
frische Blüten im alten Strauß.
Danach Salat, Brot, Obst
und ein klarer Pool.
Nicht einmal Eis muss fehlen,
wenn der Tag selbst
schon kühl genug im Wasser liegt.“