1) Regen, der die Hängematte ausschaltet
Der Tag begann ohne Kanten. Der Himmel war eine einzige nasse Fläche, der Wind schrieb Wellen auf die Fensterscheiben. Das Mähschaf parkte im Schuppen, Raseline blinkte durch den Regen ein gedämpftes E.
Das Känguru stand an der Terrassentür, in der Pfote die Decke, im Blick die Hängematte, die heute eher wie eine nasse Kompromissform wirkte. „Die Gewerkschaft der Pausen hat geschlossen“, murmelte es.
„Drinnenordnung – freundlich“, sagte der Hai und hielt das Tablet hoch statt Klemmbrett. „Vorschlag: Fensterplätze vergeben, Warmgetränke rotieren, kleine Taten ohne Eile.“
Die Küchenkatzen bezogen die Fensterbank wie zwei Leuchtfeuer: links der Tiger, rechts der Leopard. Elise prüfte kurz die Fußmatten und parkte unter dem Tisch im trockenen Halbkreis. Uschi stellte Porridge auf den Herd; der Duft hob die Küche wie eine Hand.
2) Ein Plan für Innenwege
„Ich brauche Praxis, die nicht schwappt“, seufzte das Känguru.
„Dann erfinde Wege unter Dach“, schlug Mozart vor und schob die Bankerlampe an. „Der Regen bringt uns das Gehen bei, das man mit den Augen macht.“
Lara schob den Regler am Radio auf warm: „Haus & Lauschen – Regenzimmer. Kapitel: Tropfen in Moll.“ Tigerlein steckte das Mikro weg und nahm stattdessen mit Bleistift auf.
Der Hai tippte: Innenrunde – 1) Holzkorb füllen (zwei Gänge), 2) Handtuchbarrikade an der Terrassentür tauschen, 3) Küche: Gewürzreihe nach Nase statt Alphabet, 4) Wohnzimmer: Kissen mit Blickrichtung. „Freiwillig, nicht verpflichtend“, sagte er mild.
„Ich erkläre mich solidarisch“, sagte das Känguru und band sich – als Zeichen – Uschis Schürze lose um. „Mitwirkung im Sitzen wird heute: Mitwirkung im Fenster.“
3) Kleine Taten mit warmen Rändern
Stinkerle tauchte aus dem Schuppen auf, die Ohren voll Tropfen. „Tür quietscht“, diagnostizierte er und setzte einen winzigen Ölpunkt. Die Klinke antwortete mit ah.
Das Känguru trug Holz – nicht viel, aber zweimal. Es legte die Scheite so, dass selbst die Küchenkatzen anerkennend blinzelten. Danach tauschte es die nassen Handtücher gegen trockene, schob ein Keilchen unter die Terrassentür. „Tropfenpolitik“, murmelte es zufrieden.
Uschi stellte Tassen im Kreis: Kakao für Tigerlein, Tee für Mozart, Milchkaffee für das Känguru. „Fensterdienst bekommt erste Runde“, sagte sie.
Der Waschbär schrieb mit Kreide auf ein Brett: Heutiges Programm: 1) Tropfenzählen, 2) Keksinventur, 3) Geschichten nach Regenstärke.
„Keksinventur“, wiederholte der Hai, „übernehme ich in der Wolke.“ – „In der Dose“, korrigierte Uschi liebevoll und schob ihm eine zu.
4) Mittagsruhe, die niemand beweisen muss
Gegen Mittag weichte der Regen nicht, aber er fand einen Takt. Der Rotkohl von gestern wärmte, Kroko brutzelte ein paar Bratkartoffelreste, und im Ofen wurde Brot knusprig.
„Ich verkünde die Sofaklausel“, meinte der Hai. „Eine Stunde lang dürfen alle nur das tun, was sie langsamer macht.“
Das Känguru setzte sich in den Fensterrahmen, die Knie angezogen, und begann leise, die Tropfen in Kategorien zu lesen: „Politische Tropfen (laut, überzeugt), zögerliche Tropfen (gedenkend), brave Tropfen (senkrecht), anarchistische Tropfen (quer).“
Mozart schrieb nebenbei: „Regen ist eine Schulung für Takte, die niemand klatscht.“ Lara ließ eine ganz kurze Aufnahme laufen – nur das tok der Tasse auf Holz, das pschhh der Heizung, das mmm der Katzen. Tigerlein fand zwischen Fensterbrett und Vorhang eine verlorene Kastanie von Freitag: eine braune Anwesenheit, die den Nachmittag anklickte.
„Ich vermisse die Hängematte“, gab das Känguru zu, „aber ich merke, dass Fenster auch schaukeln – nur innen.“
5) Abend: Ein Satz, der wärmt
Am späten Nachmittag wurde das Grau dunkler und freundlicher. Uschi stellte Suppe auf den Tisch, Kerze dazu; der Freitonast schwieg, weil die Zeit schon weich war. Das Mähschaf brummte im Schuppen sein alles gut, Raseline blinkte hinter Regentropfen E wie durch Bernstein.
„Einspruch gegen den Tag?“, fragte Odin, der die Treppe heraufkam.
„Zurückgezogen“, sagte das Känguru. „Ich habe drinnen gehen gelernt. In kleinen Sätzen.“
Mozart stand auf, legte die Pfote auf die Lampe und las den Schlusssatz, den er im Stehen geschrieben hatte:
Wenn der Himmel auf die Erde fällt,
heben wir die Häuser von innen an.
Ein Schritt kann ein Blick sein,
und eine Pause ein Zimmer.
Der Hai speicherte den Satz auf seinem Tablet – und in der Dose, denn Uschi hatte ihn auf ein Kärtchen geschrieben und zu den Keksen gelegt. Die Katzen blinzelten synchron.
Dann saßen sie noch eine Weile da, hörten dem Regen beim Leiserwerden zu und merkten, dass ein richtiger Herbstmontag auch dann gut ist, wenn keiner draußen war – weil drinnen alle da waren.