22. Mai 2026 Bewölkt Frühling 7 min

Die Pfingstvorfreude und Krokos Currywurst-Abend

Die Pfingstvorfreude und Krokos Currywurst-Abend

1) Freitag mit Feiertagsvorrat

Der Freitag begann mit einem Satz, der im Flanellweg sofort Wirkung zeigte:

„Montag ist Feiertag“, sagte der Hai beim Blick auf seinen Kalender.

Kroko hob den Kopf. „Pfingsten.“

„Pfingstwochenende“, ergänzte Lara, und schon klang das Wort nach mehr Zeit, mehr Tisch, mehr gutem Essen.

Das Känguru streckte sich in seiner Hängematte. „Ein zusätzlicher freier Tag ist eine zivilisatorische Errungenschaft.“

„Ein zusätzlicher Einkaufstag ist es jedenfalls nicht“, brummte Kroko. „Ich gehe heute zum Wolf.“

„Fürs Wochenende?“, fragte Uschi.

Kroko nickte mit großer Ernsthaftigkeit. „Man muss vorbereitet sein.“

Uschi lächelte. „Dann gehen Lara und ich zum Gemüsemarkt.“

Odin saß am Küchentisch, sah kurz von seinem Smartphone auf und sagte: „Ich gehe zu Björn.“

„Kuchen?“, fragte Waschbär sofort.

„Unter anderem.“

Damit hatte der Tag seine Wege gefunden.


2) Kroko beim Metzger Wolf

Kroko ging mit entschlossenem Schritt zum Metzger Wolf. Er war nicht in Eile, aber man merkte, dass er eine innere Liste hatte. Feiertagswochenenden brauchen Reserven. Nicht wahllos, sondern gut.

Wolf begrüßte ihn schon beim Eintreten mit einem breiten Lächeln. „Kroko! Pfingstvorrat?“

„Natürlich“, brummte Kroko.

„Dann schauen wir mal.“

Sie sprachen über Grillgut, über etwas für Sonntag, vielleicht Würste, vielleicht ein paar schöne Stücke Fleisch, und natürlich über Currywurst – ursprünglich nur beiläufig. Doch Wolf hatte gerade hervorragende Bratwürste vorbereitet, kräftig genug, aber nicht zu grob, genau passend für einen klassischen Abend.

Kroko sah sie an.

„Die nehme ich auch.“

„Dachte ich mir“, sagte Wolf.

Als Kroko später mit mehreren sorgfältig verpackten Päckchen nach Hause ging, war er sichtbar zufrieden. Nicht prahlerisch. Mehr wie jemand, der weiß: Das Wochenende ist versorgt.


3) Gemüsemarkt, Füchsin und Blumen fürs lange Wochenende

Uschi und Lara hatten derweil ihren eigenen Weg. Der Gemüsemarkt war an diesem Freitag lebendig, aber nicht hektisch. Viele wollten sich für Pfingsten eindecken, und überall standen Kisten mit frischen Dingen: Kartoffeln, Salate, Radieschen, Gurken, Tomaten, Kräuter, erste richtig schöne Sommerboten.

Uschi blieb bei den Kartoffeln stehen. „Die sind wunderbar.“

Lara sah sie an. „Du denkst an etwas.“

„Kroko wird daran denken“, sagte Uschi.

Sie nahmen mehrere davon mit, dazu frischen Salat, kleine Tomaten, Gurke, etwas Frühlingszwiebel, Kräuter und ein paar Dinge, die einfach gut aussahen, weil ein langes Wochenende ein bisschen Auswahl verdient.

Auf dem Rückweg kamen sie an der Floristin Füchsin vorbei. Im Schaufenster standen neue Sträuße, heller und luftiger als die letzten. Pfingstrosen waren noch nicht überall, aber es gab zarte Blüten, Grün und weiche Farben, die genau zu einem Feiertagswochenende passten.

„Nur kurz schauen?“, fragte Lara.

Uschi sah sie an.

Beide lachten.

Die Füchsin begrüßte sie herzlich. „Wieder etwas für den Flanellweg?“

„Etwas fürs lange Wochenende“, sagte Uschi.

Die Füchsin stellte ihnen einen Strauß zusammen, frisch und nicht zu schwer, mit hellen Blüten, zartem Duft und genug Grün, dass er wirkte, als hätte man ein Stück Wiese in die Vase gebunden.

Uschi nahm ihn glücklich entgegen. „Der kommt in die Küche.“

„Dort scheint er gut aufgehoben“, sagte die Füchsin.


4) Odin bei Björn – und etwas länger als geplant

Odin war währenddessen bei Björn dem Bäcker-Biber angekommen. Er wollte Kuchen und Baguette. Das war der sachliche Teil seines Plans.

Der unsachliche Teil bestand darin, dass Björn natürlich Zeit hatte. Oder zumindest so tat. Und Odin, der sonst nicht viel redete, mit Björn erstaunlich leicht ins Gespräch kam.

Sie sprachen über den Floristenladen, über das Pfingstwochenende, über neue Kuchenideen von Frau Biber und darüber, dass die Aprikose-Mohn-Kreation aus der Katzengruppe inzwischen „erfreulich gut angekommen“ sei.

„Ich habe gehört, Kroko mochte sein Spezialstück neulich sehr“, sagte Björn.

„Sehr“, bestätigte Odin.

„Dann habe ich heute wieder etwas, das ihm gefallen könnte.“

Björn packte verschiedene Kuchenstücke ein, genug für das Wochenende, und zusätzlich ein besonders kräftiges Stück mit Nuss und Schokolade, das offensichtlich wieder für Kroko gedacht war. Dazu frisches Baguette, knusprig und duftend.

„Nur fürs Wochenende“, sagte Odin, als Björn noch ein weiteres kleines Teilchen in die Tüte legen wollte.

Björn grinste. „Natürlich. Nur.“

Als Odin schließlich ging, war deutlich mehr Zeit vergangen als geplant. Aber niemand im Flanellweg würde überrascht sein.


5) Alles kommt zusammen

Am Nachmittag füllte sich die Küche nacheinander mit Heimkehr.

Kroko kam mit Fleisch.
Uschi und Lara mit Gemüse, Kartoffeln und Blumen.
Odin mit Kuchen und Baguette.

Waschbär stand mittendrin und drehte sich langsam im Kreis. „Das sieht aus wie der Anfang eines sehr guten Feiertags.“

Der Hai betrachtete alles und nickte. „Versorgungslage ausgezeichnet.“

Lara stellte den Blumenstrauß in eine Vase. Uschi ordnete ihn noch etwas zurecht, bis die Blüten genau richtig fielen. Sofort wirkte die Küche heller.

Kroko öffnete die Gemüsetasche und sah die Kartoffeln.

Er nahm eine in die Hand.

Drehte sie.

Sah zur Fritteuse.

Uschi bemerkte den Blick. „Oh nein.“

„Oh doch“, sagte Kroko.

„Pommes?“, fragte Lara.

Kroko nickte. „Aus frischen Kartoffeln. Heute.“

Der Hai fragte: „Und wozu?“

Kroko legte die Würste vom Wolf auf den Tisch. „Currywurst.“

Waschbär hob beide Pfoten. „Das ist ein Pfingstauftakt.“


6) Pommes, Currywurst und Salat

Von da an war die Küche in Bewegung. Kroko schälte und schnitt die Kartoffeln in schöne, kräftige Stifte. Nicht zu dünn, nicht zu grob. Dann wurden sie gewässert, getrocknet und sorgfältig vorbereitet.

„Pommes brauchen Respekt“, sagte Kroko.

„Und zwei Frittiergänge“, ergänzte der Hai.

Kroko sah ihn an. „Richtig.“

Der Hai wirkte für einen Moment sehr stolz.

Uschi bereitete einen leichten Salat zu: Blattsalat, Gurke, Tomate, etwas Frühlingszwiebel, frische Kräuter, ein helles Dressing, das nicht mit der Currywurst konkurrierte, sondern ihr freundlich zur Seite stand.

Lara schnitt das Baguette auf, nur zur Sicherheit, falls jemand „noch etwas dazu“ möchte. Bei Kroko ist das fast immer der Fall.

Draußen war es noch mild. Drinnen roch es bald nach frisch frittierten Kartoffeln und kräftiger Currysauce. Kroko machte die Wurst goldbraun, schnitt sie in Stücke, gab Sauce darüber, streute Currypulver mit großer Genugtuung.

„Klassisch“, sagte er.

Das Känguru kam aus der Hängematte, angelockt wie von einer Sirene. „Das riecht nach Volksfest und langen Wochenenden.“

„Das riecht nach Essen“, sagte Kroko.


7) Ein sehr zufriedener Freitagabend

Am Abend saßen alle zusammen. Pommes knusprig. Currywurst heiß. Salat frisch. Baguette bereit. Der Blumenstrauß duftete aus der Küche herüber, und irgendwo wartete Kuchen für später, was den gesamten Abend noch sicherer machte.

Uschi probierte eine Pommes, lächelte und sagte: „Die sind perfekt.“

Lara nickte. „Wirklich perfekt.“

Der Hai prüfte ebenfalls. „Außen knusprig. Innen weich. Sehr gut.“

Kroko brummte zufrieden, beinahe gerührt.

Das Känguru tunkte eine Pommes in Sauce und sagte: „So sollte ein verlängertes Wochenende beginnen: mit Würde, Stärke und Frittierfett.“

Waschbär lachte. „Und mit Blumen.“

„Und mit Kuchen“, ergänzte Odin ruhig.

Darauf sahen alle in Richtung seiner Tüte.

„Später“, sagte Uschi.

„Später“, bestätigte Odin.

Selbst der weiße Tiger kam kurz vorbei, angezogen vom Geruch und vielleicht auch von der Stimmung. Er nahm einen Teller, blieb stehen, probierte, nickte und setzte sich dann tatsächlich für eine Weile dazu.

Tigerlein hielt nichts fest. Manche Abende müssen nicht dokumentiert werden, weil man sie bereits beim Erleben abspeichert.


8) Mozarts Satz des Tages

Mozart sah über den Tisch, auf die Teller, auf Kroko, der sehr zufrieden wirkte, und auf die Tüten und Blumen, die das lange Wochenende eingeläutet hatten.

„Ein Feiertag beginnt manchmal
schon am Tag davor:
mit Wegen durch den Ort,
einem Gespräch in der Bäckerei,
Blumen für die Küche,
guten Kartoffeln
und dem Entschluss,
heute nicht zu sparen
an Freude.
Wenn dann Pommes knuspern
und alle an einem Tisch landen,
ist das Wochenende
längst angekommen.“