Der erste Tropfen
„Wasser marsch!“ rief Kroko feierlich, als Stinkerle das Ventil drehte.
Ein rauschendes Glucksen durchzog den Schlauch, gefolgt von einem ersten, ehrlichen Platschen.
„Es beginnt“, flüsterte Mozart und blinzelte in die Sonne.
Die ersten Wellen kräuselten sich in der noch spiegelglatten Oberfläche. Der Himmel spiegelte sich darin wie ein frisch gebügeltes Hemd.
Alle standen still.
Selbst das Känguru hielt kurz inne.
Dann: Jubel.
Die Ananas und das Chlor
„Das hier“, verkündete das Känguru mit erhobenem Zeigefinger, „ist nicht einfach eine Luftmatratze. Das ist eine revolutionäre, schwimmende Ananas.“
„Sie ist aufblasbar“, stellte der Hai sachlich fest.
„Und leuchtend gelb“, ergänzte Lara.
„Und sozialistisch teilbar!“ rief das Känguru, während es das Ding in den Pool plumpsen ließ.
Der Hai hingegen befestigte sein neuestes Schild:
„Badezeitenplan – Woche 1“
Montag bis Sonntag, von 6:30–7:00 Hai-Schwimmen
7:00–7:30 Frühgymnastik
…
20:00–20:15 Abendbesinnung im Wasser
Niemand las weiter.
Er hatte auch ein Chlor-Protokoll angelegt: „Zur Sicherheit, zur Reinheit, zur Ordnung.“
„Ich bade nicht in Listen“, murmelte Waschbär und sprang – platsch – ins Wasser.
Elise in der Schleife
Elise, der Saugroboter, fuhr zum Pool, stoppte. Drehte sich im Kreis. Blieb stehen.
Startete neu. Wiederholte alles.
„Sie kann Wasser nicht fassen“, sagte Mozart mit leiser Stimme.
„Im wahrsten Sinne“, schmunzelte Lara.
Mozart stellte sich zu ihr, zeigte auf die Oberfläche:
„Das ist wie das Denken, Elise. Manchmal kommt man an einen Punkt, an dem man umdenken muss.“
Elise piepste zweimal.
Dann bog sie ab – direkt in den Schatten.
„Sie hat’s verstanden“, sagte Mozart.
Odin und der Mythos
Am Nachmittag kam Odin.
Groß, ruhig, sein Blick durchdrang die Szene wie ein Sonntagslied.
Er sagte nichts. Sah nur auf den Wasserstand.
„7.240 Liter bisher“, murmelte der Hai.
„Das stimmt“, sagte Odin, ohne auf die Anzeige zu sehen.
„Was macht der da eigentlich?“ flüsterte das Känguru zu Lara.
„Der ist doch immer freitags im Büro.“
„Mit dem großen weißen Tiger“, ergänzte Kroko.
„Hinter verschlossener Tür…“
„Und wenn sie rauskommen, läuft alles wie geschmiert…“
Wasserklang und Kokosnuss
Tigerlein stand an einem der bemalten Steine, hielt ein Mikrofon ans Wasser.
„Sagenhaft. Diese Tiefe.“
„Und das Gluckern!“ rief Waschbär, der mit einer Kokosnusshälfte experimentierte.
„Gib mir fünf Minuten.“
Sie wurden acht.
Dann hatte er aus der Schale, einem Gummiband, einem Strohhalm und einem Zahnstocher eine Mini-Ukulele gebaut.
„Und wie klingt sie?“
Tigerlein spielte.
Die Töne waren leise, eigenwillig, aber irgendwie… sommerlich.
Mozart nickte:
„Musik ist wie Wasser. Sie findet ihren Weg.“