15. Juni 2025 Gewitter Sommer 3 min

Sommerbowle & Sommerblitze

Sommerbowle & Sommerblitze

Süßer Start mit Melone

„Heute kein Tee“, verkündete Uschi am späten Vormittag mit feierlicher Stimme.
„Heute gibt es Bowle!“

Sie stand in der Küche, in einer fröhlich geblümten Schürze, ein Bund Zitronenmelisse hinterm Ohr und eine große Glasschüssel vor sich.
Erdbeeren, Melone, Limettenscheiben und ein Schuss Holunderblütensirup – es duftete wie der Juni selbst.

„Ich hab auch eine alkoholfreie Version gemacht“, sagte sie augenzwinkernd in Richtung des Kängurus.

„Ich nehm trotzdem beide“, antwortete dieses.


Schatten, Schirmchen, Sonnenschein

Im Garten war der große Holztisch mit bunten Gläsern und Schirmchen bestückt.
Die Küchenkatzen dösten im Halbschatten, Mozart las ein Gedichtband unter dem Pflaumenbaum.
Tigerlein zeichnete ein neues Cover für seine nächste Podcast-Folge („Bowle, Blitz und Blüten“).

Der Hai saß mit aufgeklapptem iPad unter dem Pavillon, versuchte verzweifelt, mit dem schwachen WLAN die Wetter-App zu aktualisieren.

„Es könnte ein Gewitter geben“, murmelte er.
„Das ist statistisch nicht ungewöhnlich für diesen Luftdruckverlauf.“

Kroko grinste.
„Ich liebe Gewitter. Das Prasseln. Das Grollen. Das ist Musik für Reptilien.“


Die große Ruhe vor dem großen Knall

Am Nachmittag wurde es immer stiller.
Nicht bei den Tieren – die genossen noch ihre dritte oder vierte Schale Bowle – sondern im Garten selbst.
Die Vögel hörten auf zu zwitschern, die Luft wurde schwer und spannungsgeladen.

„Die Mücken sind plötzlich weg“, bemerkte Lara.

„Omen“, raunte der Hai.

„Abenteuer“, flüsterte das Känguru.

Uschi sammelte geübt die Gläser ein.
„Kommt rein, meine Lieben. Es wird gleich kitscheln.“


Blitz, Donner, Regenfreude

Und dann – ein gleißender Blitz.
Ein tiefer, langgezogener Donner.
Der Himmel öffnete sich, als hätte er vergessen, den Wasserhahn zuzudrehen.

„Perfekt!“, rief Kroko, der sich mit ausgebreiteten Armen auf die Terrasse stellte.
„So muss das sein!“

Mozart zog sich mit einem dicken Handtuch und seinem Buch unter das Vordach zurück.
„Ein Regensonett, direkt aus der Natur.“

Der Hai stand mit sorgenvoller Miene am Fenster.
„Ich sehe schon, morgen muss ich eine Feuchtesichtung in allen Erdgeschossen machen.“


Ein letzter Schluck, ein letzter Groll

Drinnen war es gemütlich.
Die Tiere saßen auf Kissen, lauschten dem Prasseln, einige mit dampfenden Suppenschalen, andere mit den letzten Resten der Bowle.

Tigerlein machte noch eine Sprachaufnahme:
„Ein Sommertag, eine Bowle, ein Gewitter. Geschichten, wie sie das Leben schreibt – mit Pfirsichstückchen.“


Und so endete der Sonntag wie ein gut gebautes Lied: mit einem leichten Anfang, einem lauten Refrain und einem ruhigen Ausklang.
Uschi lächelte zufrieden.
„Bowle ist wie Sommer in einem Glas.“
Und Mozart schrieb später:
Der Himmel spricht nicht nur durch Sonne – manchmal erzählt er in Blitzen.