21. Juni 2025 Sonnig Sommer 3 min

Frau Nüsslein und das Zaunproblem

Frau Nüsslein und das Zaunproblem

Ein Klingeln zu viel

„Das ist kein Paketbote“, murmelte Lara, als es zum dritten Mal an der Tür klingelte.

„Samstagmorgen, halb neun… da kommt sonst niemand freiwillig“, meinte der Hai und stand sofort auf.
„Vielleicht das Finanzamt“, fügte er mit Schrecken hinzu.

Uschi trat an die Gegensprechanlage:
„Guten Morgen?“

„Hier ist Frau Nüsslein. Von nebenan. Ich hätte ein paar Fragen… zum Garten.“

Alle Tiere hielten den Atem an.


Die Dame mit dem Hut

Frau Nüsslein war über siebzig, stets adrett gekleidet, eine feste Instanz in der Nachbarschaft. Sie roch nach Rosenwasser und Lavendel, trug stets eine weiße Gartenschürze mit gesticktem Monogramm und sprach in einem Tonfall, der stets freundlich, aber nie ganz unverbindlich war.

„Also“, begann sie im Flur, „in meinem Salatbeet fand ich heute Früh einen kleinen Plastiksplitter. Außerdem… ein paar seltsame, parallele Spuren im Rasen. Und der Zaun hat da eine neue… wie sag ich’s… Delle.“

Der Hai trat einen Schritt vor.
„Ich führe Protokoll“, sagte er.


Die große Verteidigung

„Unser Mähschaf hat sich ein bisschen… ausgelebt“, begann Uschi sanft.
„Es war ja Feiertag und… nun ja…“

„Und Fenstertag!“, ergänzte das Känguru, das mit einer Erdbeere im Mund aus der Küche trat.

„Das ist kein Feiertag, das ist ein Brückentag“, sagte Frau Nüsslein streng.
„Das weiß ich. Aber das Mähschaf nicht“, sagte Lara, die jetzt auch dazu kam.

„Ich kann Ihnen versichern, dass sämtliche Vorfälle dokumentiert wurden“, erklärte der Hai.
„Wir übernehmen natürlich volle Verantwortung, gemäß Paragraf 823 BGB – unerlaubte Handlung.“

„Also war es doch Ihre Schuld?“, fragte Frau Nüsslein.
„Nur rein hypothetisch“, lenkte Mozart ein, „hat sich der Rasen bei Ihnen nicht auch… besonders gepflegt präsentiert?“


Ein Angebot mit Haferflocken

Stinkerle trat aus dem Keller, in der Hand einen reparierten Zaunanker.

„Ich hab da schon was vorbereitet – mit einer Extrastütze. Und einer Schräge. Damit das Mähschaf da nicht noch mal durchkommt.“

„Und der Waschbär hat Ihnen ein Beetbild gemalt“, sagte Uschi schnell und reichte ein kleines Aquarell mit Tulpen und einem lächelnden Schaf.

Frau Nüsslein blinzelte.

„Also… das Bild ist entzückend. Und der Rasen – das muss ich zugeben – sieht wirklich herrlich aus.“

„Das Mähschaf hat einen sehr ästhetischen Mähstil“, sagte das Känguru.

„Er ist nicht DIN-konform, aber kunstvoll“, ergänzte der Hai.


Ein Ende mit Apfelküchlein

Uschi lud Frau Nüsslein spontan zu Apfelküchlein mit Vanillesoße in den Garten ein.

Sie blieb eine Stunde.
Schaute sich das Mähschaf aus sicherer Entfernung an.
Kicherte sogar leise, als es versuchte, einen Maulwurfshügel zu umkurven.
Am Ende verabschiedete sie sich mit einem Lächeln.

„Bitte… richten Sie dem Mähschaf aus: Nächstes Mal vorher anfragen.“

Der Hai notierte: Nachbarschaftliche Einigung – informell, aber gültig.


Abends in der Küche

„Also haben wir jetzt offiziell Frieden?“, fragte Tigerlein.
„Offiziell, informell und mit Vanillesoße“, sagte Mozart.

„Und das Loch im Zaun?“, fragte Lara.

„Wird morgen verschweißt“, sagte Stinkerle.

„Wir brauchen einen Notfallplan“, murmelte der Hai.
„Ich werde eine Mähschaf-Fluchtroute-Karte erstellen. Mit Prioritätszonen.“

„Fenstertag war trotzdem schön“, sagte das Känguru.

„Ja“, sagte Uschi. „Und der heutige Tag war ein gutes Beispiel dafür, dass selbst aus kleinen Zaunproblemen große Nähe entstehen kann.“

Alle nickten.

Und das Mähschaf?

Brummte im Schlaf. Zufrieden.

In seinem Revier.

Hinter einem frisch reparierten Zaun.