1) Samstag im Bad: Ordnung, Duft und ein leises Tropfen
Uschi putzte ihr Bad nicht so, wie man „mal schnell“ putzt. Sie putzte es so, wie man einen Raum vorbereitet, der morgen einen Feiertag bekommt. Die Fliesen glänzten, die Armaturen wurden poliert, die Kerzen ordentlich sortiert. Sogar die Handtücher lagen so gefaltet, als hätten sie eine Ausbildung.
Im Hintergrund lief Stinkerles „Herbstlicht-Ambiente“ leise mit – dieser Kaminfeuer-Effekt, der im Winter aus jedem Bad eine kleine Bühne macht. Uschi summte vor sich hin, zufrieden, konzentriert.
Dann hörte sie es: tropf… tropf…
Sie drehte die Dusche auf, prüfte den Duschkopf – und sah, wie sich Wasser an einer Stelle sammelte, wo es nicht hingehörte. Es war kein dramatischer Wasserfall. Eher dieses hinterhältige „Ich werde später ein Problem“, das jedes Haus kennt.
„Oh nein“, murmelte Uschi und legte die Pfote an die Stirn. „Ausgerechnet jetzt.“
Sie rief Stinkerle.
2) Stinkerle gegen die Undichtigkeit: ein seltenes „geht nicht“
Stinkerle kam mit Werkzeugtasche und dem Selbstvertrauen eines Tüftlers, der schon einen Kamin gebaut und eine Gulaschkanone restauriert hat. Hinter ihm schlurfte der Waschbär neugierig her, als wäre jede Reparatur ein Theaterstück.
„Undicht?“, fragte Stinkerle.
„Undicht“, bestätigte Uschi. „Und morgen ist Sonntag.“
Stinkerle schraubte, zog nach, probierte Dichtband, fluchte ein winziges bisschen (sehr leise, fast respektvoll), und hielt schließlich inne.
„Das Gewinde ist… durch“, sagte er dann.
„Durch?“, fragte Waschbär, als hätte er das Wort noch nie gehört.
„Durch“, wiederholte Stinkerle. „Wie ein Gedanke, den man zu oft gedreht hat.“
Uschi seufzte. „Kannst du’s nicht… irgendwie…?“
Stinkerle schüttelte den Kopf. Und das war bemerkenswert, weil Stinkerle sonst immer irgendwie kann.
„Wir brauchen was Neues“, sagte er. „Nicht nur ein Teil. Das ganze Ding.“
Waschbär blinzelte dramatisch. „Das ist ja wie… wenn ein Pinsel keine Haare mehr hat.“
„Genau“, sagte Stinkerle ernst. „Nur nasser.“
3) Odin übernimmt: Spaziergang für Lösungen
Odin tauchte auf, als hätte er es gerochen – Probleme und Winterluft sind beides Dinge, die ihn zuverlässig anziehen. Er hörte kurz zu, sah den Duschkopf an, nickte einmal und sagte:
„Dann gehen wir.“
„Wohin?“, fragte Stinkerle.
„Dorthin, wo Schrauben nicht philosophisch sind“, sagte Odin. „In den Baumarkt.“
Uschi schaute auf ihre polierten Armaturen, dann auf ihren undichten Duschkopf, und wirkte plötzlich ein bisschen müde. „Ich wollte doch nur…“
Odin legte ihr sanft eine Pfote auf die Schulter. „Du wolltest, dass morgen gut wird. Das wird es. Wir kümmern uns.“
Er nahm Stinkerle und Waschbär mit, dick eingepackt, und sie gingen los – über den Flanellweg, vorbei am Feldrand, durch diese klare Winterluft, in der jeder Atemzug wie eine kleine Entscheidung aussieht.
4) Der Eichhörnchen-Baumarkt: Wuseln mit System
In der Nähe vom Gartencenter Bär lag tatsächlich ein Baumarkt. Und er fühlte sich an, als hätte jemand den Begriff „Baumarkt“ wörtlich genommen: Überall Holz, überall Regale, überall Dinge, die nach Möglichkeiten rochen.
Und überall Eichhörnchen.
Sie waren flink, freundlich, effizient – und sie bewegten sich so schnell durch die Gänge, dass Stinkerle sofort leuchtende Augen bekam.
„Die haben hier… alles“, flüsterte er.
„Und sie wissen, wo es ist“, sagte Odin.
Waschbär stand bereits mit offenem Mund vor einer Wand voller Schrauben in sortierten Kästen. „Das ist… Hai-Himmel.“
Stinkerle driftete direkt in die Abteilung „Werkzeuge und Installationen“ ab, als würde ihn ein Magnet ziehen. Er hielt eine Rohrzange hoch, dann eine Dichtung, dann ein Ventil, und murmelte: „Oh, das könnte man auch für…“
„Keine Nebenprojekte“, sagte Odin trocken.
„Nur zwei“, sagte Stinkerle hoffnungsvoll.
„Null“, sagte Odin.
Der Waschbär verschwand in einer anderen Welt: Farben, Tapeten, Bastelkram, Musterkarten, Pinsel, Folien, Klebebänder in zwanzig Varianten. Er strich über eine Tapetenrolle, als wäre sie ein Haustier.
„Das ist nicht nur ein Baumarkt“, flüsterte er. „Das ist eine Kunstgalerie, die sich als Baumarkt tarnt.“
Ein Eichhörnchen-Mitarbeiter – mit kleiner Weste und einem Namensschild, auf dem „Fips“ stand – kam zu ihnen.
„Kann ich helfen?“, fragte Fips, geschniegelt und hellwach.
Odin nickte. „Wir brauchen eine Dusch-Station. Regendusche. Und eine Handbrause. Für jemanden, der das verdient.“
Fips lächelte sofort. „Ah. Ein Geschenk. Dann kommt mit.“
5) Große Lösung statt kleines Teil
Fips führte sie zu den Duschsystemen – und Stinkerle wurde plötzlich sehr still. Nicht weil er keine Meinung hatte, sondern weil sein Kopf gleichzeitig zehn Projekte plante.
„Das hier“, sagte Fips und zeigte auf ein System, das aussah wie ein kleines Badezimmer-Raumschiff: große Regendusche oben, elegante Stange, Thermostat, extra Handbrause, Ablagefläche.
Waschbär machte ein Geräusch, das irgendwo zwischen „Oh!“ und „Awww!“ lag.
Stinkerle beugte sich näher. „Das ist… schön gebaut.“
Odin nickte. „Das nehmen wir.“
„So einfach?“, fragte Waschbär erstaunt.
„Ja“, sagte Odin. „Manchmal ist die richtige Lösung nicht die billigste, sondern die, die Ruhe bringt.“
Stinkerle strahlte. „Uschi wird das lieben.“
Odin sagte nur: „Sie soll sich nicht um Tropfen kümmern müssen.“
6) Die Frage an der Kasse und die getigerte Karte
An der Kasse stapelten die Eichhörnchen Waren in einem Tempo, das Waschbär nervös machte, als könnte er die Realität verpassen. Als das System piepte und der Preis erschien, beugte er sich zu Odin.
„Ähm“, flüsterte Waschbär, „kurze Frage… wie zahlen wir eigentlich immer alles?“
Stinkerle hielt kurz inne, als wäre diese Frage plötzlich ein philosophisches Loch im Boden.
Odin nahm es gelassen. Er zog eine Kreditkarte aus seinem Portemonnaie. Sie war getigert. Und darauf stand sein Name.
ODIN.
Waschbär blinzelte. „Du hast… eine eigene…?“
Odin schob die Karte durch, als wäre es die normalste Sache der Welt. „Ja.“
„Und…“, setzte Waschbär an.
Odin hob eine Augenbraue. „Und nein.“
Das Eichhörnchen nickte professionell, gab die Quittung, und sagte fröhlich: „Schönen Tag noch! Grüße ans Haus!“
Odin nickte zurück, als hätte er gerade einen Vertrag mit der Welt unterschrieben.
Stinkerle murmelte auf dem Weg raus: „Getigerte Kreditkarte ist… stilistisch stark.“
Waschbär flüsterte: „Das ist so mysteriös wie der weiße Tiger, nur in Zahlungsmittel.“
7) Einbau am Abend: Schrauben, Staunen, Zufriedenheit
Zuhause war es bereits dämmrig, als sie die Kartons ins Bad trugen. Uschi kam dazu, sah die große Schachtel, und ihre Augen wurden groß.
„Was ist das…?“
„Dein Sonntag wird besser“, sagte Odin schlicht.
Stinkerle baute ein, mit dieser konzentrierten Ruhe, die er hat, wenn er nicht improvisiert, sondern etwas Gutes montiert. Waschbär reichte Teile an, kommentierte Design, und klebte einmal aus Versehen ein Etikett auf eine Schutzfolie, woraufhin Stinkerle trocken sagte: „Minzduftfrei?“
Waschbär grinste. „Heute komplett minzduftfrei.“
Der Hai stand in der Tür, prüfte Wasseranschlüsse, nickte streng, und sagte: „Dichtigkeit: hervorragend.“
Als alles fertig war, drehte Uschi vorsichtig den Regler. Wasser rauschte, weich wie Regen, gleichmäßig, warm. Sie hielt die Pfote darunter, als würde sie testen, ob ein Traum echt ist.
„Oh…“, sagte sie leise. Und dann noch leiser: „Das ist wunderschön.“
Kroko kam, sah das System, brummte anerkennend. „Das ist Luxus.“
Die Küchenkatzen schnurrten im Flur, als hätten sie verstanden: Wenn Uschi glücklich ist, ist das Haus stabil.
Später saßen alle vor dem Kamin, Tee in der Hand, und Uschi schaute immer wieder in Richtung Flur, als könnte sie das Bad durch Wände hindurch fühlen.
8) Mozarts Satz des Tages
Mozart legte das Buch beiseite, sah die Runde an und sagte:
„Manchmal ist Fürsorge
kein großes Wort,
sondern ein Tropfen, der aufhört.
Ein Griff, der nicht mehr undicht ist.
Ein Regen, der drinnen fällt –
und jemandem zeigt:
Du darfst es warm haben.“