Der Beginn
Der Morgen begann ungewohnt still. Kein Klicken von Tellern, kein Rascheln von Brötchentüten, nur das tiefe Brummen des leeren Kühlschranks.
Der Hai stand davor, leicht nach vorne gebeugt, und musterte den mageren Inhalt: ein halbes Glas Oliven, zwei schrumpelige Möhren und ein Stück Käse, das schon bessere Tage gesehen hatte.
„Wir haben ein Problem“, murmelte er ernst.
Kroko, der noch verschlafen im Türrahmen lehnte, zog eine Augenbraue hoch. „Klingt, als würdest du von einer Finanzkrise reden.“
„Ist es auch. Eine Frühstückskrise.“
Der Aufbruch
Zehn Minuten später waren sie unterwegs. Kroko trug den großen Stoffbeutel, der Hai hatte einen handgeschriebenen Einkaufszettel in der Flosse.
„Nur das Nötigste“, erklärte der Hai, als würde er eine militärische Operation anführen. „Brot, Käse, Milch, Obst. Fertig.“
„Klar“, sagte Kroko, „und vielleicht noch was… fürs Gemüt.“
Der Hai war zu konzentriert, um darauf einzugehen.
Die Wursttheke
Im Supermarkt war es angenehm kühl. Kroko atmete tief durch – und blieb prompt vor der Wursttheke stehen.
„Nur mal gucken“, sagte er, doch seine Augen verrieten bereits, dass es nicht beim Gucken bleiben würde.
Hinter der Glasvitrine lagen Reihen von Salami, Schinken, Leberkäse. Und dann: Chili-Knacker im Sonderangebot.
„Zehn davon bitte. Nein, besser zwölf.“
Der Hai seufzte. „Wir brauchen keine zwölf.“
„Aber stell dir vor, heute Abend sitzen wir am Pool, und…“
„Zwanzig“, unterbrach der Hai plötzlich und grinste. „Falls Besuch kommt.“
Die Fischtheke
Kaum hatten sie die Tüten mit Wurst gefüllt, funkelte schon die nächste Versuchung: die Fischtheke.
Hier war es der Hai, der den Blick nicht abwenden konnte. Lachsfilets, Makrelen, ein glänzender Aal – jede Auslage perfekt auf Eis gebettet.
„Siehst du diese Filetierung?“, flüsterte er ehrfürchtig. „Das ist Handwerk.“
Er bestellte Lachs, Thunfisch und eine kleine geräucherte Forelle.
Kroko grinste. „Ich sag ja, fürs Gemüt.“
Der Rest der Liste
Sie irrten noch eine Weile durch die Gänge. Ab und zu landete etwas auf Verdacht im Wagen – Kräcker, Senf in drei Sorten, zwei Zitronen („passt zu Fisch und Wurst, doppelt nützlich“).
Erst kurz vor der Kasse fiel Kroko auf:
„Ähm… Brot? Milch? Obst?“
Ein Moment des Schweigens.
Dann liefen beide los, diesmal ohne Umwege.
Zuhause
Zurück im Garten räumten sie die Einkäufe in den Kühlschrank. Er war nun randvoll – mit allem, was Herz und Magen begehrten, wenn auch nicht ganz mit dem, was auf dem Zettel stand.
Der Hai nahm die Forelle, Kroko eine Chili-Knacker, und beide setzten sich auf die Terrasse.
„Weißt du, Kroko“, sagte der Hai nach einer Weile, „manchmal ist der Plan nur ein Ausgangspunkt.“
„Und manchmal ist der Einkauf besser, wenn man ihn nicht zu ernst nimmt“, erwiderte Kroko.
Sie grinsten – und beschlossen, am nächsten Tag etwas Großes aus all dem zu kochen.