Der Pool und das große Glück
Der Garten war in diesen Tagen zum Mittelpunkt des Lebens geworden. Genauer gesagt: der neue Pool.
In den vergangenen Wochen hatten die Tiere ihn gebaut, geplant, gehoben, gegraben, gehämmert und am Ende mit einem gewissen Stolz eingeweiht. Ein echter Pool! Nicht nur ein Planschbecken. Ein Pool, in dem sogar ein Hai zufrieden seine Bahnen ziehen konnte.
Und genau das tat der Hai an diesem Freitagvormittag. Er zog lange, elegante Kreise unter der Wasseroberfläche, tauchte tief, drehte sich präzise wie ein Uhrwerk und genoss es, endlich einmal in seinem Element zu sein.
„Siehst du, Kroko, das ist Effizienz in Reinform“, rief er, während Kroko mit einem genüsslichen Platscher vom Beckenrand glitt.
„Effizienz?“ brummte Kroko, der sich lieber treiben ließ, als an Technik zu denken. „Das hier ist Lebensqualität.“
Uschi und die Kunst der Ruhe
Uschi lag auf einer großen, aufblasbaren Wassermelone und ließ sich langsam über das Wasser schaukeln. Sie trug – natürlich – pinkfarbene Flip-Flops, obwohl sie im Wasser wenig Sinn ergaben. Aber es gehörte zu ihrem Stil.
„Zu schnell darf das alles gar nicht gehen“, sagte sie leise. „Das Wasser muss einen umarmen. Nicht schubsen.“
Der Hai nickte unter Wasser. Kroko blubberte Zustimmung.
Uschi lächelte und schob sich mit einem eleganten Paddel ihrer Zehen wieder ein wenig mehr Richtung Mitte des Pools.
„So geht Sommer“, sagte sie. „Ganz ohne Aufregung.“
Schattenplätze und Katzenlogik
Im sicheren Abstand zum Pool, dort, wo der alte Gartenschuppen Schatten warf, lagen die Küchenkatzen. Der Tiger und der Leopard hatten es sich auf zwei Gartenstühlen bequem gemacht. Zwischen ihnen ein kleiner, stilvoller Tisch mit einer Karaffe Wasser, ein paar Oliven und einer Schale Chips.
„Ich verstehe nicht“, murmelte der Tiger, „warum man freiwillig nass wird.“
„Oder gar schwitzt, um danach wieder nass zu werden“, ergänzte der Leopard.
Sie schauten hinüber zum Känguru, das in seiner Hängematte baumelte, ein Buch über anarchistische Theorie auf dem Bauch.
„Du gehst auch nicht ins Wasser?“, fragte der Leopard träge.
„Das wäre ja Arbeit“, murmelte das Känguru ohne die Augen zu öffnen. „Und wir haben doch gerade Sommerstreik.“
Die Katzen nickten zufrieden.
Planschen, Tauchen, Treibenlassen
Der Nachmittag zog sich angenehm in die Länge. Der Hai perfektionierte das Kreisen. Kroko probierte aus, wie lange er auf dem Grund sitzen konnte. Uschi las ein Buch über Zimmerpflanzen und ließ ihre Füße im Wasser baumeln.
Der Waschbär kam kurz vorbei, tauchte einmal kopfüber ins Wasser, drehte ein paar Saltos und verschwand wieder Richtung Küche. Dort, so munkelte man, arbeitete er an einem Eistee-Rezept mit Minze.
Elise, der Saugroboter, hielt sich diskret im Haus. Nach dem Limonadenabenteuer vom Vortag hatte sie eine wassersensible Pause verdient.
Ein Abend in Blau und Gold
Als die Sonne langsam tiefer stand, wurde das Wasser im Pool golden. Kroko schwamm seine letzten langsamen Runden. Der Hai lag quer über einer Poolnudel und betrachtete nachdenklich die Wolken.
„Ein Pool ist auch nur ein See im Kleinformat“, philosophierte er. „Aber effizienter.“
Uschi kicherte. „Ein See mit Treibgut in Form von Plüschtieren.“
„Ein See der Ruhe“, sagte Kroko zufrieden.
Aus der Hängematte kam ein schläfriger Kommentar: „Ein See der Freiheit.“
Die Küchenkatzen hoben ihre Gläser. „Ein See, an dem man trocken bleiben kann.“
Der Freitag findet sein Ende
Am Abend saßen alle wieder zusammen, diesmal auf der Terrasse. Die Sonne war müde geworden, der Pool still. Nur ein paar Tropfen perlten noch langsam von den Rändern der Liegen.
Mozart, der den Tag lieber im Kühlen verbracht hatte, stieß mit seinem Glas an. „Es gibt viele Wege, den Sommer zu genießen“, sagte er. „Die einen tauchen, die anderen ruhen. Hauptsache, man hat Freunde um sich. Und etwas zu trinken.“
Der Hai hob sein Glas. Kroko auch. Uschi lächelte.
„Und das Wasser?“, fragte Tigerlein, der alles für sein Archiv notierte.
„Das Wasser“, sagte Mozart, „weiß, wie man Geduld lernt. Es wartet einfach, bis man wiederkommt.“
Und das fand an diesem Freitagabend niemand schlecht.