25. Januar 2026 Sonnig Winter 7 min

Uschi und das Bad, das auf sie wartete

Uschi und das Bad, das auf sie wartete

1) Sonntag, Ritualtag – und die Wanne ist besetzt

Der Morgen war still. Draußen lag ein feiner Frost, drinnen war das Haus warm und weich. Die Orchideen standen tapfer in ihrer Ecke, der Blumenstrauß duftete noch zart vom Küchentisch herüber, und der Kamin machte dieses beruhigende Knistern, das sich anfühlt wie „alles wird schon“.

Uschi war gut gelaunt. Sie hatte Tee gemacht, ein bisschen Ordnung in der Küche geschaffen und sich innerlich schon auf das vorbereitet, was der Sonntag für sie bedeutete: Wanne, Kerzen, Wärme, ein kleines Stück Ruhe, das nur ihr gehört.

Dann hörte sie aus dem Bad… Wasser.

Nicht ein kurzes, zufälliges Wasser. Sondern Wannenwasser. Dieses bestimmte, geduldige Rauschen.

Uschi blieb im Flur stehen. „Hm“, sagte sie. Nur dieses eine „Hm“, das nach außen harmlos klingt, aber innen schon den Kalender aufschlägt.

Aus dem Bad kam Krokos Stimme, brummig zufrieden: „Ich brauch das heute.“
Uschi antwortete sanft: „Natürlich brauchst du das.“
Und man hörte in ihrer Sanftheit ein winziges, höfliches: Aber ich auch.


2) Kroko badet wie ein Profi – Uschi übt sich in Geduld

Kroko war kein typischer Bader. Normalerweise war er mehr der Typ „kurz abspülen, fertig, weiter kochen“. Aber heute hatte ihn offenbar etwas erwischt: Müdigkeit vom Winter, vielleicht auch die Woche, vielleicht auch der Gedanke, dass Wärme manchmal mehr ist als Essen.

Er ließ sich Zeit. Und zwar so viel Zeit, dass man irgendwann das Gefühl bekam, er hätte im Bad einen eigenen Sonntag eröffnet.

Uschi setzte sich mit einer Tasse Tee ins Wohnzimmer, lächelte in Richtung Kamin und versuchte, sich nicht wie eine Nilpferddame zu fühlen, deren wichtigste Tradition gerade in der Warteschleife hängt.

Der Hai kam vorbei, spürte sofort die Spannung in der Luft – nicht dramatisch, eher wie ein leises Knistern, das nicht vom Kamin kam.
„Bad belegt?“, fragte er.
Uschi nickte, freundlich. „Kroko.“
Der Hai sagte: „Ah.“ Und dieses „Ah“ klang, als würde er innerlich einen Ablaufplan erstellen.

Das Känguru in der Wohnzimmer-Hängematte grinste. „Das ist Klassenkampf: Badewanne gegen Bedürfnis.“
Mozart sagte ruhig: „Das ist nur Sonntag. Und Sonntag ist Geduld in Hausschuhen.“

Die Küchenkatzen lagen vor dem Kamin und schnurrten. Sie rückten minimal ein Kissen zurecht, als wollten sie sagen: Wir mischen uns nicht ein. Wir beobachten nur.


3) Endlich frei – und dann: der Hai

Irgendwann – als Uschi bereits zweimal ihren Tee nachgefüllt und dreimal so getan hatte, als würde sie völlig entspannt sein – öffnete sich die Badtür. Kroko trat heraus, warm, dampfig, sichtbar zufriedener und ein kleines bisschen rosiger, als es einem Krokodil eigentlich zusteht.

„War gut“, brummte er.
Uschi lächelte, sehr erwachsen. „Das freut mich.“
Innerlich sagte etwas in ihr: Jetzt aber.

Sie nahm ihren Bademantel, ihre Kerzen, und machte den ersten Schritt Richtung Bad. Da hörte sie ein zweites Geräusch: Schritte. Schnell, zielgerichtet.

Der Hai schob sich höflich, aber entschieden dazwischen. „Ich bin kurz drin.“
Uschi blinzelte. „Du?“
Der Hai nickte ernst. „Ich habe das warme Wasser… vermisst.“
„Du wirst doch nicht—“ begann Uschi.
„Fünfzehn Minuten“, sagte der Hai. „Exakt.“

Und bevor Uschi das Wort „exakt“ zu Ende fühlen konnte, war die Tür zu.

Das Känguru lachte leise. „Das ist die Bürokratie des Badens.“
Uschi setzte sich wieder auf die Flurbank, atmete tief ein und sagte nur: „Gut.“
Mozart, der vorbeiging, legte ihr sanft eine Pfote auf die Schulter. „Manchmal“, sagte er, „kommt das Beste nach einer zusätzlichen Runde Geduld.“
Uschi schnaubte leise. „Mozart.“
„Ja?“
„Wenn du recht hast, verzeihe ich dir“, sagte Uschi.


4) Fünfzehn Minuten – auf die Sekunde

Es war tatsächlich beeindruckend. Der Hai hatte offenbar einen inneren Chronometer, der sogar im Bad funktionierte.

Man hörte drinnen kurz Wasser, dann Stille. Keine Musik, kein Trödeln, kein „noch kurz dies“. Nur: Ablauf.

Uschi beobachtete die Uhr im Flur. Sie hätte schwören können, dass der Hai heimlich eine Stoppuhr auf dem Tablet laufen ließ.

Dann, genau in dem Moment, in dem die Minute umsprang – öffnete sich die Tür.

Der Hai trat heraus, geschniegelt wie nach einer technischen Wartung.
„Fertig“, sagte er.
Uschi starrte ihn an. „Auf die Sekunde.“
Der Hai nickte ernst. „Wie angekündigt.“
Und dann machte er etwas Ungewöhnliches: Er trat zur Seite, als würde er nicht nur Platz machen, sondern feierlich übergeben.

„Bitte“, sagte er.


5) Uschis Bad: Als hätte das Haus es vorbereitet

Uschi ging hinein – und blieb kurz stehen.

Die Wanne war bereits eingelassen. Perfekte Temperatur. Nicht zu heiß, nicht zu lau. Kerzen brannten bereits, warmes Licht tanzte an den Fliesen. Der Raum duftete: eine sanfte Mischung aus etwas Blumigem, etwas Sauberem, etwas, das nach „du darfst loslassen“ roch.

Uschi drehte sich langsam um und sah den Hai an, der im Flur stand, als wäre er plötzlich unsicher, ob er etwas falsch gemacht hatte.

„Hai“, sagte Uschi leise.
„Ja?“
„Hast du…?“
Der Hai räusperte sich. „Ich habe… die Bedingungen optimiert.“
Uschi blinzelte. Dann lächelte sie so weich, dass es das Bad noch wärmer machte. „Das ist… wunderschön.“

Der Hai nickte knapp, aber man merkte, dass ihn das Lob traf wie ein kleiner Sonnenstrahl.
„Sonntag ist wichtig“, sagte er. „Auch für… Rituale.“
Uschi legte die Pfote an ihre Brust. „Du bist manchmal wirklich… lieb.“
Der Hai wurde sofort streng. „Ich bin funktional.“
Uschi lachte. „Funktional lieb.“

Sie glitt in die Wanne, und es war, als würde der ganze Tag endlich in die richtige Form fallen.


6) Abend am Kamin: Torte, Flausch und das sanfte Ende der Woche

Später, als es draußen dunkel war und der Frost wieder leise ans Fenster tippte, saßen sie alle im Wohnzimmer. Der Kamin glühte, die Küchenkatzen lagen davor und schnurrten wie ein Metronom der Gemütlichkeit.

Kroko hatte die letzten Reste der Schokoladentorte auf Teller verteilt. „Die muss weg“, brummte er – was bei ihm nie nach Pflicht klang, sondern nach Geschenk.

Uschi kam im Bademantel dazu, die Haare (bzw. das Nilpferd-Äquivalent davon) in diesem Zustand, der sagt: Ich bin wieder ganz ich.
Lara reichte ihr Tee. „Und?“, fragte sie leise.
Uschi seufzte zufrieden. „Perfekt. Als hätte der Sonntag mich abgeholt.“

Der Hai saß mit einer Tasse da und wirkte – man konnte es kaum glauben – entspannt. Nicht chaotisch-entspannt, sondern ordentlich-ruhig.
Waschbär biss in Torte und sagte: „Das war ein Bad-Staffellauf.“
„Mit sehr viel Disziplin“, sagte Odin trocken.
„Und sehr viel… Wärme“, sagte Mozart und schaute in die Flammen.

Draußen war alles still. Drinnen war alles weich. Und die Woche ging zu Ende, als hätte sie eine Decke über sich bekommen.


7) Mozarts Satz des Tages

Mozart sah in die Glut, dann kurz zur geschlossenen Badtür, hinter der noch ein letzter Duft hing, und sagte:

„Ein Sonntag braucht manchmal
Warteschlangen und Geduld.
Doch wenn am Ende Kerzen brennen
und Wärme wartet,
merkt man:
Auch Umwege können
direkt ins Herz führen.“