21. September 2025 Sonnig Herbst 4 min

Sonntag unter der Kastanie – Laub, Laufen, Loungebad

Sonntag unter der Kastanie – Laub, Laufen, Loungebad

1) Morgensignal im Laub

Der Sonntag roch nach nasser Rinde und einem Hauch Apfelrest. Über dem Feld trieb ein mildes Grau, die Luft war kühl, aber gut gelaunt. „Laubtag!“, rief Uschi, Schürze um, Handschuhe an, Harken wie Taktstöcke.

Das Mähschaf brummte die Aufwärmrunde, Raseline blinkte E als grünes Licht vom Zaun. Die Küchenkatzen bezogen die Fensterbankloge – links Tiger, rechts Leopard – Qualitätskontrolle im Doppelschnurr.

„Zonen A–C: Kastanie, Apfel, Zaun“, ordnete der Hai an, Tablet in der Flosse. „Heute freundliche Ordnung ohne Eile.“

Kroko stellte eine Kanne Hojicha auf den Terrassentisch – „für warme Ränder“ –, Stinkerle rollte den Blättergleiter (Version 1.2) heran. Tigerlein legte die Kamera bereit, Lara nahm den Radioregler auf „Begleitung“. Und dann raschelte es über ihnen wie eine kleine Trommel.


2) Die zwei von neulich

Die zwei Eichhörnchen, die Lara und Uschi letztens entdeckt hatten, schossen über die Kastanienäste, schwangen ihre Schwänze wie Fähnchen. Eines balancierte auf dem Ast, das andere klopfte eine Schale auf. Plopp. Unten landete eine frische Kastanie – genau zwischen Uschis Stiefel.

„Guten Morgen, ihr Akrobaten“, lachte Uschi. „Heute arbeiten wir zusammen: ihr oben, wir unten.“
„Kooperationsvereinbarung, mündlich“, nickte der Hai. Tigerlein flüsterte in sein Notizbuch: Squirrels, Staffel 2.

Das Känguru steckte den Kopf aus der Terrassentür. „Ich bin die Aufsicht für Solidarität im Sprungbereich.“
„Dann spring geistig mit“, schlug Odin vor, der langsam aus dem Erdgeschoss kam. „Und pass auf, dass du sie nicht politisierst.“

Die Eichhörnchen interpretierten das als Startsignal und begannen, Blätterbündel von Astgabeln zu kicken. Unten bekam jeder Haufen plötzlich eine Handschrift: „oben angestoßen“.


3) Harken mit Mit- und Gegenwind

Uschi führte das Harken an wie einen Tanz: vorziehen, kreiseln, sammeln. Der Waschbär stellte Schilder: Laubloge – Eintritt frei, Streifen verboten. Stinkerle schob Blätter auf den Gleiter und ließ sie im weichen Bogen zur Sammelstelle rutschen.

Das Mähschaf hielt respektvoll Abstand, brummte aber rhythmisch mit; Raseline blinkte E–E, als würde sie Applaus geben. Die Eichhörnchen trugen derweil Kastanien in ihr Depot – manchmal allerdings quer über Uschis Haufen.

„Das ist kreative Umverteilung“, meinte das Känguru.

„Das ist Vor-Ort-Optimierung“, verbesserte der Hai – und grinste.

Lara kommentierte leise: „Haus & Feld – Sonntag: Blätter in C-Dur.“ Und als ein Windstoß einen frisch gezogenen Streifen wieder auffächerte, legte der Leopard den Schweif an die Kante eines Blätterbergs: bleib. Der Berg blieb.

„Qualitätskontrolle bestanden“, sagte Mozart und schrieb: Ordnung ist, wenn Laub aufhört, sich zu verraten.


4) Teewärme und Tagesruhe

Gegen Mittag krochen Kälte und Zufriedenheit in die Finger. Uschi rief den Rückzug in die Küche aus. „Hände warm, Herzen warm.“

Kroko setzte drei Kannen auf: Sencha für Klarheit, Oolong fürs Erzählen, Herbstmischung für den Schluss. Die Küche duftete wie eine Bibliothek mit Fensterplatz.

„Eichhörnchen-Erlebnisberichte!“ verlangte Lara.

Uschi erzählte, wie eines der beiden eine Kastanie zielgenau in den Laubgleiter gekickt hatte – „Teamgeist mit Fransen“.

Tigerlein hielt drei glänzende Funde in die Runde: „Archiv fürs Kastanien-Tagebuch.“

Der Hai notierte eine Fußnote: Zonen A–C: ‚Squirrel Assisted‘.

Die Küchenkatzen schnurrten tief. Elise parkte unter dem Tisch, das Mähschaf zog im Schuppen eine zufriedene Leerlaufbahn, Raseline blinkte gemütlich E.

„Ich geh später in die Wanne“, kündigte Uschi an. „Mit Salz, Lavendel und ohne Pflichten.“

„Genehmigt“, sagte der Hai feierlich und tippte auf seinem Tablet: Wellness – Priorität: hoch.


5) Abend: Bad & Blattpoesie

Am Nachmittag wurde die Luft dünner und grauer. Draußen lagen die Laubhaufen sauber wie Kommas im Garten. Die Eichhörnchen setzten eine letzte Flugnummer und verschwanden in der Krone, nur ein Ast wippte noch tschüss.
Im Bad ließ Uschi heißes Wasser laufen. Emaille, Dampf, Lavendel – eine kleine Jahreszeit für sich. Sie sank ein, atmete langsam und dachte an Blätter, die loslassen, ohne zu verlieren.

Im Wohnzimmer glühte die Bankerlampe, Mozart schrieb den Schlusssatz. Kroko spülte die Kannen, der Hai legte eine Karte ins Findbuch: Laubtag – gemeinsam, freundlich. Die Küchenkatzen bewachten den warmen Teppich.

Als Uschi später mit rosa Wangen zurückkam, stand eine Tasse Herbstmischung bereit. Niemand sagte, wer sie hingestellt hatte.

Mozart las:

Herbst ist die Kunst, zu sammeln,

während man loslässt.

Wir harken die Tage zusammen

und baden das Restliche weich.

Der Freitonast draußen schwieg höflich, weil alles rund war. Das Mähschaf brummte seine Abendkurve, Raseline blinkte ein spätes E. Und der Sonntag schloss sich wie ein warmes Handtuch um das Haus.