10. Februar 2026 Schnee Winter 7 min

Stinkerle und der Biathlon im Garten

Stinkerle und der Biathlon im Garten

1) Olympia-Fieber trifft Bastel-Fieber

Der Dienstagmorgen begann noch mit dem Nachhall vom Montag: Der Hai hatte das Fernsehen kaum losgelassen, und selbst beim Frühstück redete er in Startlisten.

„Heute wieder Highlights“, sagte er, als wäre das Tagesordnungspunkt 1.
Stinkerle nickte. „Ja. Und danach machen wir unser eigenes.“

Der Hai blinzelte. „Wie bitte?“
Waschbär grinste. „Stinkerle hat diesen Blick. Das ist der Blick, der sagt: Wir bauen jetzt Sport.

Stinkerle setzte sich ans Küchenende, breitete ein Blatt Papier aus und begann zu zeichnen: Apfelbaum, Kastanienbaum, Pool, Terrassenhafen. Alles mit Pfeilen, Nummern und kleinen Warnhinweisen.

„Das wird ein Biathlon-Kurs“, verkündete er. „Im Garten.“
„Wir haben keine Gewehre“, sagte der Hai streng.
„Haben wir auch nicht nötig“, sagte Stinkerle. „Wir machen das schön. Mit Pfeil und Bogen. Und kleinen Zielscheiben.“
Kroko brummte: „Ich höre ‘klein’ und bekomme schon Rücken.“
„Du musst nicht rennen“, sagte Waschbär. „Du bist unser… Catering- und Moralteam.“

Das Känguru hob die Pfote aus der Hängematte. „Und ich bin ideologisch dagegen, dass Leistungssport Spaß macht.“
„Du wirst trotzdem mitmachen“, sagte Lara trocken vom Radio.
„Natürlich“, sagte das Känguru. „Ich bin nur dagegen, wenn ich verliere.“


2) Fund im Schuppen: Mini-Skier und ein Hauch von Legende

Stinkerle und Waschbär verschwanden in den Gartenschuppen, wo der Winterkram lebte: Schlitten, Seile, Werkzeug, alte Decken, und Dinge, die man nur findet, wenn man eigentlich etwas anderes sucht.

Sie wühlten sich durch die Ecke mit den Holzschlitten, genau die, die Stinkerle vor Wochen wieder fit gemacht hatte. Dahinter lag eine Kiste, auf der „WINTER (irgendwann)“ stand – mit einem Etikett, das offensichtlich von Stinkerle war, obwohl es älter aussah.

„Hier!“, rief Waschbär plötzlich, als hätte er einen Schatz gehoben.

Zwei winzige Skier. Nicht groß, nicht professionell, eher so, als hätte jemand einmal gedacht: Wir könnten irgendwann mal… und es dann nie getan.

Stinkerle hielt einen Ski hoch, prüfte die Kanten, und sagte ehrfürchtig: „Die sind… erstaunlich brauchbar.“
Waschbär hielt sie ans Licht. „Sie sind auch ästhetisch. Das zählt.“
„Das zählt nicht“, sagte Stinkerle, „aber ich nehme es mit.“

Sie fanden sogar passende kleine Stöcke. Und eine alte Ledertasche, in der ein kleiner Pfeil-und-Bogen-Satz lag – wahrscheinlich ein Überbleibsel aus einer früheren „wir werden jetzt Abenteurer“-Phase des Hauses.

Waschbär strahlte. „Der Garten bekommt heute eine Lore-Erweiterung.“
Stinkerle grinste. „Und der Hai eine Sicherheitscheckliste.“


3) Kursbau: Apfelbaum-Runde, Poolkurve, Terrassenhafen-Ziel

Mittags stand der Gartenplan. Stinkerle steckte kleine Markierungen in den Schnee: eine Runde um den Apfelbaum, eine Kurve am abgedeckten Pool vorbei (mit „nicht drauf treten“-Warnschild), dann zur Kastanie, und schließlich zum „Schießstand“ nahe der Terrasse.

Als Zielscheiben dienten runde Holzplatten, die Stinkerle aus dem Keller geholt hatte. Waschbär bemalte sie: nicht nur Kreise, sondern kleine Symbole. Ein Stern. Ein Mond. Ein winziger Hai mit Klemmbrett.

„Das ist psychologische Kriegsführung“, sagte der Hai, als er die Hai-Zielscheibe sah.
„Das ist Motivation“, sagte Waschbär.

Uschi brachte Tee in Thermoskannen und stellte sie auf den Terrassentisch. „Sport ohne Tee ist unnötige Härte“, sagte sie.
Odin kam kurz dazu, sah den Kurs, sah die Skier, und nickte langsam. „Ihr nehmt den Winter, wie er ist – und macht ein Spiel daraus. Das ist klug.“
„Und gefährlich“, fügte der Hai hinzu.
Odin lächelte. „Beides kann stimmen.“

Im Terrassenhafen brummte das Mähschaf zufrieden, als würde es sagen: „Endlich wieder Gartenbetrieb.“


4) Der Nachmittag: Warm eingepackt, ernsthaft albern

Am Nachmittag traten sie an. Dick eingepackt, Mützen tief, Schals fest. Der Schnee knirschte, die Sonne war blass, aber ehrlich.

Der Hai hielt eine kurze Einweisung, die niemand verlangt hatte, aber alle insgeheim erwarteten:
„Regel 1: Abstand. Regel 2: Pfeile nur am Schießstand. Regel 3: Skier nicht als Wurfobjekt. Regel 4: Niemand tritt auf die Poolabdeckung. Ich wiederhole: niemand.“

„Du hast vergessen: Regel 5: Spaß ist erlaubt“, sagte das Känguru.
Der Hai tat so, als hätte er das nicht gehört.

Start war am Apfelbaum. Stinkerle ging als Erster, weil er natürlich „das System testen“ musste. Er glitt überraschend stabil über den Schnee, atmete theatralisch, als wäre er im Fernsehen, und rief: „Ich bin in Führung!“ – obwohl noch niemand sonst gestartet war.

Waschbär folgte, aber er machte etwas Eigenes daraus: Er glitt, drehte sich, machte eine kleine Pirouette, fast elegant, und rief: „Kunstlauf-Biathlon!“
„Das gibt Punktabzug“, sagte der Hai.
„Das gibt Stilpunkte“, rief Waschbär zurück.

Kroko machte keinen Ski-Lauf, sondern marschierte mit Würde am Rand entlang, Thermoskanne in der Hand. „Ich bin der Versorger“, brummte er. „Jeder Sport braucht einen Versorger.“

Uschi ging vorsichtig, aber tapfer. Sie wollte nicht verlieren, aber noch weniger wollte sie sich hinlegen. „Ich bin hier für die Atmosphäre“, sagte sie, und das war bei Uschi tatsächlich eine Disziplin.

Die Küchenkatzen saßen im Fenster und beobachteten – Katzen-TV, diesmal in sportlich. Minimaler Positionswechsel: sie legten die Pfoten anders übereinander. Das war ihr Applaus.


5) Schießen mit Pfeil und Bogen: Konzentration und kleine Dramen

Am Schießstand wurde es stiller. Selbst das Känguru verstummte kurz, was ein Zeichen echter Konzentration ist.

Stinkerle nahm den Bogen, spannte, zielte – und traf. Nicht perfekt, aber eindeutig im Kreis.
„Jawohl“, sagte der Hai, erleichtert. „Trefferbild akzeptabel.“
„Akzeptabel?“, lachte Stinkerle. „Das war großartig!“

Waschbär zielte auf den Stern, traf daneben, traf dafür aber aus Versehen den gemalten kleinen Mond am Rand.
„Symbolischer Treffer!“, rief er. „Ich habe den Abend gerettet!“
„Du hast die Zielscheibe verletzt“, sagte der Hai.

Uschi traf – überraschend gut. Sie hielt kurz inne, atmete aus, und ihr Pfeil landete sauber im inneren Kreis.
Alle schauten sie an.
Uschi wurde ein bisschen verlegen. „Ich… äh… hab früher mal…“
„Was?“, fragte Waschbär.
Uschi lächelte klein. „Ich war mal auf einem Sommerfest. Mit Bogenstand. Und ich wollte unbedingt die Stoffblume gewinnen.“
Kroko brummte stolz. „Sie gewinnt immer, wenn es um Blumen geht.“

Das Känguru schoss zuletzt. Es traf knapp. Nicht schlecht. Aber auch nicht gut genug, um es als revolutionären Akt zu verkaufen.

„Das System ist gegen mich“, erklärte es sofort.
„Das System bist du“, sagte Odin trocken, der gerade vorbeikam, um zuzusehen.


6) Ziel, Tee, und das Gefühl, dass Winter auch spielbar ist

Als sie fertig waren, standen sie alle zusammen auf der Terrasse, dampfend, lachend, mit roten Wangen und einer Art Glück, das nicht aus großen Ereignissen entsteht, sondern aus kleinen Mutproben im eigenen Garten.

Stinkerle schrieb „BIATHLON 1.0“ auf ein Stück Papier und klebte es an den Kursplan.
Waschbär malte ein kleines Logo dazu – ein Ski, ein Pfeil, und ein winziger Kamin im Hintergrund.
Der Hai notierte: „Sicherheit: erfüllt. Spaß: unerwartet hoch.“

Uschi schenkte Tee ein. „Ihr seid alle großartig“, sagte sie warm.
Kroko verteilte kleine Kekse als „Siegerprämie“.
Das Mähschaf brummte zufrieden. Vielleicht „alles gut“. Vielleicht „Sport gut“. Vielleicht einfach „warm“.

Als es langsam dämmerte, sah der Garten aus, als hätte er kurz Besuch von einer anderen Welt gehabt: einer, in der man im Februar nicht nur wartet, sondern spielt.


7) Mozarts Satz des Tages

Mozart, der das Ganze vom Fenster aus beobachtet hatte, trat schließlich dazu, sah die Spuren im Schnee und sagte:

„Der Winter ist nicht nur Kälte –
er ist auch eine Bühne.
Wer ihn mit Spiel füllt,
dem friert weniger im Herzen.
Und manchmal reicht ein kleiner Kurs im Garten,
um zu merken:
Wir können aus jedem Tag
ein Fest machen.“