Die Idee
Beim Frühstück sagt Uschi leise:
„Ich würde heute gerne etwas vorlesen. Etwas Schönes. Etwas aus meinem Tagebuch.“
Mozart blickt auf: „Ich habe da auch ein paar Zeilen...“
Lara, die gerade in ihrem alten Liederbuch blättert, sagt:
„Ich auch. Vielleicht lesen wir einfach zusammen.“
Das Känguru fragt: „Kann ich eine Rede über die Kraft des Wortes halten?“
Tigerlein: „Bitte nicht länger als 90 Sekunden.“
Der Hai: „Ich bräuchte die Titel der Texte vorab – zur Einordnung. Und ein Inhaltsverzeichnis.“
Der Garten wird zur Bühne
Waschbär bringt Polster.
Stinkerle stellt kleine Lautsprecher auf.
Das Känguru befestigt bunte Fähnchen mit Wäscheklammern.
Uschi serviert Zitronenmelisse-Schorle mit Gurkenscheiben.
Die „Bühne“ entsteht unter dem alten Apfelbaum.
Im Hintergrund glitzert der Pool.
Die Lesung beginnt
Uschi beginnt. Ihre Stimme ist ruhig, wie eine Sommerbrise.
Sie liest über das Leben in Rhythmen, über das Beet als Spiegel, über das Gefühl, wenn der Wind die Wäsche tanzen lässt.
„Manchmal ist das Glück nur ein Löffel Joghurt mit Lavendelhonig.“
Mozart trägt ein Gedicht vor:
Ein Haiku über Morgentau.
Ein Elfchen über Elise.
Ein freier Vers über die Schatten von Wolken auf Wasser.
Lara singt einen alten Text – halb Lied, halb Gedicht.
Über Kindheit, Veränderung, das sanfte Vergehen von Zeit.
Ihre Stimme trägt weit über den Gartenzaun.
Sogar das Mähschaf bleibt stehen.
Stille im Apfelbaumschatten
Der Hai sitzt mit einem Klemmbrett und murmelt:
„Lyrisch. Subjektiv. Keine Quellenangabe. Und was bitte ist ein Elfchen?“
Tigerlein sagt: „Eine Kunstform. Nicht kategorisierbar.“
Der Hai notiert: Unkategorisierbar – Kategorie E.
Kroko schläft ein.
Die Küchenkatzen legen sich auf die Notizen von Mozart.
Uschi lächelt. Sie hat Tränen in den Augen.
Nicht aus Traurigkeit, sondern aus dem Gefühl, dass alles gerade richtig ist.
Der Letzte Beitrag
Das Känguru hat tatsächlich einen kleinen Text vorbereitet.
Es ist keine Rede. Es ist ein Gedicht.
Über Gemeinschaft. Über ein Zuhause, das man sich baut.
Über Stille und Mut und all die kleinen Dinge, die das Leben groß machen.
Es endet mit den Zeilen:
„Zwischen Pfotenabdruck und Wasserspiegel liegt das Jetzt.
Und das reicht.“
Die Tiere sitzen noch lange beisammen.
Der Wind spielt mit den Seiten der gelesenen Texte.
Der Hai ordnet Papiere.
Mozart trinkt Lavendeltee.
Uschi notiert still in ihr Buch:
„Donnerstag, Juli.
Der Garten wurde kurz zur Bühne.
Und wir alle waren Teil davon.“