23. August 2026 Bewölkt Sommer 6 min

Zwetschgen, Nachbarschaft und ein ruhiger Sonntag

Zwetschgen, Nachbarschaft und ein ruhiger Sonntag

1) Ein Korb für Frau Nüsslein

Am Sonntagmorgen stand Uschi in der Küche und packte einen kleinen Korb.

Zwei Gläser Linsensuppe.

Mehrere Tomaten.

Eine Gurke.

Etwas Petersilie.

Ein paar frische Kräuter.

Lara kam dazu.

„Das müsste reichen.“

Uschi nickte.

„Sie hat gesagt, wir dürfen ordentlich Zwetschgen mitnehmen.“

Waschbär sah in den Korb.

„Ein Tauschgeschäft.“

„Ein Dankeschön“, sagte Uschi.

Das Känguru rief von draußen:

„Nachbarschaftlicher Warenaustausch jenseits monetärer Strukturen!“

Uschi nahm den Korb.

„Wir gehen jetzt.“

Lara lächelte.

„Bevor daraus wieder Wirtschaftstheorie wird.“


2) Frau Nüssleins Zwetschgenbäume

Frau Nüsslein freute sich über den Besuch.

„Kommt rein, kommt rein. Die Bäume hängen dieses Jahr wirklich voll.“

Hinter dem Haus standen mehrere alte Zwetschgenbäume.

Die Früchte waren dunkelblau bis violett, manche mit diesem feinen hellen Reif auf der Schale.

Uschi nahm eine vorsichtig in die Hand.

„Die sind genau richtig.“

Frau Nüsslein nickte.

„Nehmt ruhig. Ich bekomme sie allein sowieso nicht alle weg.“

Lara stellte den Korb mit den Mitbringseln auf den Gartentisch.

„Dafür haben wir etwas mitgebracht.“

Frau Nüsslein öffnete neugierig eines der Gläser.

„Linsensuppe?“

„Selbst gemacht und eingekocht.“

„Oh, wunderbar.“

Dann sah sie die Tomaten.

„Die sind aus eurem Garten?“

Uschi strahlte.

„Ja.“

Das war fast noch schöner als die Zwetschgen.


3) Ernten im Spätsommer

Gemeinsam gingen Uschi und Lara von Baum zu Baum.

Sie pflückten nur die reifen Früchte.

Manche lösten sich fast von selbst.

Andere blieben lieber noch hängen.

„Die hier morgen“, sagte Lara.

„Genau.“

Bald war der Korb schwer.

Uschi roch an einer aufgesprungenen Frucht.

„Das ist richtig Spätsommer.“

Frau Nüsslein lachte.

„Und klebrige Finger.“

Lara probierte eine.

Süß, aber mit angenehmer Säure.

„Perfekt für Kuchen.“

In einiger Entfernung erschienen die beiden Küchenkatzen.

Offenbar kannten sie diesen Weg sehr gut.

Frau Nüsslein sah sie.

„Die beiden waren gestern auch schon hier.“

Uschi legte die Pfoten in die Hüften.

Die Katzen blinzelten.

Minimaler Positionswechsel: Annäherung an Frau Nüssleins Terrasse.


4) Zurück im Flanellweg

Als Uschi und Lara zurückkamen, war Waschbär sofort da.

„Wie viele?“

„Genug.“

Kroko nahm eine Zwetschge.

Probierte.

Nickte.

„Guter Kuchen.“

„Den mache ich“, sagte Uschi.

Kroko hob beide Pfoten.

„Heute du.“

Der Hai wog den Korb.

„Erhebliche Menge.“

„Nicht alles kommt in den Kuchen.“

Lara begann, die Früchte zu sortieren.

Ein Teil für den Kuchen.

Ein Teil zum frischen Essen.

Einige besonders schöne kamen in eine Schale für den Tisch.

Uschi holte Mehl, Butter, Zucker und Eier.

Stinkerle brachte die große Kuchenform.

„Streusel?“, fragte Waschbär.

Uschi dachte kurz nach.

„Ein paar.“

Waschbär strahlte.


5) Der Teig und die Zwetschgen

Uschi machte einen weichen Hefeteig.

Nicht zu süß.

Der sollte den Früchten Platz lassen.

„Der muss jetzt gehen.“

Waschbär sah auf die abgedeckte Schüssel.

„Wohin?“

Stinkerle sagte: „Da.“

„Dann geht er gar nicht.“

„Doch.“

„Seltsamer Ausdruck.“

Während der Teig ruhte, entsteinten Uschi und Lara die Zwetschgen.

Halbieren.

Stein heraus.

Leicht einschneiden.

Nicht ganz durch.

Bald lagen ganze Reihen vorbereitet auf großen Tellern.

Der Duft wurde immer kräftiger.

Lara probierte noch eine.

„Wir brauchen Zimt.“

„Nur wenig.“

„Natürlich.“


6) Reihe für Reihe

Der Teig wurde auf dem Blech verteilt.

Dann setzte Uschi die Zwetschgen darauf.

Dicht an dicht.

Reihe für Reihe.

Mit der Schnittfläche nach oben.

Waschbär wollte helfen.

„Ich kann Muster machen.“

„Nur gerade Reihen“, sagte Uschi.

„Das ist auch ein Muster.“

Er bekam tatsächlich einen kleinen Bereich.

Seine Reihen waren nicht vollständig gerade.

Aber akzeptabel.

Lara streute ein wenig Zimt und Zucker darüber.

Uschi gab schließlich noch einige leichte Butterstreusel auf einen Teil des Kuchens.

„Nicht überall.“

„Warum?“, fragte Waschbär.

„Damit man wählen kann.“

Der Hai nickte.

„Variantenbildung innerhalb eines Blechs.“

Uschi schob den Kuchen in den Ofen.


7) Der Duft zieht durchs Haus

Nach einiger Zeit roch das ganze Haus nach warmen Zwetschgen, Butter und Hefeteig.

Kroko kam aus der Küche.

„Riecht gut.“

Der weiße Tiger erschien im Flur.

„Sehr.“

Odin kam sogar aus seiner Einliegerwohnung herauf.

„Kuchen?“

„Gleich.“

Das Känguru kam von draußen herein.

„Ich wurde olfaktorisch mobilisiert.“

Waschbär sah es an.

„Du meinst, du hast Kuchen gerochen.“

„Das sagte ich.“

Als Uschi das Blech schließlich aus dem Ofen holte, glänzten die Zwetschgen dunkel und saftig.

Einige Stellen waren leicht karamellisiert.

Die Streusel goldbraun.

„Noch warten“, sagte Uschi.

Alle stöhnten.


8) Kuchen für alle

Am Abend durfte endlich angeschnitten werden.

Der Kuchen war noch leicht warm.

Dazu gab es Kaffee, Tee und für einige einen kleinen Klecks Schlagsahne.

Uschi nahm das erste Stück.

Lara das zweite.

Kroko probierte und nickte anerkennend.

„Sehr gut.“

Der weiße Tiger sagte:

„Sehr überzeugend.“

Waschbär hatte natürlich den Bereich mit Streuseln gewählt.

„Die sind wichtig.“

Der Hai mochte die Variante ohne.

„Die Säure der Zwetschgen ist so klarer.“

Das Känguru nahm gleich zwei Stücke.

„Spätsommer in konzentrierter Form.“

Odin aß langsam.

„Frau Nüsslein gute Bäume.“

Uschi lächelte.

„Und jetzt hat sie unsere Suppe.“


9) Ein langer Abend im Bad

Später wurde es stiller.

Die Teller waren weggeräumt.

Der restliche Kuchen stand abgedeckt in der Küche.

Draußen wurde es langsam dunkel.

Uschi ging nach oben.

Sie ließ warmes Wasser in die Badewanne laufen.

Diesmal wollte sie wirklich lange bleiben.

Sie zündete ein paar Kerzen an.

Legte ein Handtuch bereit.

Gab einen sanften Badezusatz ins Wasser.

Dann stieg sie hinein.

Das warme Wasser umgab sie, und die Geräusche des Hauses wurden leiser.

Unten hörte sie nur noch gedämpfte Stimmen.

Einmal Waschbär.

Einmal das Känguru.

Dann Ruhe.

Uschi lehnte den Kopf zurück.

Die Woche musste nirgendwo mehr hin.


10) Ein sehr stiller Abschluss

Später saß Mozart noch mit seinem Notizbuch im Wohnzimmer.

Auf dem Tisch stand ein letztes kleines Stück Zwetschgenkuchen.

Er sah kurz darauf.

Dann schrieb er:

„Ein Sonntag braucht nicht viel.
Einen Korb für die Nachbarin,
ein paar reife Früchte am Baum,
Tomaten aus dem eigenen Garten
und Zeit genug,
einen Kuchen langsam entstehen zu lassen.

Am Abend sitzen alle zusammen,
teilen den Geschmack des Spätsommers
und wissen vielleicht gar nicht,
wie besonders so etwas ist.

Und wenn danach oben im Bad
nur noch Kerzen brennen
und warmes Wasser ganz still wird,
darf eine Woche genau so enden:
nicht mit einem großen Ereignis,
sondern mit dem Gefühl,
dass alles für diesen Moment
am richtigen Platz ist.“