1) Ein großer Hase vor der Tür
Es war noch früh, aber die Wärme lag bereits über dem Flanellweg.
Der Hai hatte gerade die Wetterstation geprüft und festgestellt, dass der Tag schon am Morgen deutlich wärmer begann als gewöhnlich.
„Schneller Temperaturanstieg“, sagte er.
Kroko saß mit Kaffee in der Küche. „Ist warm.“
„Es wird noch wärmer.“
In diesem Moment klingelte es.
Odin sah von seinem Platz im Wohnzimmer auf. Waschbär erschien sofort im Flur, obwohl niemand wusste, woher er so schnell gekommen war.
Vor der Tür stand Alfonso.
Der große Hase trug eine leichte Weste, einen Strohhut und zwei Papiertüten im Arm.
„Guten Morgen“, sagte er. „Ich war gerade in der Nähe.“
Hinter ihm führte die Straße in eine Richtung, die nicht ganz direkt zu seinem Waldgrundstück führte.
Das Känguru, das ebenfalls zur Tür gekommen war, sah hinaus.
„Sehr großzügig ausgelegte Nähe.“
Alfonso lächelte. „Ich musste sowieso bei Björn vorbei.“
Er hob die Tüten.
„Belegte Brötchen und Croissants.“
Kroko erschien hinter den anderen. „Reinkommen.“
Damit war Alfonso eingeladen.
2) Aus einem kurzen Besuch wird Frühstück
Alfonso stellte die Tüten auf den Küchentisch.
Björn hatte eine gute Auswahl eingepackt: Käsebrötchen, Ei, Tomate-Mozzarella, Schinken und ein paar schlichte Butterbrötchen. Daneben lagen große, blättrige Croissants, die noch leicht warm waren.
Uschi kam aus dem Garten herein und freute sich sofort.
„Alfonso! Bleibst du zum Frühstück?“
„Nur kurz“, sagte Alfonso.
Odin sah ihn an.
Alle kannten diese Art von „kurz“.
Lara öffnete die zweite Tüte. „Die Croissants duften wunderbar.“
Alfonso nahm den Strohhut ab. „Bei Björn war schon viel los. Wir haben nur ein paar Minuten gesprochen.“
„Wie viele?“, fragte Odin.
Alfonso dachte nach. „Etwas mehr als ein paar.“
Das Känguru setzte sich an den Tisch. „Der Flanellweg zieht offenbar Wesen an, die sich überall verquatschen.“
Odin sagte nichts.
Alfonso ebenfalls nicht.
Beide wirkten dabei erstaunlich einverstanden.
3) Kroko macht Pancakes
Kroko betrachtete die Brötchen, die Croissants und dann die Tiere.
„Pancakes“, sagte er.
„Zusätzlich?“, fragte der Hai.
„Frühstück.“
„Wir haben bereits—“
Kroko holte Mehl, Eier und Milch hervor.
Der Hai beendete den Satz nicht.
Waschbär wollte sofort helfen und durfte den Teig rühren, allerdings unter Aufsicht. Stinkerle stellte Teller bereit. Lara holte Ahornsirup, Honig und etwas Joghurt.
Kroko erhitzte die Pfanne und gab die ersten kleinen Teigkreise hinein.
„Nicht zu groß“, sagte er.
„Warum?“, fragte Waschbär.
„Dann kann man mehr probieren.“
Das überzeugte ihn.
Bald stapelten sich die Pancakes auf einer Platte. Goldbraun, weich und noch warm.
Alfonso sah anerkennend zu. „Damit hatte ich nicht gerechnet.“
„Spontane Besuche brauchen Verstärkung“, sagte Uschi.
Kroko wendete den nächsten Pancake.
„Großer Hase, großes Frühstück.“
Alfonso lachte.
4) Orangensaft und Obstsalatreste
Der Hai hatte inzwischen die Orangen entdeckt.
„Wir könnten frischen Saft machen.“
Uschi nickte. „Sehr gute Idee.“
Also wurden die Orangen halbiert und ausgepresst. Der Hai arbeitete erstaunlich konzentriert, als handle es sich um eine kleine wissenschaftliche Produktion.
„Mit Fruchtfleisch oder ohne?“, fragte Lara.
„Getrennte Kannen.“
Das Känguru hob den Kopf. „Pluralistische Saftversorgung.“
„Eine mit Fruchtfleisch, eine ohne“, sagte der Hai.
„Das meinte ich.“
Uschi holte die große Schüssel mit den Resten des Obstsalats aus dem Kühlschrank. Über Nacht war er gut durchgezogen. Melone, Pfirsich, Beeren und Ananas waren schön kalt, die Minze noch frisch.
„Perfekt für heute Morgen“, sagte sie.
Alfonso nahm eine kleine Schale. „Das ist genau richtig bei der Wärme.“
„Draußen wird es schon unangenehm“, sagte Lara.
Der Hai sah auf sein Tablet. „Die Temperatur steigt weiter.“
Alfonso blickte zum Wohnzimmer, wo die Klimaanlage leise lief.
„Bei euch ist es herrlich angenehm.“
Odin nickte. „Ja.“
„Nicht zu kalt“, sagte Alfonso. „Einfach gut.“
Der Hai wirkte zufrieden. Das war beinahe ein Kompliment an seine Einstellungen.
5) Frühstück im kühlen Wohnzimmer
Weil es draußen bereits zu warm für ein langes Frühstück auf der Terrasse wurde, deckten sie im klimatisierten Wohnzimmer.
Die großen Türen zum Garten blieben geschlossen, die Vorhänge waren teilweise zugezogen, und die Klimaanlage hielt den Raum gleichmäßig kühl.
Auf dem Tisch standen:
belegte Brötchen,
Croissants,
Pancakes,
Obstsalat,
Joghurt,
Honig,
Ahornsirup,
frisch gepresster Orangensaft
und natürlich Kaffee.
Alfonso setzte sich neben Odin.
„So lässt es sich aushalten.“
„Deshalb eingebaut“, sagte Odin.
„Sehr vernünftig.“
Das Känguru bestrich einen Pancake mit Honig. „Kühle Innenräume sind im Sommer eine Form zivilisatorischer Selbstachtung.“
„Du beschwerst dich sonst über technische Abhängigkeit“, sagte der Hai.
„Ich bin gegen schlechte Abhängigkeiten.“
Kroko nahm ein belegtes Brötchen und einen Pancake. „Frühstück ist gut.“
Waschbär baute sich eine Kombination aus Croissant, Obstsalat und einem kleinen Klecks Joghurt.
Stinkerle sah hin. „Das ist kein normaler Belag.“
„Es ist ein Frühstücksprojekt.“
Die Küchenkatzen hatten sich ebenfalls eingefunden. Minimaler Positionswechsel: näher an Schinkenbrötchen und Croissants, deutlich weiter weg vom Orangensaft.
6) Alfonso erzählt vom Waldgrundstück
Während des Frühstücks erzählte Alfonso von seinem Waldgrundstück.
Er wollte nach einem Zaun sehen, ein paar junge Bäume kontrollieren und prüfen, ob der kleine Unterstand den letzten Sturm gut überstanden hatte.
„Vermutlich alles in Ordnung“, sagte er. „Aber ich sehe lieber selbst nach.“
Stinkerle wurde aufmerksam. „Ist das Dach noch dicht?“
„Hoffentlich.“
„Wenn nicht, sag Bescheid.“
Alfonso nickte dankbar.
Dann begann ein längeres Gespräch über Wege, Wildtiere, Trockenheit und darüber, wie unterschiedlich sich Wärme im Wald anfühlen konnte.
„Unter den Bäumen ist es oft gut“, sagte Alfonso. „Aber auf den freien Wegen wird es heute schwierig.“
Der Hai sah erneut auf die Wetterdaten. „Du solltest genug Wasser mitnehmen.“
Uschi stand auf und füllte ihm sofort eine große Flasche.
„Und etwas Obst.“
Lara packte ihm eine kleine Dose mit Obstsalat ein.
Kroko legte zwei Pancakes dazu.
„Für später.“
Alfonso sah auf das kleine Verpflegungspaket. „Ich wollte eigentlich nur frühstücken.“
„Das ist im Flanellweg selten das Ende“, sagte Mozart.
7) Ein langer kurzer Besuch
Als Alfonso schließlich aufstand, war der Morgen deutlich fortgeschritten.
Er setzte seinen Strohhut wieder auf und nahm die Tasche mit Wasser, Obstsalat und Pancakes.
„Jetzt muss ich wirklich weiter.“
Odin stand ebenfalls auf und begleitete ihn zur Tür.
Dort sprachen beide noch einmal über den Weg zum Waldgrundstück, über einen alten Baum, über Björns Croissants und schließlich über einen neuen Werkzeugladen im Ort.
Uschi sah aus dem Wohnzimmer zu ihnen.
„Sie verquatschen sich.“
Lara lächelte. „Beide.“
Das Känguru sagte: „Ein Gespräch ist offenbar nie vorbei, solange noch eine Tür in Reichweite ist.“
Nach weiteren zehn Minuten ging Alfonso schließlich los.
Er winkte noch einmal vom Weg aus.
„Danke für das Frühstück!“
Kroko rief zurück: „Nächstes Mal früher sagen.“
Alfonso lachte. „Dann wäre es nicht spontan.“
8) Mozarts Satz des Tages
Im Wohnzimmer standen noch leere Gläser, ein paar Pancakes und ein halbes Croissant.
Draußen war es inzwischen richtig warm geworden. Drinnen blieb es angenehm kühl.
Mozart sah zur Tür, durch die Alfonso verschwunden war, und sagte:
„Manche Gäste stehen früh am Morgen vor der Tür
und behaupten, nur kurz in der Nähe zu sein.
Dann bringen sie Croissants mit,
jemand macht Pancakes,
jemand presst Orangen,
und aus einem kurzen Halt
wird ein ganzer Vormittag.
Gute Gastfreundschaft erkennt man nicht daran,
wie lange ein Besuch geplant war,
sondern daran,
dass am Ende noch Obstsalat für den Weg
und ein kühler Platz in Erinnerung bleiben.“