1) Sauber ist nicht sauber sauber
Am Donnerstagmorgen stand Kroko vor der Fritteuse.
Sie war leer.
Sie war abgewischt.
Der Korb war gespült.
Das Gehäuse glänzte sogar ein wenig.
Aber Kroko sah sie lange an und brummte.
Der Hai kam dazu. „Ist etwas nicht in Ordnung?“
„Sauber.“
„Ja.“
„Aber nicht sauber sauber.“
Der Hai sah genauer hin. „Was bedeutet das konkret?“
Kroko fuhr mit einer Kralle über eine Stelle am Rand. „Noch nicht fertig.“
Waschbär erschien in der Tür. „Ist das eine philosophische Reinigungskrise?“
„Nein“, sagte Kroko. „Currywurst.“
„Ah.“
Der Hai blinzelte. „Wie folgt Currywurst aus unvollständiger Reinigung?“
Kroko sah ihn an. „Wenn sie sowieso noch einmal richtig sauber gemacht werden muss, kann man sie vorher noch einmal benutzen.“
Der Hai dachte darüber nach.
„Das ist küchenlogisch zumindest konsistent.“
Das Känguru rief aus der Hängematte: „Die Fritteuse erhält einen letzten produktiven Einsatz vor der endgültigen Säuberung!“
„Genau“, sagte Kroko.
2) Uschi und Lara gehen zum Markt
Für gute Pommes brauchte Kroko gute Kartoffeln.
Nicht irgendeine Tüte aus dem Tiefkühlfach. Frische, feste Kartoffeln, die sich sauber schneiden und ordentlich frittieren ließen.
Uschi nahm den großen Korb. Lara kam mit.
„Kartoffeln, Salat, Gurken, Tomaten“, sagte Uschi.
„Vielleicht Radieschen“, ergänzte Lara.
„Und etwas für einen frischen Salat.“
Kroko stand in der Küchentür. „Festkochend. Nicht zu klein.“
Der Hai hob einen Finger. „Für Pommes eher vorwiegend festkochend.“
Kroko sah ihn an.
„Oder mehligkochend mit passender Stärke“, ergänzte der Hai vorsichtiger.
„Ich sehe sie mir an“, sagte Kroko.
Uschi lächelte. „Wir bringen die richtigen mit.“
Der Markt war hell und sommerlich. Unter den Schirmen lagen Kartoffeln, Salatköpfe, Gurken, Tomaten, Paprika und Kräuter. Uschi wählte kräftige Kartoffeln aus, die groß genug für schöne Stifte waren. Lara nahm einen frischen Blattsalat, kleine Tomaten, Radieschen und Gurken.
„Das wird der Gegenpol zur Fritteuse“, sagte Lara.
„Genau“, sagte Uschi. „Knusprig und frisch.“
Beim Kräuterstand nahmen sie noch Schnittlauch und Petersilie mit.
„Für den Salat“, sagte Uschi.
„Und vielleicht für Krokos Sauce.“
3) Krokos eigene Currysauce
Während Uschi und Lara unterwegs waren, begann Kroko mit der Sauce.
Tomatenbasis.
Zwiebeln.
Etwas Knoblauch.
Currypulver.
Paprika.
Ein wenig Chili.
Etwas Süße.
Ein kleiner Spritzer Essig.
Und eine geheime Kleinigkeit, über die Kroko nicht sprach.
Waschbär stand daneben und sah in den Topf.
„Was ist die geheime Kleinigkeit?“
„Geheim.“
„Honig?“
Kroko sagte nichts.
„Apfel?“
Keine Antwort.
„Schnapspraline?“
Kroko drehte langsam den Kopf.
„Nur eine Theorie.“
Der Hai kam mit einem Löffel. „Die Sauce sollte nicht zu süß sein.“
„Ist sie nicht.“
„Und nicht zu scharf.“
„Ist sie nicht.“
„Und—“
Kroko hielt ihm den Löffel hin. „Probier.“
Der Hai probierte.
Schwieg.
Dann nickte er. „Sehr ausgewogen.“
„Gut.“
Das war erledigt.
Die Sauce köchelte langsam weiter, wurde dicker und runder. Der Duft zog durchs Haus und lockte sogar den weißen Tiger aus dem Büro.
„Was gibt es?“
„Currywurst“, sagte Kroko.
Der weiße Tiger nickte. „Ich komme später.“
4) Frische Kartoffeln, frische Pommes
Als Uschi und Lara zurückkamen, prüfte Kroko die Kartoffeln sofort.
„Gut.“
„Der Händler meinte, die seien perfekt für Pommes“, sagte Uschi.
Kroko schälte sie nur teilweise, schnitt sie in gleichmäßige Stifte und legte sie in kaltes Wasser.
Waschbär beugte sich über die Schüssel. „Warum baden die Kartoffeln?“
„Stärke raus“, sagte Kroko.
Der Hai ergänzte: „Für eine bessere Oberfläche und mehr Knusprigkeit.“
„Also ein Vorbereitungsbad.“
„Wenn du möchtest.“
Die Kartoffelstifte wurden danach gründlich getrocknet. Dann kam der erste Frittiergang bei niedrigerer Temperatur.
Kroko arbeitete ruhig. Der Hai beobachtete die Anzeige. Stinkerle stellte Schalen und Küchenpapier bereit.
„Erster Durchgang“, sagte Kroko.
Die Pommes kamen hell und weich wieder heraus.
Waschbär sah enttäuscht aus. „Die sind noch gar nicht fertig.“
„Pause“, sagte Kroko.
„Pommes brauchen eine Pause?“
„Gute schon.“
Später folgte der zweite Durchgang bei höherer Temperatur. Diesmal wurden sie goldbraun und knusprig.
Das Känguru kam aus dem Garten herein. „Ich rieche Freibadgeschichte.“
„Heute besser“, sagte Kroko.
5) Der frische Salat
Uschi und Lara kümmerten sich währenddessen um die Beilage.
Der Salat wurde gewaschen und trocken geschleudert. Gurken kamen in feine Scheiben, Radieschen in dünne Ringe, Tomaten in kleine Stücke. Dazu ein leichtes Dressing aus Joghurt, Zitrone, etwas Senf, Kräutern und einem Hauch Honig.
„Nicht zu schwer“, sagte Uschi.
„Die Currywurst übernimmt den Rest“, sagte Lara.
Der Hai sah auf die Schüssel. „Sehr sinnvolle Ergänzung.“
Das Känguru nahm eine Gurkenscheibe. „Salat als moralische Begleitinstanz.“
„Du hast das schon bei Fish ’n’ Chips gesagt“, sagte Lara.
„Die Rolle bleibt dieselbe.“
Die Küchenkatzen interessierten sich wenig für den Salat. Minimaler Positionswechsel: weg von Radieschen, hin zur Wurst.
Odin kam mit Sonnenbrille aus der Einliegerwohnung, sah die vorbereiteten Teller und sagte: „Riecht gut.“
Kroko nickte. „Bald.“
6) Currywurst für alle
Die Würste kamen auf den Grill, nicht in die Fritteuse. Kroko wollte eine kräftige Röstaromatik, bevor sie in Stücke geschnitten und mit Sauce überzogen wurden.
Das Brutzeln zog über die Terrasse.
„Jetzt“, sagte Kroko.
Er schnitt die Würste in dicke Stücke, gab die warme Currysauce darüber und streute etwas frisches Currypulver obenauf. Daneben kamen die Pommes, goldbraun, salzig und knusprig.
Uschi stellte den Salat dazu.
Der Tisch sah aus wie eine sehr gute Mischung aus Imbiss und Sommerabend.
Waschbär probierte zuerst eine Pommes.
„Knusprig.“
Dann Currywurst.
„Würzig.“
Dann Salat.
„Frisch.“
„Das ist die Idee“, sagte Uschi.
Der Hai nahm einen Bissen und nickte. „Sehr gute Balance zwischen Fett, Säure, Würze und Frische.“
Das Känguru hob die Gabel. „Currywurst ist kulturell unterschätzt.“
„Iss“, sagte Kroko.
„Ich esse bereits.“
7) Sauber sauber
Nach dem Essen wurde die Fritteuse tatsächlich richtig gereinigt.
Nicht nur geleert und abgewischt. Kroko zerlegte alles, was sich zerlegen ließ, wusch Korb und Behälter gründlich, säuberte den Rand, trocknete jedes Teil und stellte sie schließlich wieder zusammen.
Der Hai prüfte aus respektvoller Entfernung.
„Jetzt sauber sauber?“
Kroko sah die Fritteuse an.
„Ja.“
Waschbär stand daneben. „Und jetzt kommt sie zurück in den Schrank?“
„Ja.“
„Ganz hinten?“
„Nicht ganz.“
„Also gibt es Hoffnung.“
Kroko brummte.
Draußen saßen die anderen noch mit Getränken auf der Terrasse. Der Abend war angenehm, der Pool ruhig, und vom Garten kam der Duft von Kräutern und warmem Gras.
Mozart sah auf die leeren Teller und sagte:
„Manchmal beginnt ein Abendessen
mit einer Fritteuse,
die noch nicht sauber genug ist.
Dann kommen Kartoffeln vom Markt,
eine eigene Sauce,
frischer Salat
und viele kleine Handgriffe zusammen.
Am Ende ist nicht nur das Essen gut,
sondern auch die Küche wieder in Ordnung.
Manche Dinge werden eben erst
nach einem letzten sinnvollen Einsatz
wirklich sauber.“