25. August 2026 Bewölkt Sommer 8 min

Der Bollerwagen und Krokos perfekte Bratkartoffeln

Der Bollerwagen und Krokos perfekte Bratkartoffeln

1) Marktbeutel und Spätsommerfarben

Am Dienstagmorgen standen Uschi und Lara mit zwei großen Stofftaschen an der Haustür.

„Tomaten brauchen wir nicht viele“, sagte Uschi. „Unsere eigenen kommen inzwischen gut.“

Lara nickte.

„Dafür Obst. Und vielleicht Paprika, Salat, Zwiebeln.“

Kroko kam aus der Küche.

„Kartoffeln.“

„Haben wir noch.“

„Gute Kartoffeln.“

Uschi lächelte.

„Wir schauen.“

Das Känguru rief aus der Hängematte:

„Achtet auf regionale Wertschöpfung!“

Lara sah hinaus.

„Das sagt ausgerechnet das Tier mit importierten Schnapspralinen.“

„Internationalistische Solidarität schließt Schokolade nicht aus.“

Uschi nahm die Taschen.

„Wir sind weg.“


2) Wieder bei Fuchs & Flor

Bevor sie den eigentlichen Wochenmarkt erreichten, gingen sie bei Fuchs & Flor vorbei.

Vor dem Laden standen nun deutlich spätsommerlichere Blumen als noch vor einigen Wochen.

Dahlien in satten Farben.

Astern.

Sonnenblumen.

Ziergräser.

Hagebuttenzweige.

Uschi blieb sofort stehen.

„Die sind wunderschön.“

Die Füchsin kam heraus.

„Guten Morgen.“

Lara zeigte auf einen lockeren Strauß mit dunklem Rot, warmem Orange und etwas Violett.

„Den würden wir nehmen.“

„Sehr gern.“

Während die Füchsin ihn band, lächelte sie plötzlich.

„Mozart war neulich hier.“

Uschi sah auf.

„Hat er erzählt.“

„Er hat sich erst vorgestellt, obwohl ich natürlich längst wusste, wer er ist.“

Lara lachte.

„Das passt zu ihm.“

„Sehr höflich. Und sehr aufmerksam bei den Blumen.“

Die Füchsin steckte noch einen kleinen Gräserzweig dazu.

„Ich glaube, er hat fast länger geschaut als gekauft.“

„Auch das passt“, sagte Uschi.


3) Der Bauer aus dem Nachbarort

Auf dem Wochenmarkt war einiges los.

Die beiden kauften Pflaumen, Birnen, Salat und ein paar besonders schöne Paprika.

Dann entdeckte Lara einen Stand, den sie noch nicht kannten.

Über einer einfachen Holztafel stand der Name eines Hofes aus dem Nachbarort.

„Das ist ja wirklich direkt von hier“, sagte sie.

Hinter dem Stand stand ein kräftiger Bauer in Arbeitshemd und Weste.

Vor ihm lagen Karotten mit Grün, Zwiebeln, Kürbisse, Kohl, Eier und mehrere große Säcke Kartoffeln.

Uschi blieb bei den Kartoffeln stehen.

„Die sehen gut aus.“

Der Bauer nickte.

„Sind sie auch. Heute früh noch sortiert.“

Lara betrachtete die Säcke.

„Aber die sind riesig.“

„Kleinere habe ich heute leider nicht mehr.“

Uschi versuchte einen der Säcke anzuheben.

Sie stellte ihn sofort wieder ab.

„Das wird nichts.“

Der Bauer lachte.

„Zu Fuß unterwegs?“

„Ja.“

„Flanellweg?“

Beide sahen ihn überrascht an.


4) Natürlich kennt er Odin

„Woher wissen Sie das?“, fragte Lara.

Der Bauer grinste.

„Ihr seid doch von Odin.“

Uschi musste lachen.

„Das wird langsam auffällig.“

„Der kommt manchmal vorbei. Kennt meinen Hof auch.“

„Natürlich“, sagte Lara.

„Natürlich was?“

„Nichts.“

Der Bauer deutete hinter seinen Stand.

Dort stand ein kleiner, stabiler Bollerwagen mit hohen Seiten.

„Nehmt den.“

Uschi sah ihn an.

„Aber der gehört Ihnen.“

„Ja. Bringt ihn einfach wieder.“

„Sind Sie sicher?“

„Wenn Odin sagt, ihr bringt Sachen zurück, dann bringt ihr Sachen zurück.“

Lara hob eine Augenbraue.

„Hat Odin das gesagt?“

„Nicht wörtlich.“

„Ah.“

Der Bauer nahm einen noch größeren Kartoffelsack.

„Wenn ihr schon einen Wagen habt, könnt ihr auch den hier nehmen. Preislich lohnt er sich mehr.“

Uschi sah Lara an.

Lara sah Uschi an.

„Wir wollten eigentlich nur ein bisschen Obst und Gemüse.“

Zehn Minuten später hatten sie einen Bollerwagen.


5) Kartoffeln, Karotten und gute Eier

Der große Kartoffelsack kam zuerst hinein.

Dann Karotten.

Zwiebeln.

Ein kleiner Kürbis.

Noch etwas Salat.

Und schließlich Eier.

Uschi betrachtete die Schachteln.

„Sind die von Ihrem Hof?“

Der Bauer nickte.

„Ja. Freiland. Die Hühner haben wirklich Fläche, nicht nur ein kleines Stück Auslauf für das Etikett.“

Das gefiel Uschi.

„Kann man die Tiere sehen?“

„Wenn ihr mal vorbeikommt, klar. Viel Wiese, Schatten, Sandbad, mehrere Ställe. Ich will, dass sie sich vernünftig bewegen können.“

Lara nahm zwei Schachteln.

„Dann nehmen wir die auch.“

Der Bauer legte noch ein paar kleinere Karotten dazu.

„Die sind nicht schön genug für den Verkauf.“

Uschi sah sie an.

„Aber völlig in Ordnung.“

„Eben.“

Dann machten sich die beiden auf den Heimweg.

Der Bollerwagen rumpelte leise über den Weg.

Lara zog.

Uschi schob gelegentlich an.

„Wir sind mit zwei Stofftaschen los.“

„Und kommen mit Landwirtschaft zurück.“


6) Waschbär entdeckt den Bollerwagen

Am Flanellweg war Kroko zuerst an der Tür.

Er sah den Kartoffelsack.

Dann die Eier.

Dann die Karotten.

„Sehr gut.“

Waschbär kam dahinter.

Er sah nichts davon.

Er sah nur den Bollerwagen.

„Oh.“

Uschi kannte diesen Ton.

„Der gehört uns nicht.“

Waschbär ging einmal darum herum.

„Er ist schön.“

„Er gehört dem Bauern.“

„Hat er einen Namen?“

„Nein.“

„Dann braucht er einen.“

„Nein.“

Waschbär zog kurz am Griff.

„Fährt sehr gut.“

Lara nahm ihm den Griff wieder ab.

„Wir bringen ihn zurück.“

Waschbär sah enttäuscht aus.

„Heute noch?“

„Nein, wahrscheinlich morgen.“

Waschbär wurde sofort wieder fröhlich.

„Dann ist er heute noch bei uns.“

Stinkerle kam dazu und prüfte automatisch ein Rad.

„Solide gebaut.“

Jetzt waren es schon zwei.


7) Kroko nimmt die Kartoffeln ernst

Kroko schnitt eine Kartoffel auf.

Festes Fleisch.

Gute Struktur.

Er nickte.

„Bratkartoffeln.“

Der Hai kam mit seinem Tablet.

„Rezept?“

Kroko sah ihn an.

„Test.“

„Was testest du?“

„Schnitt. Öl. Temperatur.“

Waschbär setzte sich interessiert dazu.

„Kartoffelforschung.“

Zuerst schnitt Kroko einen Teil in kleine Würfel.

Eine zweite Portion in gleichmäßige Scheiben.

Beide wurden vorgegart, abgekühlt und später getrennt in die Pfanne gegeben.

Die Würfel wurden außen schön, aber einige zerfielen an den Kanten.

Kroko probierte.

„Nicht schlecht.“

Dann die Scheiben.

Sie lagen flacher in der Pfanne, bekamen gleichmäßigere Kontaktfläche und entwickelten schöne goldene Krusten.

Kroko nickte.

„Besser.“

Der Hai notierte:

„Scheiben überlegen.“

Kroko sah ihn an.

„Musst du nicht aufschreiben.“

„Zu spät.“


8) Die Sache mit dem Öl

Beim zweiten Versuch gab Kroko zunächst wenig Öl in die Pfanne.

Die Kartoffeln nahmen es schnell auf.

Einige Stellen wurden trocken, bevor sie richtig Farbe bekamen.

„Mehr“, sagte Kroko.

Stinkerle sah hinein.

„Die Sorte saugt ordentlich.“

„Ja.“

Also etwas mehr Öl.

Nicht schwimmend.

Aber genug, dass jede Scheibe Kontakt bekam.

Jetzt begann es richtig zu brutzeln.

Die Ränder wurden knusprig.

Die Flächen goldbraun.

Kroko wendete nicht zu früh.

„In Ruhe lassen.“

Waschbär stand daneben.

„Ich tue nichts.“

„Gut.“

„Kann ich später wenden?“

„Nein.“

„Dann tue ich weiter nichts.“

Am Ende kamen Zwiebeln dazu, aber erst später, damit sie nicht verbrannten.

Etwas Salz.

Pfeffer.

Ein Hauch Majoran.

Kroko probierte.

Dann lächelte er.

„Jetzt.“


9) Rührei aus den Markteiern

Am Abend wurden die Eier aufgeschlagen.

Die Dotter waren kräftig gelb.

Uschi sah zufrieden aus.

„Die sehen wirklich gut aus.“

Kroko verrührte sie nur leicht.

Etwas Salz.

Ein kleiner Schuss Milch.

Dann langsam in die Pfanne.

„Nicht trocken machen.“

Das Rührei blieb weich und cremig.

Lara machte aus dem Marktsalat, Karottenstreifen und etwas Paprika einen frischen Salat mit leichter Vinaigrette.

Auf den Tisch kamen schließlich große Schüsseln mit knusprigen Bratkartoffelscheiben, Rührei und Salat.

Ganz schlicht.

Ganz klassisch.

Und alles erstaunlich gut.

Odin probierte die Kartoffeln.

„Sehr gut.“

Der weiße Tiger nickte.

„Sehr überzeugend.“

Der Hai sah auf seine Notizen.

„Scheiben, höhere Ölmenge, spätere Zwiebelzugabe.“

Kroko sagte:

„Einfach essen.“


10) Ein sehr regionaler Abend

Alle saßen noch lange auf der Terrasse.

Das Wetter war mild.

Der neue Blumenstrauß der Füchsin stand auf dem Tisch und brachte warme Spätsommerfarben zwischen die Teller.

Waschbär sah immer wieder zum Bollerwagen, der ordentlich am Haus stand.

„Nur bis morgen“, erinnerte Uschi.

„Ich weiß.“

„Du darfst ihn nicht umbauen.“

Waschbär sah zu Stinkerle.

Stinkerle sagte sofort:

„Machen wir nicht.“

Das Känguru nahm noch Bratkartoffeln.

„Kartoffeln vom Nachbarort, Eier aus Freilandhaltung, Salat vom Wochenmarkt. Fast vollständige regionale Produktionskette.“

Kroko nickte.

„Und schmeckt.“

„Das ist der seltene Moment, in dem wir beide dasselbe meinen.“

Mozart sah über den Tisch, zum Blumenstrauß und zu dem kleinen Bollerwagen am Haus und sagte:

„Manchmal geht man mit zwei leeren Taschen auf den Markt
und kommt mit einem ganzen kleinen Stück Umgebung zurück.
Kartoffeln aus dem nächsten Ort,
Eier von Hühnern auf der Wiese,
Blumen im Spätsommerlicht
und einen geliehenen Wagen,
weil jemand jemanden kennt,
der weiß, dass man ihn zurückbringen wird.

Und am Abend braucht es dann gar nichts Besonderes:
nur eine heiße Pfanne,
goldene Kartoffelscheiben,
frische Eier
und einen Tisch voller Tiere,
die finden, dass etwas sehr Einfaches
manchmal genau das Richtige ist.“