02. August 2026 Bewölkt Sommer 8 min

Kamille, Lavendel und ein Sommernachtstraum am Pool

Kamille, Lavendel und ein Sommernachtstraum am Pool

1) Kamille für spätere Tage

Der Sonntag begann warm und still.

Uschi ging mit einem flachen Korb in den Garten. Lara folgte ihr mit einer kleinen Schere und mehreren leichten Tüchern, auf denen die Kräuter später ausgebreitet werden sollten.

Die Kamille stand an einem sonnigen Platz nahe dem Kräutergarten. Viele ihrer kleinen Blüten waren nun weit geöffnet: gelbe Köpfe, umgeben von weißen Blütenblättern, die sich ein wenig nach unten neigten.

Uschi nahm eine Blüte vorsichtig zwischen zwei Finger.

„Die ist genau richtig.“

Lara roch daran. „So mild.“

Gemeinsam pflückten sie nur die vollständig geöffneten Blüten. Nicht alle, denn ein Teil sollte für Insekten und für neue Samen stehen bleiben.

Das Känguru lag in der Hängematte und beobachtete sie.

„Eigenständige Heilkräuterversorgung im dezentralen Gartenraum.“

„Kamillentee“, sagte Lara.

„Das ist die praktische Ausprägung.“

Waschbär erschien in seinem fast wieder gewöhnlichen T-Shirt. Nur ein kleines rotes Halstuch erinnerte noch an den schweizerischen Vortag.

„Sammelt ihr Chämille?“

Stinkerle sah ihn an.

Waschbär räusperte sich.

„Kamille. Ganz normale Kamille.“

„Fast wieder normal“, sagte Lara lächelnd.


2) Der Lavendel wird geerntet

Danach gingen Uschi und Lara zum Lavendel.

Er war in den vergangenen Wochen kräftig gewachsen. Lange violette Blütenstände standen über dem silbrig-grünen Laub, und sobald die beiden mit den Händen hindurchstrichen, stieg ein dichter, warmer Duft auf.

„Wir nehmen nur einen Teil“, sagte Uschi. „Der Rest darf weiterblühen.“

Lara nickte. „Und nicht alles zu tief schneiden.“

Sie banden kleine Bündel und schnitten die Stängel vorsichtig ab. Einige sollten später kopfüber an einem trockenen, luftigen Ort hängen. Andere Blüten wollte Lara nach dem Trocknen für Duftbeutel verwenden.

„Und ein ganz klein wenig für die Küche“, sagte sie.

Der Hai, der gerade vom Pool herüberkam, blieb stehen.

„Sehr wenig.“

Lara lachte. „Ich erinnere mich an den Sonntagsbraten.“

„Der Lavendelanteil war damals angemessen.“

„Dann vertraust du uns ja.“

Der Hai dachte kurz nach.

„In kleinen Mengen.“

Uschi legte die Bündel in den Korb. Zusammen mit der Kamille sah alles aus wie ein kleiner, duftender Vorrat für spätere graue Tage.


3) Kräuter, Gemüse und Dünger

Als Kamille und Lavendel ausgebreitet waren, wandten sich Uschi und Lara dem Kräutergarten zu.

Die Minze musste erneut begrenzt werden. Der Basilikum brauchte Wasser. Der Rosmarin stand gut, aber einige trockene Zweige wurden entfernt. Petersilie und Schnittlauch durften kräftig zurückgeschnitten werden.

Kroko kam mit einer Schüssel aus der Küche.

„Kräuterreste hier.“

Uschi legte Petersilie, Basilikum und Schnittlauch hinein.

„Für später?“

„Leichte Kräutersauce.“

Das passte gut zum Sonntag.

Danach bekamen Tomaten, Zucchini und die übrigen Gemüsepflanzen etwas Dünger. Die kleinen grünen Tomaten waren inzwischen deutlich größer geworden, und an mehreren Stellen kamen neue Früchte nach.

Lara hielt eine vorsichtig in der Hand.

„Bald.“

Uschi nickte. „Noch ein bisschen Sonne.“

Das Mähschaf zog währenddessen ruhig seine Bahnen am Rand des Gartens.

„Alles gut“, brummte es.

Auf der Nachbarwiese arbeitete Raseline ebenfalls gleichmäßig und zuverlässig. Ihre Wege zogen sich wie ruhige Linien durchs Gras.

„Raseline auch gut“, sagte Waschbär.

Das Mähschaf antwortete zufrieden.


4) Kleine Poolpflege

Am Pool waren Stinkerle und Waschbär inzwischen beschäftigt.

Es gab keine große Reinigung wie neulich, nur etwas Pflege: einige Blätter mit dem Kescher herausnehmen, den Rand abwischen, den Skimmer prüfen und die Filteranlage kurz kontrollieren.

Waschbär trug das rote Halstuch nun um den Kopf.

„Das ist nur Sonnenschutz“, erklärte er.

„Natürlich“, sagte Stinkerle.

Der Hai nahm eine Wasserprobe.

„pH-Wert geringfügig zu hoch. Desinfektionswert stabil, aber anpassungsbedürftig.“

Waschbär hielt den Kescher hoch.

„Der Pool ist sonst sehr zufrieden.“

„Wasser besitzt keine Zufriedenheit.“

„Aber eine gute Stimmung.“

Stinkerle prüfte den Filterkorb und entfernte einige kleine Pflanzenteile. Danach lief die Anlage wieder ruhig.

Der Hai passte die Werte vorsichtig an und notierte die Mengen auf seinem Tablet.

„In einigen Stunden erneut kontrollieren.“

„Bis dahin keine große Poolparty?“, fragte Waschbär.

„Normale Nutzung ist möglich.“

„Dann ist er zufrieden.“

Der Hai ließ es diesmal stehen.


5) Die Küchenkatzen verschwinden

Während alle beschäftigt waren, saßen die Küchenkatzen zunächst auf ihrer Sonnenloge.

Die getigerte Katze sah zum Gartenweg.

Die Leopardenkatze ebenfalls.

Dann standen beide auf.

Minimaler Positionswechsel: nicht minimal.

Sie gingen zur Terrassentür, durchquerten den Garten und verschwanden auffällig unauffällig in Richtung Frau Nüsslein.

Tigerlein bemerkte es zuerst.

„Die Katzen gehen.“

Uschi sah vom Gemüsebeet auf.

„Zu Frau Nüsslein?“

Die getigerte Katze blieb kurz stehen, als hätte sie ihren Namen gehört. Dann lief sie weiter.

„Offenbar ist es heute nicht zu heiß“, sagte der Hai.

„Oder Frau Nüsslein hat etwas Interessantes“, sagte Lara.

Das Känguru hob aus der Hängematte eine Pfote.

„Grenzüberschreitender Nachbarschaftsverkehr.“

„Sie gehen über den Gartenweg“, sagte Stinkerle.

„Jede Grenze beginnt als Weg.“

Wenig später waren die beiden Katzen hinter der Hecke verschwunden.

Waschbär sah ihnen nach.

„Sie kommen bestimmt zurück.“

Odin, der inzwischen mit einem Gartenschlauch in der Nähe stand, nickte.

„Kommen sie.“


6) Der große Gartenregen

Am frühen Abend war die Sonne noch warm, aber nicht mehr stark.

Nun musste der Garten gründlich bewässert werden.

Odin schloss den Gartenschlauch an und begann beim Rasen. Er führte den Wasserstrahl ruhig in weiten Bögen über das Gras, sodass ein feiner Regen entstand.

Das trockene Grün wurde dunkler, und sofort stieg der vertraute Duft nasser Erde auf.

Waschbär und Stinkerle standen zunächst daneben.

Dann ging Waschbär einen Schritt in den Wassernebel.

„Sehr angenehm.“

Stinkerle sah ihn an. „Du wirst nass.“

„Das ist der Sinn.“

Odin hob den Schlauch etwas höher.

Der Wasserbogen wanderte über beide hinweg.

Waschbär sprang hindurch. Stinkerle wich erst aus, blieb dann aber stehen und ließ sich ebenfalls treffen.

„Jetzt bist du auch nass“, sagte Waschbär.

„Offensichtlich.“

Odin bewegte den Schlauch noch einmal in einem breiten Bogen.

Bald liefen Waschbär und Stinkerle lachend durch den künstlichen Regen. Nicht wild, nur ausgelassen genug, dass selbst Kroko von der Terrasse herüberblickte.

„Nicht auf die Kräuter treten!“

„Tun wir nicht!“, rief Waschbär.

Der Hai kontrollierte die Wassermenge.

„Gleichmäßig verteilen. Keine Staunässe.“

Odin nickte.

Er arbeitete sorgfältig weiter: Rasen, Sträucher, Bäume, Beetränder. Uschi und Lara übernahmen mit Gießkannen die empfindlicheren Pflanzen.


7) Fruchtsäfte am Pool

Als alles bewässert war, wurde es langsam ruhiger.

Kroko stellte große Karaffen auf den Terrassentisch. Eine enthielt Apfel-Pfirsich-Saft, eine andere Beeren- und Traubensaft, dazu gab es Wasser mit Zitrone, Minze und viel Eis.

„Keine Cocktails heute?“, fragte das Känguru.

„Fruchtsäfte“, sagte Kroko.

„Auch gut.“

Die Tiere setzten sich rund um den Pool. Einige auf die Liegen, andere auf Handtücher oder direkt an den Beckenrand.

Uschi und Lara hatten geduscht und saßen nun mit frisch gewaschenen Haaren unter dem Sonnensegel. Der Duft von Lavendel hing noch an ihren Pfoten.

Das Mähschaf stand im Terrassenhafen.

Raseline ruhte auf der anderen Seite der Wiese.

Beiden ging es gut.

Kurz vor Sonnenuntergang kehrten auch die Küchenkatzen zurück. Langsam, satt und völlig ohne Erklärung.

Minimaler Positionswechsel: direkte Rückkehr zur Sonnenloge, anschließend sorgfältige Fellpflege.

„Frau Nüsslein?“, fragte Uschi.

Die getigerte Katze blinzelte.

Mehr war nicht zu erfahren.


8) Ein Sommernachtstraum

Die Sonne sank hinter die Bäume.

Der Himmel wurde erst golden, dann orange und schließlich weich violett. Das Wasser im Pool spiegelte jede Farbe, als läge eine zweite Dämmerung darin.

Die Tiere tranken ihre kühlen Fruchtsäfte.

Niemand sprach laut.

Aus dem Gras begannen die Grillen zu zirpen. Zuerst nur eine, dann mehrere, bis ihr gleichmäßiger Klang über dem ganzen Garten lag.

Waschbär entdeckte das erste Glühwürmchen nahe der Hecke.

„Da!“

Ein kleines Licht schwebte durch die Dämmerung.

Dann ein zweites.

Und etwas später noch eines, weiter hinten beim Apfelbaum.

Lara lehnte sich zu Uschi.

„Wunderschön.“

Uschi nickte. „Fast unwirklich.“

Das Känguru lag diesmal nicht in der Hängematte, sondern saß mit den anderen am Pool.

„Ein Garten ist nachts ein völlig anderes Land.“

Der Hai sah kurz auf sein Tablet.

Dann legte er es zur Seite.

Sogar er wollte diesmal keine Werte mehr prüfen.

Mozart hörte den Grillen zu, sah den kleinen Lichtern nach und sagte:

„Ein Sommertag beginnt mit Kamillenblüten,
Lavendel und Erde unter den Pfoten.
Er führt über klares Wasser,
mähende Schafe,
verschwundene Katzen
und einen Regen aus dem Gartenschlauch.
Und wenn am Abend
die letzten Tropfen im Gras liegen,
Fruchtsaft in den Gläsern glitzert
und kleine Lichter durch die Hecke schweben,
wird aus einem gewöhnlichen Sonntag
für einen stillen Moment
ein Sommernachtstraum.“