07. September 2025 Sonnig Herbst 4 min

Uschis Sonntagssuppe

Uschis Sonntagssuppe

1) Der Ruf in die Küche

Am Vormittag hing über dem Garten ein warmer Dunst, als hätte der September die Hände über die Felder gelegt. Uschi band ihre Schürze, klopfte den größten Topf der Küche an – ein gediegenes bomm – und rief: „Sonntagssuppe! Wer was hat, bringt’s mit. Süß, nicht brav – und bitte geputzt!“

Das Mähschaf brummte seine erste Bahn, Raseline blinkte E rüber; die Küchenkatzen setzten sich wie Kommas auf die Fensterbank. Elise schnurrte eine höfliche Runde um die Stuhlbeine.

Der Hai erschien mit Klemmbrett, aber ohne Strenge. „Ich schlage Suppenlogistik – leicht vor: Basis, Gemüse, Einlage, Kräuter. Reihenfolge ist Freundlichkeit, keine Zwangsvorstellung.“

„Einverstanden“, nickte Kroko am Herd. „Ich kümmere mich um die Hitze. Du um die Ruhe.“


2) Ernte, die nach Geschichten schmeckt

Sie kamen in einer kleinen Prozession:
Uschi trug Möhren, Lauch, Sellerie – Suppe, die zuhört.

Kroko brachte Kartoffeln und Bohnen, schob nebenbei die Mühle am Vollautomaten an: „Ein Espresso für die Geduld.“

Der Waschbär schleppte einen Korb mit Zucchini und zeichnete heimlich Gesichter in die Schale – „damit sie mitkochen wollen“.

Stinkerle rollte einen Beutel Linsen heran und den Label-Printer: SONNTAGSSUPPE 25–09 – Batch A – ‚Erntedank‘ (duftete minzleise).

Lara legte ein Mikro bereit, schob es dann doch beiseite. „Heute hören wir ohne Aufnahmegerät.“ Tigerlein kritzelte stattdessen: „O-Töne: Blubbern, Löffel, Lachen.“

Odin kam später, hielt zwei Pastinaken in der Pfote. „Für Tiefe“, sagte er. „Im Geschmack und sonst.“
„Genehmigt“, murmelte der Hai – und schrieb es nicht auf.


3) Der Topf als Treffpunkt

Öl zischte, Zwiebeln glasten, Knoblauch warf ein Lächeln in die Luft. „Jetzt Wurzelwerk“, dirigierte Kroko. „Dann Kartoffeln. Linsen erst, wenn’s leise kocht.“

Uschi rührte in ruhigen Kreisen. „Suppe ist wie Zuhören: nicht zu schnell, nicht zu lange schweigen.“
„Klausel gegen Überwürzung“, bat der Hai halb im Spaß.

„Ich würze mit Absicht“, antwortete Uschi. „Und mit Salz – nicht mit Listen.“

Das Känguru steckte den Kopf zur Tür herein, hielt Schnapspralinen hoch. „Solidarische Beigabe!“
„Für später“, lachte Uschi. „Erst Gemüse, dann Politik.“

Die Küchenkatzen wechselten synchron die Position – Prüfung bestanden. Draußen fiel eine Kastanie plopp; drinnen sagte der Topf blubb. Tigerlein notierte: „Herbst in zwei Silben.“


4) Löffelrunde & kleiner Jahrmarkt

Als die Suppe zur Ruhe kam, deckte Uschi auf der Terrasse den Tisch: Brot, Butter, Schnittlauch, eine Schale mit gerösteten Kernen. Der Waschbär stellte ein Schild daneben: „Ein Löffel, ein Lächeln“.

Sie schöpften – dampfend, freundlich, rund. „Klarer Teller, tiefer Tag“, sagte Odin nach dem ersten Löffel.
„Die Bohnen sind pünktlich“, nickte der Hai. „Und die Linsen reagieren kooperativ.“

„Die Suppe hat Humor“, befand Lara. „Sie schmeckt, als würde sie Geschichten weitererzählen.“

Stinkerle verteilte kleine Papiertüten mit Etikett – für später in den Keller. Elise wieselte zufrieden zwischen Stuhlbeinen, das Mähschaf fuhr hinterm Zaun die Sonntagskurve, Raseline blinkte E wie ein Segen.

Kroko reichte Uschi einen Cappuccino mit Blatt. „Für die Köchin. Heute wächst was in dir zurück.“


5) Badewanne & Dank

Als die Schüsseln leer und die Gläser beschriftet waren, trug der Hai zwei Portionen in den Vorratskeller: neben „Sugo 25–08“ standen jetzt „Sonntagssuppe – Erntedank“. Mozart schrieb eine Zeile ins Notizbuch und legte den Stift weg – satt.

Uschi verschwand ins Bad. Es roch nach alter Emaille, nach Lavendel und warmem Wasser. „Zum ersten Mal seit Monaten nicht der Pool“, sagte sie leise, ließ das Wasser laufen und tauchte ein. Die Wanne umarmte sie anders als der Garten: weniger Himmel, mehr Halt.

Sie hörte, wie im Haus leise geräumt wurde, das Radio in den Abend floss, der Wind eine Kastanie setzte.
Mozarts Stimme vor der Tür, ein Satz wie ein Handtuch:

Ernte ist das geduldige Ja zur Zeit.

Man teilt, was wuchs—

und badet den Rest in Dankbarkeit.

Uschi lächelte, tauchte noch einmal ab, bis der Tag im Wasser leise wurde. Als sie später mit weichem Schritt in die Küche zurückkam, stand dort eine Tasse Tee. Niemand hatte sie gesehen – und doch wussten alle: Der Sonntag war gelungen.