05. Juli 2025 Sonnig Sommer 3 min

Das große Platsch

Das große Platsch

Der große Tag

Die Sonne stand schon hoch, als der erste Lavendelduft durch den Garten zog.
Waschbär hatte die letzten Steinmuster mit etwas Glitzer nachgezogen, Stinkerle überprüfte zum fünften Mal die Filterpumpe, und der Hai ging mit Sonnenbrille und Clipboard am Beckenrand auf und ab.

„Einweihung“, sagte er andächtig.
„Ein Tag von bautechnischer und sozialer Relevanz.“

„Ein Tag des Wassers!“, rief Kroko.

In der Mitte des Gartens glitzerte der Pool wie ein Versprechen.
Darum herum: Hängematten, Decken, Schalen mit Wassermelonenstücken, Saftbowle in einer Glaskaraffe mit Zitronenscheiben, ein Tablett Lavendelkekse – und mittendrin: Uschi.


Uschis große Ehre

„Liebe Uschi“, begann Mozart mit ruhiger Stimme,
„für dein unermüdliches Gärtnern, dein Feingefühl für Lavendel und Limo – und deine Idee von einem Ort der Erfrischung – erhältst du nun offiziell…“

Der Hai reichte feierlich ein Paar pinke Badelatschen mit eingesticktem Flossenmuster.
„…die Erstbetretungswürde des Pools.“
„Und einen Sonnenschirm mit Hibiskus-Muster“, fügte das Känguru hinzu.

Uschi trat lächelnd vor, verbeugte sich leicht und schritt mit Anmut und Blütenhaar ins Wasser.
Es machte: Platsch.
Und dann war alles erlaubt.


Plansch-Manifest und Sonnenhüte

„Für die vereinte Freude am kühlen Nass!“, rief Kroko und sprang mit einem eleganten Bauchklatscher in die Tiefe.
Wasser spritzte bis zum Lavendelbeet.
„Für das Recht auf Sommer!“ rief das Känguru und warf eine aufblasbare Banane hinterher.

Die Küchenkatzen erschienen in weißen Sonnenhüten mit kleinen Goldbändchen.
„Wir bleiben… im Schatten“, miaute der Küchenleopard.
„Aber wir beobachten alles“, schnurrte der Tiger.
Sie bekamen einen Extra-Platz unter dem Baldachin mit kühlem Melissentee und Gurkenscheiben.

Der Hai stand währenddessen am Beckenrand und blies energisch in eine Trillerpfeife.
„Nicht rennen! Badezeiten einhalten! Chlor-Kontrolle folgt!“
Er grinste. Innerlich zumindest.


Eine kleine Stille

Als der Nachmittag in den Abend überging, das Wasser langsamer gluckste und die Sonne in Orangetöne schimmerte, bat Mozart um ein wenig Aufmerksamkeit.
Er stand am Beckenrand, das Fell leicht getrocknet, das Herz voller Worte.

„Wasser“, sagte er,
„ist der Spiegel, in dem wir uns begegnen – ohne Eile, ohne Masken.
Es ist Bewegung und Ruhe.
Grenze und Einladung.
Ein Übergang.
Und ein Anfang.“

Alle schwiegen.
Nur das Mähschaf brummte leise vor sich hin.


Ein Zettel im Abendlicht

Odin, der am Rand auf einem Kissen saß, schrieb langsam einen Satz auf einen kleinen Zettel, faltete ihn und legte ihn neben die Saftkaraffe.
Tigerlein entfaltete ihn, las – und las laut vor:

„Jede Tiefe beginnt flach – mit dem Mut, hineinzugehen.“

Die Tiere nickten.
Das Wasser gluckste.
Der Tag neigte sich dem Ende zu.

Am Rand des Pools lagen Pfotenhandtücher, Sonnenbrillen, leere Keksteller –
und ganz in der Mitte:
das schimmernde, neue Becken ihres kleinen, geteilten Sommers.