14. Juli 2025 Sonnig Sommer 5 min

Das Känguru plant den großen Sommerstreik

Das Känguru plant den großen Sommerstreik

Ein Montag, wie er im Buche steht

Der Montag begann bereits mit einem leichten Stöhnen. Es war nämlich heiß. Nicht angenehm-sommerlich, nicht einladend für ein Frühstück auf der Terrasse, sondern schlichtweg drückend, schweißtreibend, klebrig.

Das Känguru saß in der Küche auf dem Stuhl mit dem besten Luftzug – direkt zwischen Fenster und Kühlschrank. Vor sich ein Glas mit drei Eiswürfeln und einem verdächtig leeren Blick.

„Zu heiß zum Arbeiten“, sagte es. Nicht einmal empört, mehr wie ein Naturgesetz, das man lediglich feststellen musste.

„Zu heiß für alles“, ergänzte der Waschbär und jonglierte mit drei Aprikosen, die durch die Wärme etwas... matschig waren.

Der Hai blätterte in seinem Ringbuch und zog die Stirn kraus. „Das steht so nicht im Wochenplan. Montags wird aufgeräumt.“

„Nicht, wenn wir im Streik sind“, erwiderte das Känguru und schob sich einen Eiswürfel ins Maul.

„Streik?“ fragte Uschi und setzte sich mit einem Tablett voller Melonenspalten dazu. „Wogegen denn, mein Schatz?“

„Gegen den Montag. Gegen die Hitze. Gegen alles, was nicht angenehm ist“, sagte das Känguru und nickte bedeutungsvoll. „Solidarität, Genossinnen und Genossen! Ich fordere einen sofortigen Arbeitsstillstand!“


Manifest in Flip-Flops

Der Hai seufzte. „Das ist nicht vorgesehen. Wer soll denn sonst nachher das Wohnzimmer lüften?“

„Niemand“, sagte das Känguru großspurig. „Wir sitzen einfach alle hier, schwitzen kollektiv und verweigern uns der sogenannten Realität. Das nennt man ziviler Ungehorsam.“

„Du nennst es Streik, ich nenne es schlichtweg Pause“, brummte Kroko von der Küchentür her. Er balancierte ein Glas Apfelschorle auf der Schnauze und wirkte nicht so, als wolle er heute irgendwen vom Gegenteil überzeugen.

Mozart schlurfte mit gemessenem Schritt heran, setzte sich langsam, vorsichtig, schwer. „Widerstand gegen Montagsarbeit hat eine lange Tradition“, murmelte er. „Schon die Philosophen der Antike…“

„…waren keine Plüschtiere im Hochsommer“, ergänzte Lara trocken von ihrem Platz beim Radio.

Das Känguru ließ sich nicht beirren. „Ich werde ein Schild malen!“, rief es. „Ein richtiges Streikschild! Und dann sitzen wir einfach hier. Mit Eis. Und Flip-Flops.“

„Du trägst doch keine Flip-Flops“, warf Uschi ein.

„Ab heute schon.“


Das Hitze-Komitee tagt

Eine halbe Stunde später hing ein provisorisches Pappschild an der Küchentür:
„Großer Sommerstreik! Keine Arbeit unter 25 Grad Celsius!“

Darunter stand klein: „Mit Ausnahmen für Melonen, Eiskaffee und Eiswürfel.“

Der Hai hatte sich ergeben und blätterte nun in seinem Notizbuch nach „Regeln für Ausnahmezustände“.
Der Waschbär hatte die matschigen Aprikosen durch gefrorene Blaubeeren ersetzt und versuchte, mit ihnen ein Muster auf dem Küchentisch zu legen, das an die französische Revolution erinnerte.
Mozart las Zeitung.
Kroko brummelte ein Rezept für kalte Gurkensuppe in seinen Apfelsaft.
Tigerlein filmte alles für das Archiv.
Elise, der Saugroboter, ignorierte den Streik und saugte stoisch weiter.

„Ich finde“, sagte Lara schließlich, „wenn wir schon streiken, sollten wir es wenigstens stilvoll tun. Mit Eis.“


Verhandlungen am Küchentisch

„Also ist der Streik nicht gegen uns selbst gerichtet, sondern nur gegen Arbeit allgemein?“, fragte der Hai.
„Gegen alles, was nach Arbeit aussieht“, präzisierte das Känguru.

„Dann fällt Eis essen nicht darunter“, sagte Kroko zufrieden.

„Eindeutig nicht“, sagte Uschi und servierte in diesem Moment tatsächlich eine große Schale Eis: Vanille, Erdbeer, Schoko, mit Minze garniert.

„Das ist Streikbrecher-Eis“, grinste der Waschbär.

„Das ist Überlebens-Eis“, sagte Mozart würdevoll. „Widerstand muss auch mal schmecken dürfen.“


Der Sinn des Ganzen

Der Nachmittag verging langsam. Sehr langsam. Fast so langsam wie die Sonne, die sich nur widerwillig durch die Wolken bewegte. Die Temperatur sank kaum, aber die Stimmung hob sich merklich.

Man redete über dies und das, über Hitze, Politik, das Känguru in seiner Rolle als Chefrevolutionär. Über Sinn und Unsinn von Plänen, über den Wert von Pausen und darüber, dass manchmal ein gemeinsames Eis mehr bewirkt als jeder ausgefeilte Maßnahmenkatalog.

Am Abend saßen alle im Wohnzimmer. Mozart las noch immer Zeitung, das Känguru döste auf dem Sofa. Der Hai sortierte seine Listen neu – diesmal mit einem Extrakapitel: „Flexibilität bei Wetterlagen.“

Tiger Odin war zu Besuch gekommen und stellte fest: „Manche Streiks enden nicht mit Parolen, sondern mit einem guten Gespräch und einem kalten Löffel Eis. Das ist auch eine Form von Fortschritt.“


Der Abschluss des Montags

Als es draußen langsam dunkler wurde und der erste zaghafte, kühle Wind durch das Fenster strich, murmelte Mozart seinen abschließenden Kommentar in die Runde:

„Man muss nicht immer kämpfen. Manchmal reicht es, sich gemeinsam unter einen Ventilator zu setzen und zu warten, bis der Sommer sich von allein beruhigt.“

Alle nickten. Sogar Elise machte eine kleine Pause.

Und das Streikschild?
Das hing am nächsten Morgen noch immer an der Tür. Aber niemand nahm es mehr so ernst.

Man hatte schließlich Eis im Gefrierfach.