19. Juli 2026 Bewölkt Sommer 7 min

Der französische Sonntagsbraten und der Duft der Provence

Der französische Sonntagsbraten und der Duft der Provence

1) Kroko ist wieder in der Küche

Am Sonntagmorgen stand Kroko bereits vor einem großen schweren Schmortopf.

Neben ihm lagen Zwiebeln, Möhren, Sellerie, Knoblauch und ein schönes Stück Fleisch. Auf dem Fensterbrett warteten Rosmarin, Thymian und etwas Salbei aus dem Garten.

Lara kam in die Küche und sah sich die Zutaten an.

„Französisch?“

Kroko nickte. „Provence.“

„Dann brauchen wir Geduld.“

„Haben wir.“

Nach dem freien Samstag wirkte Kroko beinahe erleichtert, wieder etwas zu schneiden, anzubraten und zu planen. Er band sich die Schürze um und prüfte den Topf.

Waschbär erschien in der Tür.

„Was wird geschmort?“

„Sonntagsbraten.“

„Wie lange?“

„Den ganzen Tag.“

Waschbär sah zum Topf. „Dann wohnt er heute hier.“

„So ähnlich“, sagte Lara.

Das Känguru rief von draußen: „Langzeitveredelung tierischer und pflanzlicher Ressourcen unter kontrollierter Hitze!“

Kroko schloss die Küchentür halb.


2) Kräuter der Provence

Zuerst wurde das Fleisch kräftig angebraten.

Es zischte im Topf, und schon nach wenigen Minuten roch die Küche warm, würzig und ernsthaft nach Sonntag.

Lara hackte Zwiebeln und Knoblauch. Dann kamen Möhren, Sellerie und etwas Tomatenmark dazu.

„Nicht zu viel“, sagte Kroko.

„Nur für Tiefe.“

Sie löschten den Ansatz mit Wein und Brühe ab. Der Dampf stieg auf und zog sofort bis in den Flur.

Dann stellte Lara die Kräuter zusammen.

Rosmarin.
Thymian.
Bohnenkraut.
Etwas Oregano.
Ein wenig Salbei.

Und ganz zuletzt nahm sie einige wenige getrocknete Lavendelblüten.

Der Hai, der gerade hereinkam, sah sofort hin.

„Lavendel im Essen?“

„Sehr wenig“, sagte Lara. „Sonst schmeckt alles nach Seife.“

Kroko nickte. „Nur Hauch.“

Der Hai beobachtete, wie Lara wirklich nur eine kleine Prise zugab.

„Akzeptabel.“

„Danke für die kulinarische Freigabe“, sagte Lara.


3) Ein Essen, das Zeit braucht

Der Braten kam zurück in den Topf, der Deckel darauf, und von da an arbeitete vor allem die Zeit.

Kroko stellte die Hitze niedrig ein.

„Jetzt langsam.“

Lara bereitete die Beilagen vor. Es sollte ein cremiges Kartoffelgratin geben, dazu grüne Bohnen mit Schalotten und etwas Zitronenschale.

Uschi kam aus dem Garten und sah in die Küche.

„Das duftet schon jetzt wunderbar.“

„Noch lange nicht fertig“, sagte Kroko.

„Dann wird es später gefährlich gut.“

Das Mähschaf zog draußen ruhig seine Bahn. Raseline arbeitete auf der Nachbarwiese. Im Haus verteilte sich der Duft jedoch immer weiter.

Odin kam aus seiner Einliegerwohnung.

„Riecht nach Kräutern.“

„Provence“, sagte Lara.

Odin nickte. „Gut.“

Der weiße Tiger erschien kurz darauf aus dem Büro und blieb ebenfalls einen Moment in der Tür stehen.

„Sehr überzeugend.“

Kroko hob nur den Deckel, begoss den Braten mit Sauce und schloss den Topf wieder.

Es war noch nicht einmal Mittag.


4) Uschis Nachmittag im Pool

Draußen war es angenehm warm geworden.

Uschi hatte am Vormittag noch einige Pflanzen gegossen und sich dann entschieden, den restlichen Nachmittag im und am Pool zu verbringen.

Sie duschte sich kurz unter der Gartendusche ab, ging langsam ins Wasser und ließ sich danach mit den Armen auf dem Beckenrand treiben.

Lara kam zwischendurch hinaus, noch immer mit Schürze.

„Wie ist das Wasser?“

„Herrlich.“

„Ich komme später.“

Uschi roch in ihre Richtung.

„Du riechst schon sehr nach Braten.“

Lara lachte. „Das ist Berufsrisiko.“

Kroko erschien kurz darauf ebenfalls an der Terrassentür, um Rosmarin zu holen.

Uschi hob den Kopf.

„Du auch.“

„Was?“

„Du riechst noch stärker.“

Kroko roch an seiner Schürze.

„Gut.“

„Sehr gut. Aber vollständig.“

Waschbär schwamm vorbei und sagte: „Kroko riecht wie eine ganze französische Küche.“

„Das ist ein Kompliment“, sagte Kroko.

„Noch“, sagte Uschi.


5) Zwangspause unter der Gartendusche

Am Nachmittag war der Braten fast fertig.

Die Sauce war dunkel und kräftig geworden, das Fleisch weich, und das Kartoffelgratin stand bereits im Ofen.

Lara probierte die Sauce.

„Noch etwas Säure.“

Kroko gab einen kleinen Spritzer dazu und kostete erneut.

„Jetzt.“

Beide standen nebeneinander vor dem Herd. Ihre Schürzen, Pfoten und sogar das Fell hatten den Duft von Wein, Knoblauch, Kräutern und Schmorgericht angenommen.

Uschi kam herein, noch mit einem Handtuch um die Schultern.

Sie blieb stehen.

„Ihr geht jetzt beide raus.“

Kroko sah sie an. „Essen ist fast fertig.“

„Es hat noch Zeit.“

„Warum?“

„Weil ihr riecht, als hättet ihr selbst im Topf gelegen.“

Lara begann zu lachen.

Kroko brummte.

Wenig später standen beide unter der Gartendusche.

Lara hielt zuerst die Arme und das Gesicht darunter, dann ging sie ganz ins Wasser. Kroko stellte sich widerwilliger unter den kühlen Strahl.

„Gut?“, fragte Uschi aus dem Pool.

Kroko schwieg einen Moment.

„Gut.“

Dann ging er ebenfalls kurz ins Becken.

Das Känguru beobachtete alles aus der Hängematte.

„Die Köche werden vor dem Verzehr dekontaminiert.“

„Erfrischt“, sagte Uschi.

„Das klingt freundlicher.“


6) Die letzten Handgriffe

Nach der Pause kehrten Kroko und Lara sauber, abgekühlt und deutlich weniger nach Küche riechend zurück.

Der Braten wurde aus dem Topf gehoben und durfte ruhen. Kroko passierte die Sauce, ließ sie noch etwas einkochen und gab schließlich ein kleines Stück Butter hinein.

Lara nahm das Kartoffelgratin aus dem Ofen. Die Oberfläche war goldbraun, darunter lagen weiche, cremige Schichten.

Die Bohnen wurden nur kurz gegart und mit Schalotten, Kräutern und etwas Zitronenschale vermischt.

Uschi deckte währenddessen draußen die lange Tafel.

Der neue Blumenstrauß der Füchsin stand in der Mitte. Dazu kamen Stoffservietten, Wasserkaraffen und ein wenig Wein.

Der Hai sah auf die Anordnung.

„Sehr ausgewogen.“

„Optisch oder ernährungsphysiologisch?“, fragte Lara.

„Beides.“

Waschbär stand neben dem Braten und sah zu, wie Kroko ihn anschnitt.

„Er ist wirklich den ganzen Tag kleiner geworden.“

„Er ist gar“, sagte Kroko.

„Meine Beschreibung war poetischer.“


7) Ein französischer Sonntagabend

Am Abend saßen alle an der Tafel.

Kroko legte jedem eine Scheibe Braten auf den Teller, dazu Sauce, Kartoffelgratin und Bohnen.

Der Duft war kräftig, aber nicht schwer. Die Kräuter waren deutlich, der Lavendel nur ganz entfernt zu bemerken.

Lara nahm den ersten Bissen und nickte.

„Genau richtig.“

Kroko probierte ebenfalls.

„Ja.“

Odin aß langsam und sagte schließlich: „Sehr gut.“

Der weiße Tiger ergänzte: „Die Sauce ist ausgezeichnet.“

Das Känguru betrachtete seinen Teller.

„Ein Essen, das sich der Beschleunigung verweigert.“

„Es hat lange geschmort“, sagte der Hai.

„Das meinte ich.“

Waschbär probierte das Gratin und schloss kurz die Augen.

„Das ist weich in mehreren Ebenen.“

Stinkerle sah ihn an. „Kartoffeln.“

„Auch.“

Die Küchenkatzen lagen inzwischen unter dem Tisch. Minimaler Positionswechsel: sehr nah an den Braten, mit professionell unauffälliger Haltung.


8) Das Wochenende klingt aus

Später wurden die Teller leerer und die Gespräche ruhiger.

Über dem Garten lag milde Abendluft. Der Pool glitzerte dunkel, die Gartendusche tropfte noch ein wenig, und aus der Küche kam nur noch der schwache Duft der Sauce.

Kroko saß endlich selbst zurückgelehnt am Tisch.

„Langer Tag“, sagte Lara.

„Guter Tag“, sagte Kroko.

Uschi sah zu beiden. „Und ihr riecht wieder normal.“

Kroko hob eine Augenbraue.

„Fast normal“, ergänzte sie lächelnd.

Das Känguru lehnte sich zufrieden zurück.

„Ein Sonntag mit Schmorgericht ist ein stiller Protest gegen die Hast.“

Der Hai antwortete: „Oder einfach ein Verfahren mit langer Garzeit.“

„Du nimmst allem den politischen Glanz.“

Mozart sah über die Tafel, zum Blumenstrauß und hinaus in den Abend.

„Manche Sonntage brauchen Zeit,
damit sie ihren ganzen Duft entfalten.
Ein Topf auf kleiner Flamme,
Kräuter aus dem Garten,
ein Hauch Lavendel
und zwei Köche,
die irgendwann selbst nach Provence riechen.
Wer lange für andere kocht,
darf zwischendurch ins kühle Wasser.
Und wenn am Abend alle gemeinsam essen,
ist das Wochenende nicht plötzlich vorbei –
es wird nur langsam
und zufrieden zu Ende geschmort.“