1) „Dann verkaufen wir es eben“
Am Donnerstagmorgen standen die Sachen aus den drei Abstellräumen noch immer ordentlich sortiert im Obergeschoss.
Einige Lampen.
Ein kleiner Beistelltisch.
Dekoration.
Ein kaum benutztes Regal.
Mehrere ältere, aber gute Haushaltsgegenstände.
Uschi sah auf den Stapel.
„Wir wollten das doch verkaufen.“
Der weiße Tiger nickte.
„Online wäre möglich.“
Waschbär kam dazu.
„Oder Flohmarkt.“
Stinkerle sah ihn an.
„Wo?“
Waschbär zeigte nach draußen.
„Hier.“
Kurze Stille.
Dann sagte der Hai:
„Ein Hofflohmarkt wäre organisatorisch machbar.“
Das genügte.
Innerhalb von zehn Minuten war aus einer beiläufigen Idee ein Projekt geworden.
„Sonntag“, sagte Uschi.
„Dann haben die Leute Zeit.“
Der Hai öffnete bereits ein neues Dokument.
„Wir brauchen Uhrzeit, Adresse, Hinweis auf wetterabhängige Durchführung, grobe Kategorien—“
Waschbär zog einen Stift hervor.
„Und einen schönen Titel.“
2) Drei Tiere und ein Flyer
Hai, Stinkerle und Waschbär setzten sich an den großen Tisch.
Der Hai kümmerte sich um Informationen.
Stinkerle um Lesbarkeit und Druckformat.
Waschbär um alles, was nach Gestaltung aussah.
Nach zehn Minuten stand oben:
HOFFLOHMARKT AM FLANELLWEG
Darunter:
Sonntag – Schönes, Nützliches, Kurioses und Dinge mit Geschichte
Der Hai strich „Kurioses“ durch.
Waschbär schrieb es wieder hin.
„Wir haben ein Klavier unter Kisten gefunden.“
„Das Klavier wird nicht verkauft.“
„Trotzdem ist es kurios.“
Stinkerle schob beide etwas auseinander.
„Der Flyer muss auf A5 lesbar sein.“
Der Hai ergänzte sachlich:
Haushalt • Deko • kleine Möbel • Lampen • Verschiedenes
Waschbär setzte daneben eine kleine gezeichnete Sonnenblume.
Dann noch eine Kiste.
Dann einen sehr kleinen Waschbären hinter einem Verkaufstisch.
„Zu verspielt“, sagte der Hai.
Stinkerle sah drauf.
„Geht noch.“
Der Hai seufzte.
3) Odin organisiert den Bollerwagen
Odin betrachtete den fertigen Flyer.
„Schick mir den.“
Der Hai tat es.
Wenig später war er in der örtlichen Katzengruppe geteilt.
Sonntag Hofflohmarkt am Flanellweg. Einiges aus Haushalt und Abstellräumen. Kommt vorbei.
Mehr brauchte Odin nicht.
Dann nahm er einige ausgedruckte Exemplare.
„Björn.“
Kroko rief aus der Küche:
„Baguette.“
„Auch.“
Vor der Tür stand noch immer der geliehene Bollerwagen vom Wochenmarkt.
Uschi sah ihn an.
„Der muss auch zurück.“
Odin nickte.
„Ist geklärt.“
„Wie?“
„Der Bauer kommt später zu Björn. Ich lasse den Wagen dort.“
Lara musste lachen.
„Natürlich hast du das schon abgeklärt.“
„Gestern.“
„Mit wem?“
„Beiden.“
Typisch Odin.
4) Bei Björn läuft alles zusammen
Bei Björn stellte Odin den Bollerwagen neben den Hintereingang.
„Der wird abgeholt.“
Björn nickte.
„Vom Bauern. Weiß Bescheid.“
„Gut.“
Dann legte Odin die Flyer auf den Tresen.
„Sonntag.“
Björn nahm einen.
„Hofflohmarkt?“
„Ja.“
„Was habt ihr denn alles?“
Odin überlegte.
„Viel.“
„Sehr genaue Beschreibung.“
„Reicht.“
Björn stellte einen kleinen Stapel direkt neben die Kasse.
„Die gehen bestimmt weg.“
Dann packte er mehrere frische Baguettes ein.
Knusprige Kruste.
Noch leicht warm.
Odin nahm zusätzlich zwei kräftigere Stangen mit.
„Kroko grillt?“
„Ja.“
Björn grinste.
„Dann braucht er genug.“
Odin nickte.
Bevor er ging, blieb er natürlich noch eine Weile stehen und redete.
Über den Flohmarkt.
Über den Bauern.
Über das Wetter.
Und darüber, dass der Sommer langsam wirklich in Richtung Ende ging.
5) Im Garten wird Knoblauch geerntet
Zu Hause hatte Kroko inzwischen einen ganz anderen Plan.
„Noch einmal richtig grillen.“
Der Hai sah aufs Wetter.
„Die nächsten Tage werden tatsächlich unbeständiger.“
„Und fast September“, sagte Kroko.
Uschi ging mit ihm in den Garten.
Dort war der selbst gezogene Knoblauch inzwischen erntereif.
Die Blätter waren teilweise eingezogen und trocken geworden.
Kroko zog vorsichtig eine Knolle aus der Erde.
Weiße Haut.
Kräftige Zehen.
Er roch daran.
„Gut.“
Waschbär kam dazu.
„Selbst gemacht.“
„Gewachsen“, sagte Uschi.
„Fast dasselbe.“
Sie ernteten mehrere Knollen und legten einen Teil zum Trocknen beiseite.
Einige Zehen kamen sofort in die Küche.
6) Marinaden und Spieße
Kroko bereitete das Fleisch selbst vor.
Eine Marinade mit Öl, frischem Knoblauch, Rosmarin, Thymian, Pfeffer und etwas Zitronenschale.
Eine zweite etwas würziger mit Paprika und Kräutern.
„Nicht zu viel Säure“, sagte er.
Der Hai nickte.
„Sonst verändert sich die Oberfläche zu stark.“
Kroko sah ihn an.
„Ja.“
Für die Gemüsespieße schnitten Lara und Stinkerle Zucchini, Paprika, rote Zwiebeln und Pilze.
Waschbär steckte sie auf.
Zumindest versuchte er es in Farben zu sortieren.
„Rot, grün, gelb, braun.“
Stinkerle sah auf einen Spieß.
„Du hast drei Paprika hintereinander.“
„Künstlerische Freiheit.“
Die Spieße bekamen Öl, Knoblauch, Kräuter und etwas Salz.
Dann durften auch sie ziehen.
7) Das Knoblauch-Kräuterbaguette
Aus Björns frischem Baguette machte Kroko das vielleicht beste Nebenprodukt des Abends.
Uschi hackte Petersilie, Schnittlauch und etwas Thymian aus dem Garten.
Kroko zerdrückte den frischen Knoblauch mit Salz zu einer feinen Paste.
Dann Butter.
Kräuter.
Etwas Zitronenschale.
Schwarzer Pfeffer.
Alles wurde vermischt.
Die Baguettes schnitt Kroko schräg ein, ohne sie ganz durchzutrennen.
In jede Öffnung kam Kräuterbutter.
Waschbär stand daneben.
„Mehr.“
„Genug.“
„Ein bisschen mehr.“
Kroko gab tatsächlich noch etwas dazu.
„Jetzt genug.“
Die Brote wurden eingewickelt und später am Rand des Grills erwärmt.
Der Duft allein reichte, um das Känguru aus der Hängematte zu locken.
8) Uschis Salat und der große Grill
Uschi machte einen großen Salat.
Grüne Blätter.
Tomaten aus dem Garten.
Gurke.
Radieschen.
Etwas Paprika.
Dazu ein leichtes Dressing mit Kräutern und Senf.
„Nicht zu schwer“, sagte sie.
„Wir haben genug vom Grill.“
Dann wurde angefeuert.
Das Fleisch kam auf den heißen Rost.
Es zischte sofort.
Die Gemüsespieße daneben.
Kroko arbeitete ruhig und konzentriert.
Das Knoblauchbaguette wurde warm und leicht knusprig.
Der weiße Tiger kam aus dem Büro.
„Das riecht bis oben.“
„Absicht“, sagte Kroko.
Odin war inzwischen zurück.
„Bollerwagen weg.“
Uschi nickte zufrieden.
„Gut.“
„Flyer bei Björn.“
„Auch gut.“
„Katzengruppe reagiert.“
Der Hai sah sofort auf.
„Wie viele?“
Odin nahm sein Smartphone heraus.
„Einige.“
9) Ein langer Spätsommerabend
Am Abend saßen alle draußen.
Das Fleisch war saftig und würzig.
Die Gemüsespieße hatten leichte Röstaromen.
Das Baguette war außen knusprig, innen weich und voller Kräuterbutter.
Waschbär biss hinein.
„Das ist gefährlich gut.“
Kroko nickte.
„Frischer Knoblauch.“
Uschi nahm Salat.
Lara ein Stück Gemüse.
Das Känguru hob sein Glas.
„Auf den letzten großen Grillabend vor der meteorologischen Unsicherheit.“
Der Hai sah es an.
„Es wird nicht plötzlich Herbst.“
„Fast September.“
„Das ist ein Datum.“
„Und eine Stimmung.“
Mozart lächelte.
„Diesmal verstehe ich beide.“
10) Der Flohmarkt spricht sich herum
Als es dunkler wurde, nahm Odin noch einmal sein Smartphone.
„Nachrichten.“
Alle sahen zu ihm.
„In der Katzengruppe haben mehrere geschrieben, dass sie Sonntag vorbeikommen wollen.“
Waschbär strahlte.
„Wirklich?“
Odin nickte.
„Einer sucht Lampen. Eine andere Deko. Zwei wollen einfach schauen.“
Der Hai wurde sofort organisatorisch.
„Dann brauchen wir ausreichend Wechselgeld.“
Stinkerle ergänzte:
„Tische.“
Uschi:
„Preisschilder.“
Waschbär:
„Dekoration.“
Der Hai:
„Nicht zu viel.“
Dann vibrierte Odins Smartphone erneut.
Er las.
„Björn.“
„Was schreibt er?“, fragte Lara.
„Die Flyer sind fast alle weg.“
Für einen Moment sahen sich alle an.
Der kleine Hofflohmarkt war plötzlich weniger klein.
Waschbär grinste.
„Dann brauchen wir vielleicht noch welche.“
Der Hai stand bereits auf.
„Ich drucke nach.“
Mozart betrachtete den Garten, den Grill und die letzten warmen Lichtreste des Tages.
Dann schrieb er:
„Manche Sonntage beginnen schon am Donnerstag.
Mit einem Blatt Papier,
einem geliehenen Bollerwagen,
einem Bäcker, der Flyer auslegt,
und Nachrichten, die sich durchs Dorf bewegen.Dazwischen wächst Knoblauch im eigenen Garten,
Fleisch zieht in Kräutern,
Brot wird warm
und ein Sommerabend riecht noch einmal
ganz deutlich nach Grill und Erde.Vielleicht ist das der schönste Übergang zwischen Jahreszeiten:
wenn man merkt, dass etwas langsam endet,
und deshalb nicht traurig wird,
sondern noch einmal einen großen Tisch deckt
und schon Pläne für Sonntag macht.“