1) Der Rasen ist wieder da
Am Dienstagmorgen stand das Mähschaf im Terrassenhafen.
Vor ihm lag der Garten.
Grüner als noch vor zwei Wochen.
Nicht perfekt.
Nicht wie im Frühsommer.
Aber deutlich dichter.
Der Hai hatte recht behalten: Die Kombination aus Regen, regelmäßiger Beregnung und weniger extremer Hitze hatte dem Rasen sichtbar geholfen.
Das Mähschaf fuhr los.
„Alles gut.“
Auf der anderen Seite der Grundstücksgrenze setzte sich fast gleichzeitig Raseline in Bewegung.
„Morgen.“
„Morgen.“
Beide begannen ihre Bahnen.
Der Tag konnte starten.
2) Morgendliche Hindernisse
Das erste Hindernis war Waschbär.
Er rannte quer über den Rasen.
Dann zurück.
Dann noch einmal.
Das Mähschaf stoppte.
Waschbär stoppte ebenfalls.
Beide standen sich gegenüber.
„Oh.“
Das Mähschaf wartete.
Waschbär ging einen Schritt nach links.
Das Mähschaf fuhr an.
Waschbär ging ebenfalls nach links.
Beide stoppten wieder.
„Wir tanzen.“
„Arbeite.“
Waschbär lachte und sprang endlich zur Seite.
Das Mähschaf fuhr weiter.
Auf der Nachbarwiese meldete Raseline:
„Bei mir ruhig.“
„Hier Waschbär.“
„Verstanden.“
Das war offenbar Erklärung genug.
3) Stinkerle und der Schuppen
Später kam Stinkerle aus dem Haus.
Werkzeug in der Hand.
Er ging zum Schuppen.
Dann zurück.
Dann wieder zum Schuppen.
Das Mähschaf musste zweimal seine Route ändern.
Beim dritten Mal blieb es stehen.
Stinkerle sah hin.
„Sorry.“
„Viel Verkehr.“
„Ich brauche nur noch eine Kiste.“
Er verschwand im Schuppen und kam mit Schrauben, einer kleinen Holzplatte und einem Bohrer wieder heraus.
Waschbär folgte ihm.
„Was bauen wir?“
„Noch nichts.“
„Dann könnten wir was bauen.“
Das Mähschaf fuhr weiter.
Raseline meldete von nebenan:
„Bei mir Vogel.“
„Bei mir Stinkerle.“
„Auch gut.“
4) Uschi am Kräuterbeet
Gegen Mittag war Uschi im Garten.
Sie schnitt etwas Petersilie, prüfte die Minze und entfernte trockene Blätter.
Das Mähschaf näherte sich langsam.
Uschi sah es.
„Hallo.“
„Hallo.“
„Alles gut heute?“
„Rasen besser.“
Uschi lächelte.
„Finde ich auch.“
Das Mähschaf fuhr an ihr vorbei und schnitt die Halme am Rand des Beets sauber zurück.
Uschi sah ihm nach.
„Sehr ordentlich.“
Das Mähschaf sagte nichts.
Aber es fuhr ein wenig gerader.
Nebenan hatte Raseline eine kleine Stelle mit höherem Gras erreicht.
„Viel Arbeit.“
„Hier auch.“
„Gut.“
5) Kroko beim Gemüse
Am frühen Nachmittag stand Kroko bei den Tomaten.
Er prüfte mehrere reife Früchte.
Dann die Paprika.
Dann eine Zucchini.
Das Mähschaf kam näher.
Kroko hob automatisch einen Fuß, damit es vorbeifahren konnte.
„Durch.“
Das Mähschaf fuhr darunter hindurch.
„Danke.“
Kroko sah auf.
„Bitte.“
Er pflückte zwei Tomaten.
Waschbär kam sofort.
„Für heute Abend?“
„Vielleicht.“
„Was gibt es?“
„Weiß ich noch nicht.“
Das Mähschaf war schon weiter.
Raseline meldete:
„Bei mir Balu.“
Auf der Nachbarwiese rannte der kleine weiße Hund kurz neben ihr her.
„Schnell.“
„Waschbär auch.“
„Ähnlich.“
6) Der Beregner
Am Nachmittag kam das Mähschaf an die Stelle, an der es vor einigen Tagen an einem Versenkregner hängen geblieben war.
Es wurde langsamer.
Sehr langsam.
Der Regner war vollständig eingefahren.
Der Begrenzungsdraht war korrigiert.
Alles war technisch sauber.
Trotzdem blieb das Mähschaf kurz stehen.
„Da.“
Raseline antwortete:
„Problemstelle.“
„Früher.“
Das Mähschaf fuhr einen kleinen Bogen.
Dann noch einen.
Schließlich direkt daran vorbei.
Nichts passierte.
„Gut.“
„Siehst du.“
Das Mähschaf fuhr weiter.
Ein klein wenig schneller.
7) Kleine Dinge im Gras
Ein Spätsommertag brachte allerlei mit sich.
Ein Blatt fiel vom Apfelbaum.
Das Mähschaf schob es ein Stück mit.
Ein kleiner Zweig lag im Weg.
Es stoppte.
Stinkerle kam später vorbei und hob ihn auf.
„Danke.“
„Gern.“
Raseline fand auf ihrer Wiese einen kleinen Tannenzapfen.
Sie umfuhr ihn großräumig.
„Hindernis.“
„Fest?“
„Ja.“
„Dann lassen.“
Ein Schmetterling setzte sich kurz auf das Gehäuse des Mähschafs.
Das Mähschaf blieb stehen.
„Besuch.“
Raseline:
„Schön.“
Der Schmetterling flog wieder weg.
„Weiter.“
8) Nachmittag im Garten
Später waren fast alle Tiere einmal draußen.
Lara brachte Uschi ein Glas Wasser.
Der weiße Tiger kam für fünf Minuten aus dem Büro.
Odin lief mit seinem Smartphone über die Terrasse.
Tigerlein nahm kurz Rasengeräusche auf.
Mozart setzte sich unter den Apfelbaum.
Das Känguru lag natürlich in der Hängematte.
„Ihr zwei seid erstaunlich produktiv“, rief es zu den Mährobotern.
Das Mähschaf fuhr weiter.
Raseline ebenfalls.
„Keine Antwort?“
Mozart lächelte.
„Vielleicht arbeiten sie.“
Das Känguru nickte.
„Eine interessante Haltung.“
9) Feierabendbahnen
Gegen Abend wurde das Licht wärmer.
Der Garten roch nach Gras, Kräutern und feuchter Erde.
Das Mähschaf fuhr seine letzten Bahnen.
Raseline ebenfalls.
Beide waren müde.
Soweit Mähroboter eben müde sein konnten.
„Heute gut“, sagte Raseline.
„Ja.“
„Rasen wieder schön.“
„Mehr Arbeit.“
„Auch schön.“
Das Mähschaf fuhr Richtung Terrassenhafen.
Raseline Richtung Ladestation.
Bevor sie sich trennten, blieben beide noch kurz an der Grundstücksgrenze stehen.
„Morgen.“
„Morgen.“
Dann fuhren sie weiter.
10) Alles gut
Später saßen die Tiere auf der Terrasse.
Kroko hatte aus dem frischen Gemüse eine leichte Pfanne gemacht.
Uschi brachte Kräuter dazu.
Waschbär erzählte irgendetwas von einem „Mähschaf-Tanz“ am Morgen.
Das Mähschaf stand bereits im Terrassenhafen.
Raseline war auf der Nachbarwiese verschwunden.
Der Hai sah auf den Rasen.
„Deutlich dichter.“
Stinkerle nickte.
„Die beiden haben gut zu tun.“
Mozart sah über die grüne Fläche und sagte:
„Ein Garten besteht nicht nur aus großen Geschichten.
Manchmal besteht er aus Bahnen.
Aus einem Blatt im Weg,
einem Schmetterling auf dem Gehäuse,
einem alten Regner, der nicht mehr gefährlich ist,
und einem kurzen Gruß über die Grundstücksgrenze.Während wir kommen und gehen,
reden, kochen, gießen und bauen,
ziehen andere ruhig ihre Linien durchs Gras.Und vielleicht ist genau das ein guter Spätsommertag:
Der Rasen wächst wieder,
Raseline ist nebenan,
das Mähschaf fährt nach Hause
und kann am Ende sagen:
›Alles gut.‹“