08. Dezember 2025 Schnee Winter 5 min

Montag im Schneegarten

Montag im Schneegarten

1) Ein Morgen, der nach Schneebau riecht

Der Montag begann hell. Nicht sonnig wie gestern, aber freundlich – so ein Wintertag, der einen kurz glauben lässt, man könne ihn anfassen. Im Garten lag der Schnee noch unberührt, nur ein paar Spuren vom Weg zum Terrassenhafen waren zu sehen. Mähschaf stand dort wie immer, leicht eingeschneit, und brummte zufrieden.

„Der Schnee ist noch gut“, sagte Odin beim ersten Blick hinaus.

„Gut wofür?“ fragte Kroko, obwohl er es natürlich schon wusste.

Waschbär sprang auf. „Für Kunst!“

Der Hai nickte. „Für Projekte.“

Uschi lächelte. „Für ein bisschen Kindheit, aber in erwachsen.“

Und damit war beschlossen: Heute wird gebaut.


2) Materialbeschaffung und der Hai-Plan

Bevor auch nur eine Schneekugel gerollt wurde, hatte der Hai schon einen Plan. Er stand im Flur mit Klemmbrett und Tablet und teilte den Garten in Zonen ein, als wäre es ein kleines Baugebiet.

„Hier: Schneemann-Hauptplatz. Dort: Schneetiere. Abstand zum Pooldeckel beachten. Rutschwege freihalten“, sagte er und machte einen Haken hinter „Sicherheit“.

Stinkerle brachte aus dem Keller einen Eimer mit alten Knöpfen, ein paar Karotten, Drahtreste und ein Stück Seil.
„Dekoelemente“, erklärte er. „Und ein bisschen Statik-Reserve.“

„Ich bringe Schals“, rief Uschi und verschwand kurz, um mit einer Handvoll bunter Stoffstücke wiederzukommen.

Waschbär tauchte mit zwei Kastanien auf. „Augen“, sagte er wichtig. „Kastanien haben Seele.“

Die Küchenkatzen setzten sich ans Fenster und schauten zu, als hätte man ihnen eine neue Staffel geliefert.


3) Der große Schneemann und seine bürokratische Würde

Draußen knirschte der Schnee unter den Pfoten. Die Luft war kalt genug, dass die Nasen prickelten, aber nicht so gemein, dass man sofort fliehen wollte. Alle halfen: Schneekugeln rollen, heben, stapeln.

Der erste Schneemann entstand erstaunlich schnell: ein großer Bauch, ein kleinerer Kopf, dann ein Schal.
Der Hai bestand darauf, dass die Basis „tragfähig und symmetrisch“ sei.
Waschbär bestand darauf, dass der Schneemann „Charakter“ brauche.

„Er braucht eine Nase“, sagte Uschi und steckte eine Karotte hinein.

„Er braucht auch… einen Ausdruck“, murmelte Waschbär und setzte Kastanien so, dass der Schneemann leicht nachdenklich wirkte.

Der Hai legte zwei Knöpfe an. „Uniform.“

„Das ist kein Beamter“, protestierte das Känguru, das inzwischen auch draußen war.

„Doch“, sagte der Hai. „Er trägt Knöpfe. Das ist eindeutig.“

Stinkerle befestigte mit Draht einen kleinen Stockarm, der aussah, als würde der Schneemann gleich eine Rede halten.

„Er hat jetzt eine Haltung“, sagte Stinkerle zufrieden.

Odin trat einen Schritt zurück. „Das ist ein würdevoller Schneemann“, stellte er fest. „Fast wie ein Dorfvorsteher.“


4) Schneetiere: Kunst, Chaos und überraschende Ähnlichkeit

Dann kamen die Schneetiere. Und damit begann der Teil, in dem der Garten kurz so wirkte, als hätte er eine Fantasieabteilung bekommen.

Waschbär baute als erstes… einen Schneewaschbären.
Er formte den Kopf, setzte kleine Ohren an, und malte mit einem Kohlestück eine Maske um die Augen.

„Das ist Selbstporträt, aber als Winterwesen“, erklärte er.

„Das ist Narzissmus“, murmelte das Känguru, half aber trotzdem beim Schwanz.

Uschi baute ein Schneenilpferd.
Es war rund, freundlich, und hatte eine kleine Blume aus Papier, die sie oben drauf steckte.
„Das ist Uschi in Schneeform“, sagte Kroko anerkennend.

Stinkerle baute einen Schneehai – technisch beeindruckend, mit klarer Rückenflosse und sorgfältig geformten Zähnchen aus kleinen Eiszapfen, die er vom Terrassendach geholt hatte.

Der Hai sah das Werk an und wurde kurz still.
„Das ist… respektvoll“, sagte er schließlich. „Und leicht beunruhigend.“

Das Känguru formte erst gar nichts – es erklärte ausführlich, warum Schneemänner eine problematische Darstellung von Körpernormen seien.

Dann baute es, ganz nebenbei, einen Schneekänguru-Kopf mit erstaunlich perfekten Ohren.
„Das ist keine Zustimmung“, sagte es schnell. „Das ist nur… handwerkliche Argumentation.“

Sogar Kroko machte etwas: einen Schneekroko-Kopf mit breitem Maul.
„Ich wollte sehen, ob’s geht“, brummte er. „Geht.“


5) Ein Garten voller Winterwesen

Am Nachmittag stand der Garten plötzlich voll Figuren:
Der würdige Schneemann-Vorsteher mit Stockarm. Ein Schneewaschbär, der aussah, als plane er einen Streich. Ein sanftes Schneenilpferd. Ein Schneehai, der in der Nähe des Pools wachte wie ein Schutzgeist. Und ein Schneekänguru, das so tat, als wäre es zufällig entstanden.

Tigerlein lief mit seiner Kamera herum und nahm das Knirschen auf, das leise Lachen, die kurzen Kommentare. Lara spielte drinnen im Radio ein Stück, das klang wie Winterspaziergang in Musikform. Elise fuhr im Flur hin und her, als würde sie ungeduldig darauf warten, dass jemand wieder Krümel hineinträgt.

„Das Haus hat jetzt Außenpersonal“, stellte der Hai fest.
„Und zwar sehr sympathisches“, sagte Uschi.

Die Küchenkatzen schnurrten am Fenster – vermutlich Zustimmung. Oder sie fanden einfach nur die Bewegung draußen beruhigend.

Als es langsam dunkler wurde, stellten sie zwei kleine Laternen in Marmeladengläsern an den Rand der Terrasse, so dass die Schneewesen im warmen Licht schimmerten. Der Garten sah aus wie eine kleine, stille Ausstellung.


6) Kaminrückkehr und Mozarts Satz des Tages

Am Abend saßen sie wieder vor dem Kamin. Hände warm, Pfoten müde, Gesichter zufrieden. Draußen standen ihre Schneefiguren im Garten und hielten Wache über den Flanellweg, als wären sie Teil der Familie geworden.

„Morgen werden sie vielleicht anders aussehen“, sagte Uschi leise.
„Das ist okay“, meinte Odin. „Heute haben sie existiert.“

Tigerlein blickte zu Mozart. „Satz des Tages?“

Mozart sah in die Flammen, dann kurz durch das Fenster in den Garten, wo der Schnee im Laternenlicht weich glänzte.

Er sagte:

„Manchmal baut man aus Schnee

nur für einen Tag ein kleines Volk.

Und obwohl es schmelzen kann,

bleibt etwas davon:

das Lachen im Frost,

die Hände im Weiß –

und das Gefühl,

dass der Winter nicht nur Kälte ist,

sondern auch Form.“