08. August 2026 Sonnig Sommer 8 min

Odins Tortenstück und schwäbische Linsensuppe

Odins Tortenstück und schwäbische Linsensuppe

1) Ein Stück Torte für Björn

Am Samstagmorgen schnitt Odin ein ordentliches Stück Schwarzwälder Kirschtorte aus dem Rest im Kühlschrank.

Nicht zu klein.

Nicht zu groß.

Genau so, dass man die dunklen Böden, die Kirschfüllung, die Sahne und die Schokoladenraspeln gut erkennen konnte.

Der Hai sah zu.

„Transportbehälter dicht schließen.“

Odin setzte den Deckel auf die Dose.

„Ja.“

„Kühl halten.“

Odin legte einen kleinen Kühlakku dazu.

„Ja.“

Waschbär kam in die Küche.

„Wohin geht die Torte?“

„Zu Björn.“

„Als Geschenk?“

„Zum Probieren.“

Das Känguru hob aus der Hängematte die Stimme.

„Kulinarischer Wissenstransfer zwischen Flanellweg und Bäckerei.“

Odin nahm seine Tasche.

„Ich bin später zurück.“

Kroko sah auf die Dose.

„Sag ihm: Boden selbst gemacht.“

„Sage ich.“

„Und echte Kirschen.“

„Ja.“

„Und wenig Kirschwasser.“

Das Känguru rief: „Relativ wenig!“

Kroko schloss die Terrassentür.


2) Björn ist sehr angetan

In der Bäckerei war es noch ruhig.

Björn stand hinter dem Tresen und sortierte Brote ein, als Odin die Dose abstellte.

„Was hast du da?“

„Torte.“

Björn öffnete den Deckel und beugte sich näher.

„Schwarzwälder Kirschtorte.“

„Gemeinsam gemacht.“

Frau Biber kam aus der Backstube und betrachtete das Stück ebenfalls.

„Sehr schöne Schichtung.“

Björn schnitt es vorsichtig in zwei kleinere Teile. Beide probierten.

Erst sagte niemand etwas.

Dann nickte Björn langsam.

„Der Boden ist saftig.“

„Selbst gemacht“, sagte Odin.

„Die Kirschen sind gut gebunden.“

„Auch.“

Frau Biber probierte die Sahne.

„Nicht zu süß. Das ist wichtig.“

Björn nahm noch einen Bissen.

„Und das Kirschwasser ist genau richtig. Man merkt es, aber es erschlägt nichts.“

Odin nickte zufrieden.

„Kroko wird das hören wollen.“

„Unbedingt.“

Damit war die Torte offiziell von der Bäckerei anerkannt.


3) Von Kirschtorte zu Spätzle

Wie so oft blieb es nicht bei einem Thema.

Björn sprach zunächst über die Schwarzwälder Kirschtorte und darüber, wie unterschiedlich sie in Bäckereien gemacht wurde.

Dann kam er auf den Schwarzwald.

Dann auf Baden-Württemberg.

Dann auf schwäbische Küche.

„Spätzle“, sagte Björn. „Eigentlich müsste ich einmal ein passendes Brot zu Kässpätzle machen.“

Odin sah auf die Brotauslage.

„Kräftig.“

„Genau. Etwas mit guter Kruste.“

Frau Biber ergänzte: „Oder zu Linsen mit Spätzle.“

Björn hob sofort die Pfote.

„Linsensuppe! Mit Speck, Essig, Gemüse und richtig gutem Brot.“

Odin wurde aufmerksam.

„Linsensuppe.“

„Ein großer Topf“, sagte Björn. „Langsam gekocht. Am nächsten Tag fast noch besser.“

„Kroko kann das.“

„Dann nimm das hier.“

Björn legte ein kräftiges Bauernbrot auf den Tresen, dazu mehrere dunkle Brötchen und ein rustikales Mischbrot.

„Das hält gegen die Suppe.“

Odin nickte.

Die Idee war inzwischen vollständig angekommen.


4) Ein Strauß für den August

Auf dem Rückweg bog Odin erneut zu Fuchs & Flor ab.

Die Füchsin stand gerade vor dem Laden und ordnete neue Blumen.

„Schon wieder ein Überraschungsstrauß?“

Odin nickte.

„Für den August.“

Die Füchsin sah sich um.

Dann stellte sie einen Strauß zusammen, der nach spätem Sommer aussah:

kräftige Sonnenblumen,
kleine orangefarbene Blüten,
dunkelrote Dahlien,
violette Akzente,
etwas Hagebuttengrün
und lange, lockere Zweige.

„Noch hell“, sagte sie, „aber schon ein wenig satter als im Juli.“

Odin betrachtete den Strauß.

„Passt.“

„Besonderer Anlass?“

„Linsensuppe.“

Die Füchsin hielt kurz inne.

Dann lächelte sie.

„Das ist einmal ein ehrlicher Anlass.“

Odin nahm den Strauß und ging weiter.


5) Speck von Metzger Wolf

Bei Metzger Wolf legte Odin die Brottüte und den Blumenstrauß vorsichtig auf einen freien Platz.

„Heute wieder mediterran?“, fragte Wolf.

„Schwäbisch.“

„Was gibt es?“

„Linsensuppe.“

Wolf nickte sofort.

„Dann brauchst du Speck.“

Er zeigte Odin ein kräftiges Stück geräucherten Speck, dunkel am Rand und aromatisch im Duft.

„Der hier gibt Tiefe. Nicht zu viel, aber genug.“

Odin nahm ihn.

„Und etwas für Kroko.“

Wolf stellte noch eine kleine Auswahl zusammen: ein paar würzige Würste für später, etwas Schinken und ein Stück besonders guter geräucherter Bauch.

„Damit er wählen kann.“

Odin sah auf die Menge.

„Er wird sich freuen.“

Wolf packte alles ein.

„Linsen mit Speck, kräftigem Brot und vielleicht etwas Essig am Ende.“

Odin nickte.

„Björn sagte Ähnliches.“

„Björn redet viel über Essen.“

„Ja.“

„Du aber auch.“

Odin setzte seine Sonnenbrille auf.

„Manchmal.“


6) Kroko ist sofort überzeugt

Zu Hause öffnete Kroko die Tüten.

Zuerst das Brot.

Dann den Speck.

Dann die zusätzlichen Spezialitäten.

Er sah zu Odin.

„Linsensuppe?“

Odin nickte.

„Schwäbisch.“

Kroko legte sofort ein Schneidebrett bereit.

„Gut.“

Uschi kam mit Lara dazu.

„Oh, Linsensuppe“, sagte Uschi. „Die gab es früher oft.“

„Mit Spätzle?“, fragte Lara.

„Manchmal. Aber oft einfach mit Brot. Und danach Grießbrei.“

Kroko sah auf.

„Danach?“

Uschi nickte.

„Mit frischem Obst. Oder Kompott.“

Kroko merkte sich das.

Zunächst begann die Suppe.

Zwiebeln, Möhren, Sellerie und Lauch wurden fein geschnitten. Der Speck kam in den Topf und ließ langsam sein Aroma frei. Dann folgten Gemüse, Linsen, Brühe, Lorbeer und etwas Majoran.

Der Duft wurde schnell kräftig und warm.

„Nicht zu dick“, sagte Uschi.

„Noch nicht“, sagte Kroko.

Der Hai sah in den Topf.

„Die Linsen binden später zusätzlich.“

„Weiß ich.“

„Natürlich.“


7) Die große schwäbische Linsensuppe

Der Topf war deutlich größer geworden als geplant.

Kroko hatte großzügig gerechnet.

Sehr großzügig.

Die Linsen wurden weich, der Speck gab Rauch und Tiefe ab, das Gemüse blieb spürbar, und am Ende kam ein wenig Essig dazu.

Uschi probierte.

„Genau so.“

Lara nahm ebenfalls einen Löffel.

„Kräftig, aber nicht schwer.“

Kroko schnitt das Bauernbrot auf. Die Kruste knackte, das Innere war dicht und saftig.

Am Tisch bekam jeder eine große Schale.

Odin nahm Brot und viel Suppe.

Der weiße Tiger probierte langsam.

„Sehr gut.“

Das Känguru blies über den Löffel.

„Eine Suppe mit deutlicher sozialer Wärme.“

„Heiß“, sagte Stinkerle.

„Auch.“

Waschbär tunkte das Brot so tief hinein, dass es fast vollständig verschwand.

„Das Brot hält wirklich dagegen.“

„Hat Björn gesagt“, sagte Odin.

Uschi lächelte.

„Früher gab es so etwas wirklich regelmäßig. Ein großer Topf, alle wurden satt, und am nächsten Tag war noch etwas da.“

Der Hai sah zum Topf.

„Heute ist sehr viel da.“

Alle sahen hin.

Das stimmte.


8) Grießbrei mit frischem Obst

Nach der Suppe waren eigentlich alle satt.

Dann erinnerte Kroko sich an Uschis Satz.

„Grießbrei.“

Uschi sah ihn an.

„Jetzt noch?“

„Schnell.“

Er stellte Milch auf den Herd, gab eine Prise Salz, etwas Vanille und dann langsam den Grieß dazu.

Uschi bereitete währenddessen Obst vor:

Pfirsiche,
Beeren,
Aprikosen,
ein wenig Pflaume
und einige Trauben.

Lara gab etwas Zitronensaft darüber.

Der Grießbrei wurde cremig und weich. Kroko füllte kleine Portionen in Schalen, nicht zu groß.

„Nur probieren“, sagte er.

Waschbär nahm den ersten Löffel.

„Das ist warm und weich.“

„Grießbrei“, sagte Kroko.

Odin probierte mit Pfirsich.

„Gut.“

Der weiße Tiger kannte ihn offenbar kaum und betrachtete die Schale zunächst skeptisch.

Dann nahm er einen zweiten Löffel.

„Überraschend gut.“

Das Känguru gab Beeren darüber.

„Ein Dessert von großer sozialer Zugänglichkeit.“

„Es ist Milch mit Grieß“, sagte der Hai.

„Eben.“

Für einige Tiere war es neu, aber am Ende waren alle Schalen leer.

Uschi sah zufrieden aus.

„Genau so habe ich es in Erinnerung.“


9) Suppe für später

Am späten Abend stand der große Suppentopf noch immer halb voll in der Küche.

Kroko sah hinein.

„Zu viel.“

Der Hai schätzte die Menge.

„Deutlich zu viel für morgen.“

Stinkerle holte die Einmachgläser aus dem Keller. Uschi prüfte Deckel und Dichtungen. Lara beschriftete kleine Etiketten.

Die Suppe wurde noch einmal vollständig erhitzt, sorgfältig eingefüllt und fachgerecht eingekocht.

Waschbär schrieb auf ein Glas:

Spontane Linsensuppe – Notfall

Der Hai strich „Notfall“ durch.

„Vorrat.“

Waschbär schrieb darunter:

Vorrat für spontane Linsensuppenlagen

Das blieb.

Glas für Glas kam in den Keller.

Odin trug die letzten beiden hinunter. Kroko stellte sie ordentlich ins Regal.

„Jetzt reicht es eine Weile.“

„Bis jemand wieder auf schwäbische Ideen kommt“, sagte Lara.

Oben stand der Auguststrauß der Füchsin auf dem Tisch. Die Sonnenblumen leuchteten noch im Abendlicht, und vom Brot lag ein kräftiger Duft in der Küche.

Mozart sah auf die beschrifteten Gläser und sagte:

„Manche Ideen beginnen mit einem Stück Torte.
Dann führen sie über ein Gespräch beim Bäcker,
einen Strauß für den August,
ein Stück Speck
und einen sehr großen Topf.
Am Ende gibt es Suppe,
Erinnerungen, Grießbrei mit Obst
und Gläser für spätere Tage.
Gute Mahlzeiten enden nicht immer,
wenn der Tisch abgeräumt ist.
Manchmal warten sie im Keller darauf,
an einem kühlen Abend
noch einmal spontan zu werden.“