07. Februar 2026 Sonnig Winter 6 min

Odin und das „und mehr“ von Maus & Maus

Odin und das „und mehr“ von Maus & Maus

1) Winterluft und ein Plan, der nach Wärme riecht

Der Samstagmorgen hatte diesen feinen Frost, der die Welt schärfer aussehen lässt. Das Feld am Rand des Dorfs glitzerte, als hätte jemand Zucker darüber gestreut. Odin zog seinen Mantel an, setzte die Mütze auf und sah kurz zum Haus zurück, in dem es warm war – Kaminwärme, Teewärme, Familienwärme.

„Ich bin gleich wieder da“, sagte er in den Flur hinein.
Der Hai hob den Kopf. „Wohin?“
„Maus & Maus“, sagte Odin. „Fondue.“
Das Känguru, das gerade halb in der Hängematte hing, hob sofort die Pfote. „Fondue ist… kollektivistisch.“
„Fondue ist vor allem lecker“, brummte Kroko.
Uschi lächelte. „Und gemütlich. Nimm auch Gemüse im Kopf mit.“

Odin nickte. „Gemüse im Kopf ist immer gut.“


2) Maus & Maus: Ein Laden, der aus Käse besteht

Der Laden von Maus & Maus lag ein Stück entfernt, aber Odin ging gern. Er mochte diese Winterspaziergänge, bei denen die Gedanken ordentlich werden, ohne dass man sie sortieren muss.

Als er ankam, klingelte eine kleine Glocke über der Tür. Drinnen war es warm und roch nach… ja: Käse. Und zwar nach dem ernsthaften, guten Käse, der nicht fragt, ob man bereit ist.

Herr Maus und Frau Maus begrüßten ihn wie immer mit dieser Mischung aus Höflichkeit und Fachstolz, die nur Menschen (oder Mäuse) haben, die etwas seit Jahrzehnten wirklich gut machen.

„Ah, Odin!“, piepste Herr Maus. „Fondue?“
„Fondue“, bestätigte Odin zufrieden. „Schweizer, bitte.“

Während Frau Maus Käse aus dem Kühlbereich holte, sah Odin sich um. Regale voller Käse. Natürlich. Ein kleiner Tisch mit Käse. Ein Schild mit Käse. Und dann – ganz hinten – ein Regal, das aussah, als hätte jemand dort Dinge versteckt, die man nicht zu laut „und mehr“ nennt.

Odin trat näher.


3) Das Geheimnis vom „und mehr“

„Entschuldigung“, sagte Odin, „ich muss fragen… was ist eigentlich das und mehr?“
Frau Maus lächelte, als hätte sie diese Frage schon hundertmal gehört und jedes Mal ein bisschen genossen.

„Ach“, sagte sie, „das ist für die Menschen, die glauben, sie kämen nur wegen Käse… und dann merken, dass Käse Freunde hat.“

Sie zeigte auf das Regal.

Da standen: kleine Gläser mit Cornichons, Silberzwiebeln, winzige eingelegte Paprika, Muskat, Pfeffer-Mischungen, ein paar ungewöhnliche Senfe, und – Odin musste leise lachen – ein kleines Päckchen „Fondue-Gewürz, traditionell“ mit einer Maus im Trachtenjanker drauf.

„Das ist ja… charmant“, murmelte er.
Herr Maus nickte. „Käse braucht Begleitung. Sonst wird er arrogant.“

Odin betrachtete eine Flasche Kirschwasser, die so tat, als sei sie nur „Dekoration“, aber in Wahrheit eindeutig zum Fondue gehörte.

„Ihr verkauft Kirschwasser?“, fragte Odin trocken.
Frau Maus räusperte sich. „Nur… ganz wenig. Fürs Rezept.“
Odin grinste. „Natürlich. Fürs Rezept.“

Er nahm ein Glas Cornichons, ein Tütchen Gewürz, und – nach kurzem, moralisch geprüftem Zögern – eine kleine Flasche Kirschwasser „für die Vollständigkeit“.

„Der Hai hätte dazu eine Liste“, dachte Odin, „aber ich habe Erfahrung.“


4) Zwischenstopp bei Björn: Baguette, das noch warm ist

Auf dem Rückweg machte Odin den Bogen über die Hauptstraße, wo Björn, der Bäcker-Biber, bereits im Betrieb war – als hätte er nie frei und würde trotzdem gern.

Björn sah Odin und winkte sofort, die Mehlspuren auf seinem Fell wie ein Abzeichen. „Fondue-Tag?“
Odin hob die Käsetasche. „Fondue-Tag.“
Björn nickte ernst. „Dann brauchst du das hier.“

Er reichte ihm zwei Baguettes, so frisch, dass die Kruste leise knisterte. Der Duft stieg in Odins Gesicht wie eine Erinnerung an Sommerabende – nur eben wintertauglich.

„Und grüß die Runde“, sagte Björn. „Ich hoffe, sie tauchen ordentlich.“
„Wir tauchen mit Würde“, sagte Odin.


5) Fondue am Kamin: Gemüse, Brot und die schönste Langsamkeit

Am Abend war das Wohnzimmer ein kleines Fest. Der große Tisch stand bereit, der Kamin brannte, und der Fondue-Topf dampfte, als hätte er eine eigene Seele.

Kroko hatte den Topf aufgestellt wie ein Chef, der endlich seine Bühne bekommt. „So“, sagte er, „heute wird nicht gehetzt.“
„Heute wird getaucht“, sagte Waschbär ehrfürchtig.

Uschi brachte Schälchen: Paprika, Brokkoli, kleine Tomaten, Champignons, Karotten, Gurkenstücke – alles so liebevoll vorbereitet, dass es fast aussah wie ein Blumenstrauß in essbar.

Der Hai saß dabei und machte sich, natürlich, Gedanken über Sicherheit. „Kein Tropfen auf die Tischdecke“, warnte er.
Das Känguru grinste. „Fondue ist die Revolution gegen trockene Nahrung.“
Mozart lächelte. „Und ein Gedicht über Geduld.“

Die Küchenkatzen lagen vor dem Kamin, schnurrten, beobachteten das Ganze wie Kritiker, die nicht essen müssen, um zu wissen, dass es gut ist. Minimaler Positionswechsel: näher an den Tisch, aber noch im Warmbereich.

Dann begann das Tauchen.

Baguette in Käse. Gemüse in Käse. Ein bisschen drehen, damit nichts tropft. Ein bisschen pusten, weil man sich sonst die Zunge verbrät – was der Waschbär natürlich einmal testete.

„Heiß!“, quietschte er und wedelte dramatisch.
„Das ist kein Drama“, sagte der Hai. „Das ist Physik.“
„Physik kann dramatisch sein“, sagte Waschbär.

Odin saß ruhig da, sah in die Runde, und man merkte: Er hatte nicht nur Käse geholt. Er hatte einen Abend geholt.


6) Das „und mehr“ wird zum Thema des Abends

Irgendwann stellte Odin die kleinen Gläser auf den Tisch. Cornichons. Silberzwiebeln. Die Gewürzmischung. Und – ganz unschuldig – die kleine Flasche Kirschwasser.

Uschi hob eine Augenbraue. „Odin…?“
Odin räusperte sich. „Das ist… das und mehr.“
Kroko lachte. „Aha! Ich wusste es!“
Das Känguru beugte sich vor. „Ist das politisch?“
„Nein“, sagte Odin. „Das ist traditionell.“

Sie probierten: ein bisschen Cornichon nach dem Käse, ein bisschen Silberzwiebel als Kontrast, ein Hauch Gewürz. Alles passte. Alles machte das Fondue runder, tiefer, reicher. Wie ein Gespräch, in dem nicht nur einer redet.

„Das ist wirklich… und mehr“, sagte Lara leise, und man hörte ihr an, dass sie am liebsten dazu ein Radiostück machen würde.

Mozart nickte. „Manchmal ist das Mehr nur eine kleine Begleitung. Aber genau sie macht es vollständig.“


7) Mozarts Satz des Tages

Als die Schälchen leerer wurden und die Decken näher rückten, sagte Mozart, warm und ruhig:

„Ein guter Winterabend
braucht nicht viel:
ein Feuer,
ein Topf,
und Hände, die sich Zeit lassen.
Und manchmal bedeutet ‘und mehr’
nur dies:
Dass man zusammen bleibt,
bis es wirklich warm ist.“