23. Mai 2026 Sonnig Frühling 7 min

Der Pool erwacht aus dem Winter

Der Pool erwacht aus dem Winter

1) „Jetzt ist es warm genug“

Der Samstag begann so warm, dass selbst Kroko beim ersten Kaffee die Terrassentür offen ließ. Die Luft war weich, fast schon sommerlich, und der Garten wirkte prall vor Leben. Die Vögel fütterten noch immer ihren Nachwuchs, Mähschaf und Raseline brummten in ihren Bahnen, und das Känguru lag schon früh in der Hängematte, als hätte es dort überwintert.

Der Hai stand vor der Wetterstation. „Die Prognose bleibt stabil warm.“

„Wie warm?“, fragte Waschbär.

„Warm genug“, sagte Uschi, die gerade nach draußen blickte.

Alle drehten sich zu ihr um.

„Für den Pool“, ergänzte sie.

Da war kurz Stille – nicht weil jemand dagegen war, sondern weil die Idee auf einmal groß im Raum stand. Der Pool. Den ganzen Winter über war er abgedeckt, ordentlich gesichert, vor einigen Monaten schon einmal gründlich geprüft und von grobem Schmutz befreit worden. Doch jetzt war es etwas anderes. Jetzt ging es nicht mehr um Schutz. Jetzt ging es um Rückkehr.

Stinkerle richtete sich sofort auf. „Dann machen wir heute Poolstart.“

Der Hai nickte. „Sinnvoll. Vor Befüllung: Reinigung, Sichtprüfung, Technikcheck.“

Das Känguru rief aus der Hängematte: „Der Sommer wird verwaltungstechnisch freigegeben!“

Kroko brummte: „Solange später gegrillt wird.“

„Natürlich“, sagte Uschi.

Damit war der Tag entschieden.


2) Die Abdeckung kommt runter

Sie gingen zusammen in den Garten. Der Pool lag noch still unter seiner Abdeckung, ein wenig wie ein schlafendes Tier. Die Sonne stand bereits hoch genug, dass die Plane leicht warm war, doch an den Rändern hatten sich Blätter, Staub und kleine Spuren des langen Winters gesammelt.

„Er sieht aus, als würde er beleidigt warten“, sagte Waschbär.

„Er sieht aus wie ein abgedeckter Pool“, sagte der Hai.

Stinkerle löste vorsichtig die Befestigungen. Der Hai stellte sich auf die andere Seite, damit alles gleichmäßig bewegt wurde. Kroko half mit, weil die Plane schwerer war als sie aussah. Waschbär wollte ebenfalls ziehen, geriet aber zunächst mehr ins Tuch als an das Tuch.

„Ich bin Teil des Systems“, erklärte er, halb unter einer Ecke.

„Du bist im Weg“, sagte Kroko.

Lara lachte vom Terrassenrand. Uschi stand mit einem Korb bereit, um lose Verschmutzungen direkt aufzunehmen. Tigerlein hielt einige Momente mit der Kamera fest – die ziehende Plane, das erste Glitzern darunter, Waschbärs dramatischen Kampf mit einer Falte.

Als die Abdeckung endlich beiseite war, kam der Pool zum Vorschein. Nicht schlimm. Aber eben wintermüde. Am Boden lagen hier und da feine Ablagerungen, an den Rändern hatten sich kleine Schmutzlinien gebildet, und die Wände wirkten, als hätten sie einmal mit einem Tuch freundlich angesprochen werden wollen.

„Besser als befürchtet“, sagte der Hai.

„Dank unserer Aktion vor ein paar Monaten“, sagte Stinkerle stolz.

Uschi nickte. „Aber ein bisschen Zuwendung braucht er noch.“


3) Putzen, prüfen, verbessern

Von da an arbeitete jeder dort, wo es passte.

Stinkerle prüfte Anschlüsse, Filtertechnik und Schläuche. Er kniete sich zu den Technikboxen, öffnete, leuchtete hinein, zog an einer Verbindung, nickte, schraubte minimal nach und murmelte gelegentlich: „Gut. Das ist gut.“

Der Hai hatte eine kleine Liste auf dem Tablet. „Ablauf frei. Einlauf prüfen. Dichtungen visuell unauffällig. Leiter?“

„Kommt gleich“, sagte Stinkerle.

„Bitte vor Befüllung.“

„Ja, Hai.“

Waschbär bekam eine weiche Bürste und durfte die Poolränder schrubben. Zunächst tat er es mit großem Pathos, dann entdeckte er, dass es tatsächlich befriedigend ist, eine schmutzige Linie Stück für Stück verschwinden zu sehen.

„Das ist wie Malen, nur rückwärts“, sagte er.

„Putzen“, sagte Kroko.

„Rückwärtsmalen“, beharrte Waschbär.

Uschi kümmerte sich um die kleinen Details: Sie wischte die Leiter sauber, sammelte Laub am Rand auf, stellte später schon einmal die Sitzkissen für die Terrasse bereit und achtete darauf, dass niemand in seiner Begeisterung das Beet nebenan zertrat.

Lara brachte immer wieder Wasser und Tee heraus. „Ihr arbeitet, als wäre der Pool morgen königlich zu eröffnen.“

„Wird er ja“, sagte Waschbär.

„Wird er nicht“, sagte der Hai.

„Innerlich schon“, sagte Uschi.

Das Känguru kommentierte aus der Hängematte. „Man beachte: Die gemeinschaftliche Infrastruktur wird instand gesetzt. Das ist gelebte Solidarität.“

„Du könntest helfen“, rief Stinkerle.

„Ich trage zur geistigen Orientierung bei.“

„Hilft kaum gegen Schmutz.“

„Das ist eine materialistische Sichtweise.“


4) Kleine Winterspuren

Je genauer sie arbeiteten, desto mehr fanden sie die typischen Kleinigkeiten, die ein Winter hinterlässt. Eine kleine Stelle an der Plane musste später geflickt werden. Ein Randstück hatte sich minimal verzogen. In einer Ecke war etwas mehr Schmutz hängen geblieben, als Waschbär akzeptieren wollte.

„Nein“, sagte er plötzlich.

„Was?“, fragte Lara.

„Diese Ecke bleibt nicht so.“

Er kniete sich hin und schrubbte mit solcher Hingabe, dass selbst der Hai anerkennend nickte. „Gründlich.“

„Ästhetisch notwendig“, sagte Waschbär.

Kroko fand schließlich die Grillzange in einer Kiste mit Poolzubehör, weil jemand sie im Herbst dort „kurz“ abgelegt hatte.

Er hielt sie hoch. „Wer war das?“

Niemand antwortete.

Der Hai sah auf seine Liste. „Nicht protokolliert.“

„Dann wahrscheinlich Waschbär“, sagte Kroko.

„Oder ein sehr grillfreudiger Poolgeist“, sagte Waschbär.

Uschi lachte. „Heute wird sie jedenfalls richtig benutzt.“


5) Bereit zum Befüllen

Am späten Nachmittag standen sie alle am Poolrand. Er war sauber. Die Leiter war montiert. Die Technik war geprüft. Die Schläuche lagen bereit. Die Plane war gefaltet und zur Seite gebracht. Nichts war bereits gefüllt – das sollte in Ruhe passieren –, aber alles war vorbereitet.

Der Hai sagte mit echter Zufriedenheit: „Poolbetrieb saisonal vorbereitet.“

Stinkerle klopfte sich die Pfoten ab. „Er kann Wasser.“

Waschbär sah hinein, als wäre der leere Pool bereits voller Spiegelungen. „Morgen sieht das hier ganz anders aus.“

„Nicht morgen zwingend“, sagte der Hai. „Befüllzeit, Wasserpflege—“

„Er meint emotional“, sagte Lara.

„Dann ja“, sagte der Hai.

Uschi stand neben dem Pool, die Hände locker ineinandergelegt, und sah sehr glücklich aus. „Ich freue mich so auf die warmen Tage.“

Odin, der inzwischen vom kleinen Spaziergang zurück war, blickte in die Runde. „Dann war heute ein guter Anfang.“

Mozart nickte. „Manche Sommer beginnen nicht mit Baden. Sondern mit Vorbereiten.“


6) Grillabend auf der Terrasse

Und weil nach so einem Tag niemand mehr ein kompliziertes Abendessen brauchte, holte Kroko den Grill hervor. Nicht riesig, nicht festlich wie an Himmelfahrt, aber genau richtig: ein entspannter Samstagabend nach getaner Arbeit.

Uschi und Lara machten schnell einen frischen Salat. Odin brachte Brot aus der Küche. Der Hai räumte die letzten Arbeitsdinge ordentlich beiseite, damit die Terrasse wieder Terrasse sein durfte. Tigerlein stellte die Kamera weg – er hatte genug festgehalten.

Der Grill duftete, die Sonne stand tief, und der frisch gereinigte Pool lag daneben wie ein Versprechen. Noch leer, aber nicht mehr vergessen.

„Das sieht gut aus“, sagte das Känguru aus seiner Hängematte, ohne Anstalten zu machen, aufzustehen.

„Essen“, rief Kroko.

Das Känguru stand sofort auf.

Sie saßen zusammen auf der Terrasse, aßen, tranken, ließen den Tag langsam abfallen. Mähschaf stand bereits im Terrassenhafen, Raseline war auf der Nachbarwiese zur Ruhe gekommen. Die Vögel wurden stiller. Der Garten glühte im Abendlicht.

Waschbär sah zum Pool. „Morgen könnte man schon mit Wasser rechnen.“

„Morgen wird zunächst planvoll befüllt“, sagte der Hai.

„Also ja.“

Uschi lächelte. „Also ja.“


7) Mozarts Satz des Tages

Mozart sah vom Grill zum Pool und sagte:

„Ein Sommer kommt nicht immer plötzlich.
Manchmal liegt er den ganzen Tag
unter einer Plane,
wird freigelegt,
gereinigt,
vorbereitet.
Und wenn am Abend
noch kein Wasser glitzert,
aber alle schon wissen,
dass es bald soweit ist,
dann hat die neue Jahreszeit
längst begonnen.“