Der Entschluss
„Ich liebe sie alle“, sagte Uschi.
„Tief und von Herzen. Aber sie sind... laut.“
Mozart nickte, ohne aufzusehen.
Er las gerade in einem alten Buch über japanische Gartenkunst und strich sich bedächtig über den beigen Frottierstoff seines Bauchs.
„Ich habe es gestern gemessen. Der durchschnittliche Geräuschpegel im Wohnzimmer lag bei 74 Dezibel.“
„Wirklich?“
„Nein. Aber gefühlt.“
Uschi lachte leise. Dann wurde sie still.
„Kommst du mit? Einfach mal... weg?“
Mozart klappte das Buch zu.
„Ja.“
Ankunft am Badesee
Der Weg war schattig, kühl. Vögel sangen, als hätten sie nur für diese beiden einen privaten Konzertvertrag.
Der kleine See lag da wie ein vergessenes Schmuckstück – glatt, rund, still.
Uschi legte ihre pinken Flip-Flops sorgsam neben das Handtuch, breitete ein weiches Plaid aus und seufzte zufrieden.
Mozart stellte seine Thermoskanne mit Kräutertee neben sich, nahm das Buch wieder auf – diesmal eins über Stille in der Philosophie – und begann zu lesen.
Kein Hai, der Listen verlas.
Kein Känguru, das Flugblätter verteilte.
Keine Elise, die durch Limonade rollte.
Nur sie zwei.
Und das Wasser.
Langsames Treiben
Uschi glitt ins Wasser wie ein Lavendelblatt in lauwarme Teetasse.
Sie schwamm nicht, sie schwebte.
Mozart blieb am Ufer, beobachtete, schrieb mit einem Bleistift Gedanken in ein kleines Notizbuch.
„Ich frage mich“, sagte er irgendwann, „ob Wasser uns erinnert, wer wir sind.“
„Vielleicht“, sagte Uschi, „weil man sich darin nicht festhalten kann.“
Sie planschte sanft mit den Zehen.
„Oder weil es uns trägt, auch wenn wir nichts tun.“
„Eine tröstliche Metapher.“
„Oder einfach ein schöner See.“
Sie lächelten.
Picknick der Stille
Uschi hatte vorgesorgt.
Kalte Gurkensuppe in Gläsern mit Schraubdeckel.
Frische Beeren.
Zitronenkekse.
Und zwei dünne Scheiben selbstgemachter Zucchinikuchen.
Sie aßen langsam, ohne Eile, mit Blick auf die glitzernden Wellen.
Mozart trank seinen Tee.
Uschi cremte sich genüsslich mit Lavendelöl ein.
„Ich glaube, ich bin heute ein bisschen... gar“, sagte sie irgendwann.
„Gar wie durchgekocht?“
„Nein, gar wie vollkommen.“
„Ein schöner Zustand.“
Ein Gedanke für den Heimweg
Als die Sonne sank und der Schatten des Waldes länger wurde, sammelten sie ihre Dinge ein.
Langsam, fast widerwillig.
„Ich glaube, wir sollten das öfter tun“, sagte Uschi.
„Stille braucht Wiederholung, um Wirkung zu entfalten“, sagte Mozart.
„Oder einfach gute Gesellschaft.“
Auf dem Heimweg begegneten sie keinem einzigen Tier.
Nur einem Reh, das aus sicherer Entfernung zu ihnen blickte.
Und sie nickten ihm zu – langsam, wie es sich für so einen stillen Sonntag gehört.
Am Abend
Wieder zu Hause, im vertrauten Chaos aus Flip-Flops, Stofffäden, Pappbechern und Bastelresten, roch es nach Pizza, Lavendel und einem Hauch Apfelwein.
„Schon wieder laut“, murmelte Uschi.
„Ja“, sagte Mozart.
Dann lächelte er.
„Aber diesmal haben wir ein Echo der Stille im Herzen.“
Und während das Känguru im Wohnzimmer von neuen Protestplänen erzählte und Elise fröhlich gegen eine Socke prallte, saßen Uschi und Mozart einfach nebeneinander.
Ganz ruhig.
Ganz still.
Ganz sie selbst.