05. Oktober 2025 Windig Herbst 5 min

Sonntag mit Schnitzlicht – Uschis Kürbisrunde

Sonntag mit Schnitzlicht – Uschis Kürbisrunde

1) Morgen: Orange auf Bestellung

Der Sonntag kam mit grauer Freundlichkeit. Über dem Feld lag eine dünne Wolke, die der Garten kannte und mochte. Raseline blinkte ein waches E, das Mähschaf brummte eine kurze „Alles-gut“-Runde am Zaun.

„Kürbissonntag!“ rief Uschi und steckte die Blume fester ins Haar. In der Armbeuge trug sie ein Klemmbrett, das eindeutig vom Hai ausgeliehen war – nur stand darauf groß Spaßordnung.

Im Beet glänzten die Kürbisse wie kleine Monde, die jemand auf Orange gestellt hatte. „Der Große wird Lampe,“ entschied Uschi. „Die runden Kleinen sind Gesichter, und die langen werden Suppe.“

Der Hai kam mit Tablet, hob die Flosse und nickte mild: „Vermerk: Kürbiswerkstatt – freundlich. Stationen: Putzen, Aufzeichnen, Schnitzen, Licht.“

Stinkerle rollte den Werkzeugwagen heran. „Spezial: Stinkerles Kürbislampe 1.0 als Leihvorbild. Heute bauen wir Schwestermodelle. Kein Minzduft in der Nähe offener Schalen.“

Die Küchenkatzen bezogen ihre Fensterbankloge: links Tiger, rechts Leopard. Kuratoren für Konturen, flüsterte Lara und stellte das Radio auf Begleitung.


2) Werkstatt auf der Terrasse

Auf der Terrasse entstand in Minuten eine Manufaktur: Zeitungen auf den Tischen, Löffel, Schnitzmesser, Teelichter, Filzstifte. Der Waschbär malte Entwürfe – Sterne, Halbmonde, ein lächelnder Mund, der eher ein Geheimnis versprach als Zähne.

„Anreißen, nicht drängen,“ mahnte der Hai. „Kürbishaut ist Diplomatie.“

Kroko brachte eine Schüssel warmen Apfelpunsch. „Zum Durchhalten und Duften.“

Tigerlein stellte die Kamera auf Schulterhöhe, keine Großaufnahmen von Gematsche, nur Hände, die taten. „Podcast Bonus: Schnitzgeräusch.“

Uschi setzte den ersten Deckel an. Ein sanftes schub – der Duft stieg auf, süß und erdig zugleich. „Das riecht nach Geschichten“, sagte sie und löffelte Kerne in eine Schüssel. „Für den Ofen, später.“

Stinkerle spannte den LED-Ring in den großen Kürbis, legte Reflektorfolie an und strich die Lüftungsschlitze frei. „Wärmemanagement, Version 1.1. Die Luft soll atmen, nicht pusten.“

„Ich zeichne Augen, die zuhören,“ murmelte der Waschbär, „und Münder, die nicht schreien.“


3) Kleine Pannen, große Heiterkeit

Beim dritten Kürbis rutschte das Messer – der Mund bekam einen Übermutshaken. „Hoppla-Kunst,“ entschied der Waschbär sofort und ergänzte eine freche Augenbraue. Der Kürbis lachte jetzt mit.

Das Känguru versuchte sich an einem politischen Profil und endete bei einem Herz mit Blätterkrone.

„Solidarität, aber freundlich,“ kommentierte es und hielt den Kürbis hoch wie ein Banner, nur weicher.

Der Hai beugte sich über seine Schale mit Kernen. „Projekt: Kernarchiv.“ – „Nicht archivieren,“ schmunzelte Uschi, „rösten.“

Elise fuhr wagemutig unter den Tisch, blieb unbeeindruckt von Fäden und Flocken und zeichnete mit ihren Spurrädern zwei Halbkreise im Mehlstaub – als hätte sie auch geschnitzt, nur im Boden.

„Alarm,“ rief Stinkerle leise: Beim Mini-Modell flackerte die LED zu stark. Ein Dreh am Regler, ein neuer Abstandshalter – beruhigt. „Jetzt ist es ein Hallo, kein Gewitter.“

Der weiße Tiger prüfte die Standflächen: „Vier Millimeter nach links, dann kippt niemand.“ Der Leopard tippte derweil mit der Pfote das Honigglas auf dem Küchenbord einen Millimeter mittiger – Ordnung als zartes Geräusch.


4) Dämmerung mit Leuchtspur

Am frühen Abend standen sechs Kürbisse auf der Terrasse:

  • Der Große: warm, ruhig, mit sanften Augen (Stinkerle & Uschi)
  • Herzkrone: vom Känguru, solidarisch lächelnd
  • Sternenmund: Waschbärs Hoppla-Kunst, charmant schief
  • Komet & Fächer: Tigerleins Duo, grafisch, für die Podcast-Folge
  • Das Kleine: Mini-Licht für die Badewanne, mit zwei Pünktchen wie stille Gedanken
    Uschi zündete die Teelichter, Stinkerle startete den LED-Ring. Ein leises Knistern, ein klick, dann stand auf dem Tisch ein halbes Firmament in Orange.

Kroko servierte Kürbissuppe – samtig, mit einem Hauch Apfel und Zimt –, dazu Brot, Butter, geröstete Kerne aus der Ofenpfanne. „Probiert, bevor es nach Bad riecht,“ grinste er.

Raseline blinkte ein zufriedenes E–E aus dem Feld, das Mähschaf brummte seine Abendkurve. Der Freitonast machte ein einmaliges ding, als würde er „schön“ sagen.

„Wir tragen den Kleinen gleich hoch,“ sagte Uschi. „Er darf beim Baden Wache halten.“


5) Kerzen, Wasser, Satz für den Sonntag

Später war das Bad ein Inselzimmer: Kerzen am Rand, die Emaille wie Mond, Lavendel in der Luft. Uschi ließ das Wasser laufen, legte die Blume neben die Seife und stellte den Kleinen auf den Hocker. Sein Gesicht war mehr Flüstern als Lachen.

Sie sank ein, atmete, sah den Lichtpunkt als ruhigen Puls an der Wand. Im Flur hörte man die leise Welt: Elise parkte, die Küchenkatzen wechselten vom Fenster zur Teppichkante, der Hai strich einen Zettel fürs Findbuch glatt: Kürbissonntag – gemeinsam geschnitzt, Bad begleitet.

Lara notierte die Abmoderation im Kopf: Haus & Lauschen – Kapitel: Warmes Wasser, leises Licht. Tigerlein legte die Aufnahmen zu den Herbstfunk-Dateien. Stinkerle schrieb mit Filz auf die Werkbank Kürbislampe 1.1 – bewährt.

Mozart stand in der Tür, nicht nah, nur so, dass sein Satz die Fliesen erreichte. Er las den Tag leise ein:

Licht, das atmet, ist genug.

Ein Kürbis, der zuhört,

macht selbst Wasser zu Sprache.

Man taucht, und die Woche wird warm.

Uschi lächelte, hob die Pfote im Wasser und ließ sie wieder sinken. Draußen blinkte Raseline ein spätes E, das Mähschaf brummte alles gut. Die Kürbisse glühten noch ein wenig auf der Terrasse – und der Sonntag legte sich so rund in die Woche, wie nur orange Lichter das können.