Der Sonntag gehört Uschi
Der Sonntag gehörte traditionsgemäß Uschi.
Nicht im Sinne von Besitz, sondern im Sinne von Selbstfürsorge.
Während andere sich um To-Do-Listen oder Projekte kümmerten, gönnte sich Uschi:
Ein langes, duftendes Bad mit Lavendelöl, frische Gesichtsmaske, ein neues Buch, Sonnenhut, Sonnencreme, ein bisschen Schwimmen, ein bisschen Nickerchen, viel Wasser, viele kleine Wohlfühlmomente.
„Schönheit“, sagte sie immer, „kommt nicht von außen. Aber es hilft, wenn man sich von außen gut behandelt.“
An diesem Sonntag aber hatte sie noch einen weiteren Plan.
Einen kulinarischen.
Einen erfrischenden.
Einen… zitruslastigen.
Das Projekt: Perfekte Limonade
„Es kann doch nicht so schwer sein“, murmelte Uschi und stellte einen Korb voll Zitronen, ein Kännchen Honig, frische Minze, Zucker, Sprudelwasser und ein kleines Fläschchen mit Lavendel-Extrakt auf den Tisch.
Der erste Versuch war zu sauer.
Der zweite zu süß.
Der dritte schmeckte irgendwie… nach Badezimmerreiniger.
„Ich will doch nur diese eine perfekte Mischung“, seufzte Uschi. „Sonnig, frisch, leicht, nicht zu viel, nicht zu wenig.“
Das Känguru kam vorbei, probierte einen Schluck und verzog das Gesicht. „Schmeckt, als hätte Marx persönlich sie gepresst. Zu viel Disziplin.“
„Ich suche Harmonie, nicht Revolution“, entgegnete Uschi freundlich.
Unterstützung (oder so ähnlich)
Der Waschbär schlug vor, ein bisschen Kunstblut für Farbe hinzuzufügen.
„Das wäre avantgardistisch.“
Der Hai meinte, es gäbe bestimmt eine DIN-Norm für Limonadenverhältnisse.
Mozart nickte weise: „Geschmack lässt sich nicht normieren, sondern nur empfinden.“
Kroko brachte kurzerhand eine Zitrone in Form einer Orange aus dem Keller, die längst vergessen war.
„Man kann’s ja mal versuchen.“
Elise, der Saugroboter, rollte vorsichtshalber in den kühlen Flur.
Das Mähschaf beobachtete aus sicherer Entfernung durch die Terrassentür.
Das große Lachen beginnt
Bald war der ganze Tisch voller Gläser.
Einige klar, manche trüb, ein paar mit einem Hauch Lavendel, andere mit mehr Minze als erlaubt.
Uschi probierte. Die anderen probierten.
„Dieser hier schmeckt nach… Ferien in Italien“, meinte Lara.
„Und der hier nach Kindheit und Sonnencreme“, fand Tigerlein.
„Dieser hier schmeckt wie ein missglückter Versuch von Chemieunterricht“, sagte Kroko.
Sie lachten. Viel. Mehr, als es der Wissenschaft angemessen gewesen wäre.
Am Ende mischte Uschi einfach alles zusammen, gab noch eine Handvoll Eiswürfel hinein und einen frischen Zweig Minze obendrauf.
„Perfekt?“, fragte der Hai skeptisch.
„Perfekt“, nickte Uschi zufrieden. „Nicht wegen des Rezepts. Sondern wegen des Tages.“
Ein Sonntag, der bleibt
Am Nachmittag lagen alle im Garten.
Uschi sonnte sich in ihrem schönsten Badeanzug, eine kühlende Maske auf dem Gesicht, der große Sonnenhut tief im Gesicht.
Neben ihr das Glas Limonade.
Frisch. Fruchtig. Unwiederholbar.
„Der perfekte Sonntag“, murmelte sie zufrieden.
„Wie immer“, ergänzte Mozart von seinem Platz im Schatten. „Das Geheimnis liegt nicht im Zitronensaft, sondern darin, wie man den Tag genießt.“
Tigerlein speicherte die Limonaden-Folge für seinen Podcast unter:
‚Der Klang von Eiswürfeln und der Geschmack des Sommers.‘
Und niemand hatte etwas dagegen.