Ein Garten in Lila
Der Mittwoch begann so, wie ein Sommertag beginnen sollte: ruhig, warm, mit einem Himmel, der versprach, dass nichts eilig sein müsste.
Uschi stand schon früh im Garten. Ihre pinken Flip-Flops schmatzten leise im taufeuchten Gras, während sie prüfend zwischen ihren Lavendelbüschen hin und her ging.
„So schön seid ihr dieses Jahr“, sagte sie zärtlich zu den blühenden Pflanzen. „So ordentlich, so voll, so… vollkommen.“
Sie strich mit der Hand über die filigranen, lilafarbenen Blüten, die im sanften Wind wogten wie ein winziges Meer. Überall summten Hummeln.
Von Säckchen und Sirup
Auf dem Gartentisch hatte Uschi bereits alles vorbereitet: kleine Stoffsäckchen für getrocknete Blüten, ein Krug für Lavendelsirup, eine Schale mit Wasser, in der die frisch gepflückten Stängel später schwimmen sollten.
„Lavendel beruhigt“, murmelte sie, „macht das Leben leichter. Wenn man es lässt.“
Das Känguru kam kurz vorbei, schnupperte und zog eine Grimasse. „Riecht nach Seife. Ich bleib lieber beim Eistee.“
„Man muss es verstehen, nicht nur riechen“, lächelte Uschi.
„Ich muss erstmal gar nichts“, murmelte das Känguru und verschwand wieder Richtung Hängematte.
Lara und die Felder von einst
Am späten Vormittag kam Lara in den Garten. Sie setzte sich leise neben Uschi, betrachtete die lila Blüten, die summenden Hummeln, die schwebenden Schmetterlinge.
„Weißt du“, sagte Lara schließlich, „das erinnert mich an früher. An meine Zeit in der Provence. Ich war noch jung, hatte zu viel Energie für ein einzelnes Fell, und bin durch ganze Lavendelfelder gerannt, bis mir schwindelig war.“
Uschi lächelte. „Das klingt schön.“
„Es war mehr als schön“, sagte Lara und schloss kurz die Augen. „Es war… Freiheit. Dieses Meer aus Lila, der warme Wind, der Duft, der nie aufhörte. Man vergisst nie, wie sich sowas anfühlt.“
Sie strich mit der Pfote über die Blüten. „Und weißt du, was am schönsten ist? Dass dieser Duft immer derselbe bleibt. Egal, wie viele Jahre vergehen.“
Mozart und die Hummeln
Mozart setzte sich mit seinem Apfelwein dazu, betrachtete lange das Treiben der Hummeln.
„Ein faszinierendes Schauspiel“, sagte er schließlich. „So klein, so schwer, so unermüdlich. Und doch so leicht in ihrem Dasein.“
„Sie wissen, was sie tun“, meinte Uschi.
„Das tun wir doch auch, nicht?“, fragte Lara.
Mozart lächelte. „Manchmal. Aber wir stellen es komplizierter dar. Die Hummel fragt nicht, ob es sinnvoll ist. Sie fliegt. Sie lebt. Sie trägt bei. Mehr braucht’s nicht.“
Von Duft, Zeit und Freundschaft
Der Nachmittag verging in langsamer Ruhe. Uschi band kleine Lavendelsträuße, Lara erzählte von französischen Märkten, von Sommern voller Zitronentarte und von einer Hütte, in der der Lavendelduft in die Wände gezogen war.
Mozart sprach von Zeit. Von Kreisläufen. Von Düften, die Erinnerungen wie alte Freunde aufwecken.
„Lavendel hat eine Geduld“, sagte er, „die uns allen gut täte.“
„Vielleicht“, sagte Uschi, „ist es genau das, was wir hier machen: Geduld üben. Und ein bisschen Schönheit konservieren.“
Der Abend in Lila und Gold
Am Abend stand eine kleine Vase mit Lavendel auf jedem Tisch. In der Küche, im Wohnzimmer, sogar beim Känguru in der Nähe der Hängematte („Aber nur, wenn’s nicht nach Oma riecht.“).
Uschi kochte Tee mit einem Tropfen Lavendelsirup. Lara erzählte leise weiter, Mozart schrieb ein paar Zeilen in sein Notizbuch.
Der Hai kam vorbei, schnupperte und nickte anerkennend. „Sehr ordentlicher Kräuterbestand.“
„Nicht alles muss eine Norm erfüllen“, lächelte Uschi. „Manches reicht, wenn es einfach gut riecht.“
„Oder Erinnerungen weckt“, sagte Lara.
Mozart hob sein Glas. „Oder zeigt, wie wenig es braucht für einen vollkommenen Tag.“
Draußen summten die letzten Hummeln durch das violette Licht des Abends.