14. Juni 2025 Sonnig Sommer 3 min

Brettspiel mit Aussicht

Brettspiel mit Aussicht

Spielplatz Küche

„Heut Abend wird gespielt!“, verkündete Waschbär mit einem Trommelwirbel auf der Brotdose.

Der große Küchentisch war schon freigeräumt.
Uschi hatte Servietten gefaltet, Kroko deckte Getränke bei, und Mozart blätterte im alten Spielebuch, das er aus seinem Regal mitgebracht hatte.

„Früher spielten wir Leiterchen, auch Aufstieg und Fall genannt“, murmelte er.
„Ganz simpel: ein Würfel, ein Feld, und das Schicksal in Form von Leitern oder Schlangen.“

„Klingt wie mein Leben“, meinte das Känguru.


Das Spiel der Wahl

Der Hai hatte natürlich eine kleine Abstimmung vorbereitet.
„Wir haben zur Auswahl: Siedler von Kissenheim, Hotel Royal, Tierische Talente und Das große Gemüsedomino.“

„Kein Monopoly?“, fragte Lara.
„Nach letzter Woche? Niemals“, rief das Känguru. „Kapitalistische Kampfsimulation.“

Nach kurzer Diskussion einigte man sich auf Siedler von Kissenheim, ein Aufbauspiel mit Plättchen, Rohstoffen und einer winzigen Stoff-Schubkarre als Spielfigur.

„Ich nehme Orange!“, sagte Waschbär.
„Ich nehme Kaffee“, sagte Kroko.


Allianzen und Apfelschorle

Tigerlein stellte das Mikro auf, wollte ein paar O-Töne für seinen Podcast aufnehmen.
„Nur weiterreden, ich tu so, als wär ich gar nicht da.“

Mozart lächelte.
„Du erinnerst mich an mich früher. Ich habe die Spielzüge in mein Tagebuch geschrieben. Mit Füllfederhalter.“

Während die Küchenkatzen sich je eine Ecke des Spielplans als Beobachtungsposten suchten, baute der Hai in präziser Effizienz eine kleine Infrastruktur auf.

„Ich habe hier Getreide, Lehm, Holz und einen Plan.“

Das Känguru versuchte, eine Revolution auf dem Spielbrett auszurufen.

„Warum sind die Schafe nicht gleich viel wert wie das Erz?!“


Das Ende naht – das Spiel, nicht die Welt

Der Abend verging in Würfeln, Tauschen, Lachen.
Uschi verteilte kleine Teller mit Nüssen und Erdbeeren.
„Nicht kleckern, das Brett ist ausgeliehen“, mahnte sie.

Mozart schloss kurz die Augen.
„Es ist wunderbar zu sehen, wie aus einem Spiel ein Abend wird, der bleibt.“

Am Ende gewann Waschbär, weil niemand seine getarnte Karottenstraße ernst genommen hatte.
„Und damit ziehe ich in die Hall of Fame von Kissenheim ein!“


Ruhiger Ausklang

Später saßen sie noch zusammen.
Einige auf Kissen am Boden, andere auf Stühlen.
Der Fernseher blieb aus, der Mond schien herein.

„Ich mag Brettspiele“, sagte Tigerlein.
„Sie zeigen, wer wir sind, ohne dass wir viel sagen müssen.“

„Und wenn man verliert, gewinnt man wenigstens Erfahrung“, ergänzte der Hai.

Mozart prostete ihm mit Kamillentee zu.
„So ist das Leben auch.“


So ging ein Samstag vorbei – nicht mit Feuerwerk, sondern mit Würfeln. Nicht mit Siegen, sondern mit Begegnung.
Und in einem Notizbuch stand später geschrieben:
*Die besten Spiele sind die, bei denen man sich am Ende näher ist als am Anfang.